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Superman returns - Filmkritik


17.08.2006 (T. Altmann) Kategorie: Kultur

Bild: www.filmstarts.de

„Wo war er? Hat er Urlaub gemacht? Wenn ja, wo?“ - Handlung

Fünf Jahre sind seit den Geschehnissen aus Superman II ins Land gezogen - jetzt ist er zurück, der Mann aus Stahl. Da stellen sich Perry White, dem Chefredakteur des „Daily Planet“, natürlich wichtige Fragen. Ohne zu viel zu verraten: Im Urlaub war er nicht. Stattdessen hat er sich ohne ein Wort des Abschieds auf den langen Weg nach Krypton gemacht, um die Überreste seines zerstörten Heimatplaneten in Augenschein zu nehmen.

Während seiner Abwesenheit ist einiges passiert. Seine heimliche Liebe Lois Lane (Kate Bosworth) ist Mutter geworden und nun mit Richard White (James Marsden), Perrys Neffen, liiert. Zudem steht ihr ein Pulitzer-Preis ins Haus und das ausgerechnet für einen Artikel mit dem Namen „Warum die Welt Superman nicht braucht.“ Bösewicht Lex Luthor (Kevin Spacey) schmiedet unterdessen einen neuen Plan, die Weltherrschaft an sich zu reißen und dem verhassten Rückkehrer endgültig den Gar aus zu machen.

„Hat er zugenommen? Was hat er gegessen?“ - Besetzungen

Was auch immer er gegessen hat, zugenommen hat er nicht. Ganz im Gegenteil - wo Christopher Reeve bisweilen den Eindruck erweckte, er müsse den Bauch einziehen, um in das hautenge Kostüm und das rote Höschen zu passen, glänzt Model und Serienschauspieler Brandon Routh entspannt. Dennoch ist die Ähnlichkeit der beiden Darsteller offensichtlich. Spätestens wenn Routh lächelt, fühlt sich der Nostalgiker an den jungen Reeve von 1978 erinnert. Viel mehr verlangte die Rolle des tollpatischen Clark Kents und die des erhabenen Supermans dem Protagonisten schon damals nicht ab.

Die 23-jährige Kate Bosworth hingegen wirkt in der Rolle der Lois Lane schlecht beraten. Sie scheint zu jung zu sein, um bereits eine herausragende Reporterkarriere vorweisen zu können und dazu einen fünfjährigen Sohn ihr Eigen zu nennen. Das fällt auch dem Zuschauer auf, der den Vergleich zur Darstellerin der ersten beiden Teile nicht vor Augen hat. Zudem lässt sie die Ausstrahlung und das Selbstbewusstsein einer Margot Kidders in vielen Szenen vermissen.

Kevin Spacey beerbt Gene Hackman als Lex Luthor und leistet dabei solide Arbeit. Der einzig große Name in diesem Film verpasst jedoch die Chance, der Figur des Erzfeindes Supermans das gewisse Etwas mitzugeben. Abgesehen von trockenen Sprüchen und einem besonderen Sinn für Humor kommt von dem Star aus Filmen wie „American Beauty“ und „Seven“ nicht viel.

Übrigens: Als das Projekt „Superman lives“ Mitte der Neunziger in die Vorproduktion ging, war noch Jack Nicholson für die Rolle Luthors vorgesehen. Nicholas Cage sollte den Superhelden mimen und Sandra Bullock die rasende Reporterin. Erst 2004 verließ Sir Anthony Hopkins, der den Part des Jor-El übernehmen sollte, das Team zusammen mit dem damaligen Regisseur Brett Ratner, der sich wiederum nicht mit Warner Brothers auf einen Hauptdarsteller einigen konnte und daraufhin das Handtuch warf.

„Menschen gibt’s im Dutzend billiger.“ - Produktion und Drehbuch

... zitiert Lex Luthor seinen verstorbenen Vater - Spezialeffekte hingegen nicht. Dass Regisseur Bryan Singer, Macher der X-Man-Reihe, kaum Kosten und Mühen gescheut hat, erahnt der Laie, wenn er die mitunter beeindruckenden Effekte sieht. Eine Rekordsumme von 250 Millionen Dollar (verschiedene Quellen berichten von Summen zwischen 200 und 300 Millionen Dollar) an Produktionskosten ist jedoch alles andere als offensichtlich. Superman fliegt, ja, und dieses mal sogar ohne Fäden und doppelten Boden. Sein Umhang flattert im Wind, der Röntgenblick sieht täuschend echt aus. Überwältigende, nie da gewesene Animationen gibt es jedoch nicht. Was ist mit dem Geld passiert?

Die Action steht über weite Teile des Filmes im Hintergrund oder ist nicht fähig, echte Spannung zu erzeugen. Superman ist Herr der Lage und lässt keine Dramatik aufkommen. Daran ändert auch ein abstürzendes Flugzeug mit angekoppeltem Spaceshuttle oder eine auf einem Hausdach platzierte Riesen-Gatling samt Massenmörder nichts.

Was bleibt dem Film, um den erwartungsvollen Kinobesucher zu fesseln? Richtig - er könnte die angeknackste Beziehung zwischen Superheld und Reporterin in den Vordergrund rücken und mitreißend gestalten. Das geschieht leider nicht oder nur teilweise. Clark Kent scheint für Lois Lane praktisch nicht da zu sein. Liebhaber der TV-Serie „Superman - Die Abenteuer von Lois und Clark“ finden sich in einer ganz neuen Welt wieder. Richard küsst sie eher lieblos; er könnte auch ihr Bruder sein. Weder Clark noch Superman machen Anstalten, Richard den Rang abzulaufen. Da besteht wenig Konfliktpotential und der Film wird anspruchs- und spannungslos.

Hauptproblem der Drehbuchautoren Dan Harris und Michael Dougherty war auch in „Superman returns“, einen Gegner oder eine Waffe zu finden, der oder die dem fast Unbesiegbaren schadhaft werden kann. Da gibt es bekanntlich nicht viele. Nachdem Jude Law die Rolle des General Zod mehrfach abgelehnt hatte, wurde sie aus dem Skript gestrichen und nicht neu besetzt.

Es blieb Lex Luthor, der nun mal nur eines hat, um Superman gefährlich zu werden: Kryptonit. Der Köder, der den Helden anlocken soll, ist dieses Mal nicht kleiner als ein neuer Kontinent, erschaffen durch die Wachstumsmanipulation außerirdischer Kristalle. Inmitten des Atlantiks sprießt der schließlich aus dem Meeresboden und beraubt, da mit dem grün-leuchtenden Kryptonit durchsetzt, Superman seiner Kräfte.

Die Idee wirkt eher verzweifelt als innovativ. Damit verpasst das Produktionsteam auch die letzte Gelegenheit, dem Film etwas mitzugeben, das über den Tellerrand einer Comic-Verfilmung hinausragt. Dabei ließ das altbekannte, neu aufgearbeitete Intro und die berühmte Titelmusik hoffen. Ihr verdankt der Film die wenigen Gänsehautmomente.

„Das wirst du nicht verpassen wollen!“ - Fazit und Empfehlung

... oder doch? Wer nach einem überzeugenden Actionfilm sucht, wird in „Superman returns“ wahrscheinlich nicht fündig. Stattdessen wartet der 154 Minuten lange Streifen alle paar Augenblicke mit humoristischen Einlagen auf. Über makabere Situationen sollte man dabei aber ebenso lachen können, wie über Slapstick-Witze einfachster Art. Wer den kriminellen Handlanger „Brutus“ mit der Tätowierung auf dem Hinterkopf im Duett mit Lois’ Sohn Jason (Tristan Lake Leabu) Hoagie Carmichaels „Heart and Soul“ spielen sieht und das lustig findet, ist auf jeden Fall unterhalten.

Des Weiteren bleibt er selbstverständlich ein Pflichtfilm für echte Fans, zumal 2009 bereits der nächste Teil erscheinen soll. Das Prädikat „besonders wertvoll“ der Filmbewertungsstelle Wiesbaden kann jedoch nur als kläglicher Versuch, die Komik des Filmes aufzunehmen, verstanden werden.



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