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Joschka Fischer nimmt nach 23 Jahren Politikkarriere Abschied


08.07.2006 (E. Engelhardt) Kategorie: Politik

Bild: www.tagesschau.de

Die langjährige Führungsfigur der Grünen, Ex-Außenminister Joschka Fischer, verabschiedete sich am Dienstag, 27. Juni 2006, aus der Bundestagsfraktion und kehrt damit der Parteipolitik endgültig den Rücken zu. Der 58-jährige beendete seine Politikkarriere hinter verschlossenen Türen mit einer kurzen Rede.

Er betonte, dass seine Abkehr von der nationalen Politik endgültig sei und eine Rückkehr auf internationaler Ebene unwahrscheinlich ist. Jetzt wolle er „Privatmann“ sein. In den nächsten Wochen wird er sein Bundestagsmandat niederlegen. Im Herbst übernimmt er für ein Jahr eine Gastprofessur an der Elite-Universität Princeton in den USA.

Seine Auftritte im deutschen Bundestag waren wortgewaltig, doch in den vergangenen Monaten war es etwas ruhiger um Joschka Fischer, den „Übervater und Vorsitzenden“ der Grüne, geworden. Bereits nach der Wahlniederlage bei der Bundestagswahl im Herbst 2005 kündigte Fischer seinen Rückzug aus der Spitzenpolitik an. Nach 20 Jahren in Führungsämtern tauscht er nun Macht gegen Freiheit zurück. Eine Ankündigung, die so manch einer nicht wirklich ernst nehmen wollte. Vor allem die eigene Partei-Fraktion war sich nicht so sicher, ob er nicht doch weiter im Hintergrund das politische Geschehen bestimmen wolle.

Ex-Bundesinnenminister Otto Schily von der SPD würdigte Fischer als beachtliche politische Persönlichkeit: „Ein Mann mit einer interessanten Biografie, die vom Autodidakten, Taxifahrer bis zu einem der höchsten Staatsämter reicht.“

Von 1983 bis1985 und seit 1994 saß Fischer im Bundestag. Er trug 1998 maßgeblich dazu bei, dass die Grünen mit der SPD eine Regierungskoalition bildeten und somit die Ära von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) beendet werden konnte. In der rot-grünen Regierung von Bundeskanzler Gerhard Schröder war Joschka Fischer von 1998 bis 2005 als Außenminister tätig.

Doch das strahlende Image des politischen Überfliegers wurde 2005 durch die Visa-Affäre stark beschädigt. Vor laufenden Fernsehkameras trat er als Zeuge am 25. April 2005 vor dem Visa-Untersuchungsausschuss auf. Aufgrund heftiger Kritik räumte er eigene Versäumnisse ein und übernahm die komplette politische Verantwortung. Doch einen Rücktritt als Außenminister und Vizekanzler schloss er aus, obwohl einige Stimmen dies forderten.

Die Strafe der Wähler und Medien hieß „Liebesentzug“. Auf der Sympathieskala rangierte Fischer plötzlich nur noch im unteren Maß. Seine steile Laufbahn hatte einen entscheidenden Knick bekommen.

Fischers Nachfolger im Bundestag wird Grünen-Vorstandsmitglied Omid Nouripour sein. Der 31-jährige Deutsch-Iraner, der sich viel mit Migrationspolitik befasst, kommt erstmals in den Bundestag. Fischer sprach von einer „sehr guten Besetzung“. Es sei toll, dass ein junger Abgeordneter aus Frankfurt am Main seinen Sitz übernehme.



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