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Erster Spatenstich am umstrittenen Ilisu-Staudamm am Tigris
18.08.2006 (I. Kutta)
Kategorie: Welt
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Die Bauarbeiten am Ilisu-Staudamm am Tigris im Südosten der Türkei wurden am 5. August 2006 aufgenommen. In sieben Jahren soll durch den Ilisu-Staudamm ein Stausee mit einer Fläche von 313 Quadratkilometern geschaffen werden. Die Staumauer wird 1820 Meter lang und 135 Meter hoch sein. Das gigantische Projekt soll 10.400 Millionen Kubikmeter Wasser aufstauen, welches zum Großteil der Stromgewinnung dienen soll.
Der Ilisu-Staudamm ist Teil des größten regionalen Entwicklungsprojektes der Türkei, dem Südostanatolien-Projekt, das den Bau von 22 Staudämmen, 19 Wasserkraftwerken und Bewässerungsanlagen an den Flüssen Euphrat und Tigris beinhaltet.
Da die Türkei eine jährliche Energiebedarfssteigerung von 6 % bis 8 % aufweist, stand die Türkei vor der Frage, durch welche Mittel sie diesem Mehrbedarf gerecht wird. Das Spitzenlast-Kraftwerk am Ilisu-Staudamm wird durch Wasserkraft alleine mit seiner Leistung von 1.200 Megawatt etwa 3 % der türkischen Stromerzeugung übernehmen können. Der dort produzierte Strom kann 2 Millionen Haushalte versorgen.
Eigentlich sollte schon im Jahre 2002 mit den Bauarbeiten angefangen werden, aber der starke internationale Protest verhinderte den Baubeginn damals. Die Bedingungen wurden durch Interessenausgleiche zwar stark verbessert, doch ist der Bau des Ilisu-Staudamms auch heute noch umstritten.
Zum einen müssen für den Staudamm ganze 11.000 Menschen umgesiedelt werden, zusätzlich verlieren 32.000 Personen Teile ihres Bodens. Weitere 11.500 nicht in dem Gebiet lebende Menschen müssen Grundbesitz in dem betroffenen Gebiet einbüßen. Alle Betroffenen werden aber nach hohem internationalem Standard in Form von neuen Siedlungen oder Geldzahlungen entschädigt.
Kritiker des Bauprojektes beklagen zum anderen die partielle Zerstörung der archäologisch wertvollen Stadt Hasankeyf. Insgesamt werden 100 Millionen Dollar für die Versetzung und den Wiederaufbau archäologisch wertvoller Monumente veranschlagt.
Die Gegner des Staudamms geben zu bedenken, dass sich ein möglicher Wasserkonflikt mit Syrien oder dem Irak ebenfalls problematisch auswirken könnte. Jedoch hat die Türkei zugesichert, die Richtlinien bezüglich der Mindestdurchflussmengen einzuhalten. Außerdem reguliert der Ilisu-Staudamm den Tigris, sodass vermutlich sogar Überschwemmungen auch in den Nachbarstaaten verhindert werden können.
Das Projekt schafft nicht nur in der Türkei, sondern auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz unzählige Arbeitsplätze. Das Errichtungs-Konsortium rund um die Unternehmen VA Tech Hydro, Alstom und Züblin beschäftigt in diesen Ländern hunderte hoch qualifizierte Fachkräfte. In der Region des geplanten Ilisu-Staudamms selber werden der Staudamm und die dadurch geschaffenen Arbeitsplätze einen Impuls für die weitere regionale Entwicklung verbunden mit einer stark verdichteten Infrastruktur geben. Die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung wird durch den Bau des Staudamms überdies entscheidend verbessert.
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