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Gedenken an das Massaker von Srebrenica vor 10 Jahren


16.07.2005 (R. Uhlen) Kategorie: Europa

Bild: gruenhelme.de

„Warum nehmt ihr ihn? Er ist doch erst 1981 geboren!“, ruft die Frau, doch der Soldat zieht den älteren ihrer beiden Söhne mit sich fort. Sie sieht ihn nicht wieder und weiß, dass er wie die anderen Männer ermordet wurde.

Dies ist die Aussage der „Zeugin DD“ im Prozess gegen General Radislav Krstic, der sich wegen den Geschehnissen in Srebrenica zu verantworten hat. Im nachfolgenden Urteil von 2001 formuliert der internationale Gerichtshof die Bezeichnung für das Massaker von Srebrenica erstmals wie folgt: Genozid, Völkermord.

Am 11. Juli 1995 nahm die „Armee der Republika Srpska“ unter General Ratko Mladic das nordbosnische Städtchen Srebrenica ein. Dieses war bereits zwei Jahre zuvor, seit dem 16. April 1993 UNO-Schutzzone. Tausende Flüchtlinge aus dem serbisch- bosnischen Krieg waren dorthin geflohen. Doch die 370 niederländischen UNO-Soldaten konnten das Massaker nicht verhindern. Frauen und jüngere Kinder wurden unter ihren Augen auf Lastwagen aus der Zone weggebracht, während die Männer, Väter und Söhne zusammengetrieben und systematisch erschossen wurden. 8016 Namen stehen auf der Vermisstenliste.

Ein solcher Massenmord kann unmöglich die ungeplante, raserische Tat einzelner Verantwortlicher sein. Im Gegenteil - die „Operation Kriwaja“ war Teil der „ethnischen Säuberungen“ der serbischen Armee. An die 40.000 bosnische, muslimische Flüchtlinge lebten im Sommer 1995 in Srebrenica. Die Schutzzone wurde über einen längeren Zeitraum hinweg systematisch beschossen und ausgehungert, Lebensmittelkonvois an der Einfahrt gehindert und den UNO-Soldaten gezeigt, dass sie der Armee besser nicht in die Quere kamen. Munition und Waffen sowie Bulldozer zum Ausheben der Massengräber wurden bereitgestellt, ein Lagerhaus, eine Grundschule und ein Fußballfeld ausgesucht, auf dem die Opfer erschossen werden sollten. Sogar ein lokaler Kriegsreporter war anwesend, um den siegesgewissen Mladic zu filmen.

Hätte der Genozid verhindert werden können? Die anwesenden UNO-Soldaten waren jedenfalls nur mit einem „leichten Mandat“ ausgestattet gewesen, was ihnen nicht einmal bei einem direkten Angriff erlaubte, auf Aggressoren zu schießen. Tragische Fehlentscheidungen der Nato, die im Vorfeld Bitten um Unterstützung durch Luftangriffe ignorierte, oder der niederländischen Regierung, die die Soldaten besser hätte ausrüsten sollen, oder der Vereinten Nationen, die die Gefahr erkennen und ihre Soldaten mit einem härteren Mandat hätten ausstatten können.

Bis heute sind die Zusammenhänge ungeklärt und die Suche nach den Schuldigen unbeendet. Obwohl bereits etwa zwei Dutzend mutmaßliche Kriegsverbrecher vor dem internationalen Gerichtshof Den Haag stehen oder verurteilt wurden, sind General Mladic und der, zu dieser Zeit amtierende, Präsident Radovan Karadzic weiterhin auf der Flucht.

2005 nun reichten Angehörige der Opfer in Den Haag eine Klage gegen die Niederlande ein, mit dem Vorwurf, der Staat habe nicht genug für die Rettung der Opfer getan.

Die serbische Regierung weigert sich beharrlich Schuld einzugestehen. Auch in diesem Jahr versuchten serbische Nationalisten die Gedenkfeiern zu stören.

Das Massaker von Srebrenica ist noch lange nicht vergessen.



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