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Medienkrise seit 2001


15.08.2006 (H. Bylinski) Kategorie: Welt

Bild: www.leyrer.priv.at

Von unglaublicher Größe sind die Erneuerungen – ja gar Detonationen – die die Printmedien aber auch die elektronischen Medien im Jahre 2001 mit außerordentlicher Wucht heimgesucht und vor neue Herausforderungen gestellt haben. Die schweren Auswirkungen der Medienkrise sind die gravierendsten, die nach der Instandsetzung einer autonomen Medienordnung im Nachkriegsdeutschland und nach Einführung des dualen Rundfunksystems 1982 zu verzeichnen sind.

Der Kirch-Konzern brach zusammen, bald darauf gerieten autonome Produktionsgesellschafen und Dienstleistungsbetriebe in Existenznot, Zeitungsunternehmen mussten drastische Zäsuren in ihren Produkten vornehmen. Tausende von Mitarbeitern – freie wie feste – büßten ihre Arbeitsplätze ein, Rechtehändlern des Films wie des Sports wurden nicht nur die Grenzen ihrer Möglichkeiten vor Augen geführt, sondern sie setzten auch ihre erworbenen Renommees aufs Spiel. Doch wo liegt der Ursprung dieses Dominoeffektes, der die Medienkrise auslöste?

Einige Verlage haben aufgrund des vorherrschenden Investitionsdrucks zu schnell und ohne ausreichendes Eigenkapital expandiert. Das war wohl der ausschlaggebende Grund, das zur Insolvenz der Kirch-Gruppe führte. Andere wiederum sind immer übereifriger und leichtsinniger in neue Märkte eingedrungen, für die es zwar viel Fantasie aber keine zahlungsfreudigen Nutzer gab. Die Folge dieser medialen Erschütterung, nämlich die schwierige ökonomische Lage, hat viele Zeitungsverlage veranlasst, kräftige Einsparungen vorzunehmen – mit schweren Folgen für die Qualität der Redaktionsarbeit. Die augenblickliche Medienkrise ist auf unternehmenseigene, konjunkturelle und strukturelle Ursachen zurückzuführen.

Im Rückblick lässt sich feststellen, dass die Jahre von 1982 bis 2001 für die Medien die angenehmsten des vergangenen Jahrhunderts gewesen sind. Es war eine Zeit des sich ausdehnenden Erfolgs, der hinreichenden Ressourcen (auch des Kapitals) und des ungebremsten Enthusiasmus’. Das Lokale entfaltete sich bis ins Überregionale, das Nationale dehnte sich ins Globale aus, mit immer neuen Kooperationen und Fusionen der Konzerne.

Diese Zeit ist vorbei. Die Presse ist die Artillerie der Gedanken, wie Gothold Eprahim Lessing einst lobend sagte, doch in der anhaltenden Medienkrise erschüttert und in Fesseln gelegt. Triebfedern für die Medienkrise gibt es massenhaft. Medien, gleichgültig ob Zeitungen oder Fernsehen, werden von Menschen für Menschen gemacht. Ihre Erzeugnisse berühren, ja besetzen das Denken und Fühlen der Leser und Zuschauer.

Sie beanspruchen nicht nur das Finanzbudget, sondern auch einen gebührlichen Teil des Freizeitbudgets der Menschen. Ein Durchschnittsbürger verfügt täglich über zirka fünf Stunden Freizeit. Wenn man berücksichtigt, auf wie viele unterschiedliche Tätigkeiten der Mensch sich diese wenige freie Zeit verteilt, dann wird offensichtlich, wie sehr nicht nur Geld, sondern auch Zeit knapp sein kann. Wenn jedoch sowohl inhaltlich wie auch vom zeitlichen Umfang her am Bedarf und den Bedürfnissen der Menschen vorbeiproduziert wird, dann darf sich die Medienbranche nicht wundern, wenn der um sich greifende Verdrängungswettbewerb in einem „Crash“ endet.

Vorbereitet wurde die gegenwärtige Gefährdung der Zeitungen durch das seit vielen Jahren wachsende Desinteresse Jugendlicher an Tageszeitungen und den Abzug der Auto-, Immobilien- und Stellenanzeigen in das Internet. Hinzu kam der Rückgang von Werbeanzeigen. Die Verunsicherung in den Redaktionen schwillt an und die Qualität der Zeitungen leidet unter der Medienkrise. Journalisten werden zu Grenzgängern zwischen Journalismus und Werbung. Die innere Pressefreiheit, als besonders sensible Seite der Medienfreiheit, ist gefährdet.



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