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Klinsmanns Abschied - Zwei Jahre voller Auf und Ab
01.08.2006 (E. Engelhardt)
Kategorie: Sport
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In den letzten Wochen erstrahlte Deutschland in einem neuen Licht. Abgestandene Klischees wurden durch ein „neues und positives Bild Deutschlands“ abgelöst. Der Grund dafür: die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Eine Welle von Besuchern kam ins WM-Land. Nach Schätzungen der Berlin-Tourismus-Marketing-Gesellschaft (BTM) begrüßte allein Berlin während dieser Zeit rund 15 Millionen Gäste.
Viele Nationen teilten sich eine beispiellose Stimmung, die sich vom ersten Tag an verbreitete. Spätestens mit Beginn des Viertelfinales kamen sogar die größten Fußballmuffel nicht mehr vom Fernseher los. Nach jedem Spiel steigerte sich das allgemeine Fußballkribbeln.
Das Spiel um den dritten Platz wurde spontan zum größten Event der Fußballparty. Deutschland feierte den dritten Platz, als ob es den ersten gar nicht gäbe. Es war ein Monat voller Emotionen. Große Spieler beendeten mit diesem Event ihre Karriere. Oliver Kahn überzeugte nicht nur sportlich, sondern auch menschlich seine Fans. Auch der Portugiese Luis Figo meinte: „Es ist Zeit, zu gehen.“
So auch der Bundestrainer der Nationalmannschaft Jürgen Klinsmann. In den vergangenen zwei Jahren habe er viel Kraft gelassen, sagte Klinsmann bei der Pressekonferenz in der DFB-Zentrale am 12. Juli. „Es war alles andere als eine leichte Entscheidung. Ich möchte gern zu meiner Familie zurück, zurück in die Normalität“, begründete er seinen Beschluss. Dies klingt wie die Erschöpfung nach einem langen Lauf.
Überraschend kommt sein Abgang nicht. Mit ganzer Energie und hohem Einsatz hat Klinsmann für den Höhepunkt WM 2006 gelebt und gearbeitet. Die vielen Flüge zwischen Kalifornien und Frankfurt haben ebenso Kraft gekostet, wie die ständige Motivation der Mannschaft und die Kritik an seinen Trainingsmethoden und seinem Wohnort. Klinsmann will erst mal Ruhe und die Zeit genießen. „Diese Zeit wird dir nicht gegeben, wenn du weitermachst“, sagt er. Im Fußball geht alles schnell. Nach dem WM-Hochgefühl kann schnell der Absturz folgen. Beispielsweise könnte das junge DFB-Team plötzlich Ansprüchen nicht mehr gerecht werden. Man kann als deutscher Bundestrainer, nach einem solchen Turnier, tief fallen. Daher geht Jürgen Klinsmann lieber freiwillig.
Als Nachfolger wurde Joachim Löw präsentiert. Der neue Bundestrainer erhielt einen Zweijahresvertrag und soll die deutsche Elf zur Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz führen. Löw hatte seit Juli 2004 als Klinsmann-Assistent gearbeitet und somit maßgeblichen Anteil am Erreichen des dritten Platzes bei der WM.
Für die erfolgreichen Auftritte der deutschen Mannschaft bei der WM will Bundespräsident Horst Köhler den 23 WM-Spielern sowie dem gesamten DFB-Trainerteam am 14. August das Silberne Lorbeerblatt verleihen. Es ist die höchste sportliche Auszeichnung, die Deutschland zu vergeben hat. Für seine großen Verdienste um das Gemeinwohl soll Klinsmann noch persönlich mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden.
Und für die Nation folgt nach dem großen Fußballkater die Vorfreude auf die Qualifikationsspiele für die EM, die bereits im September beginnen. Es darf wieder kräftig mitgezittert werden.
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