|
Der wissenschaftliche Fortschritt unserer Zeit hat viele Vorteile und Erleichterungen für uns geschaffen. So auch die gentechnische Veränderung von Lebensmitteln. Doch trotz der vielen Vorteile gibt es natürlich auch Nachteile und Ängste vor gesundheitlichen Folgen.
Als erstmals bekannt wurde, dass die Lebensmittelindustrie auf Genetic Engineering setzt, gab es einen Aufschrei unter der Verbrauchern. Diese Verunsicherung mag zum einen daran liegen, dass die Endverbraucher nicht wissen, was genau gentechnische Veränderung bei Lebensmitteln bedeutet, zum anderen aber auch daran, dass die Kennzeichnung solcher Lebensmittel nicht eindeutig ist.
Was ist Gentechnik?
Was ist also mit einem Produkt passiert, wenn es gentechnisch behandelt wurde? Die gentechnischen Verfahren beruhen auf den Eingriff in das Erbgut eines Organismus, wie z. B. Nutzpflanzen. Der genetische Code besteht aus Basentripletts (AAC, CAT usw.), die jeweils eine Aminosäure codieren. Aus der Abfolge der Aminosäuren und deren räumliche Anordnung zueinander resultiert das fertige Protein. Wird die Abfolge der Tripletts verändert, so verändern sich auch die Eigenschaften des Proteins.
Diese neu kombinierten Moleküle werden isoliert und in einen Vektor, bei dem es sich um eine Art Transportmolekül handelt, eingebaut. Dieser Vektor wird nun mit dem neuen Molekül in eine Zelle eingebracht. Dabei kann es sich beispielsweise um die Zelle eines Maissetzlings handeln. Ausgehend vom Beispiel des Maissetzlings hat diese Pflanze nun eine zusätzliche genetische Information. Diese kann für eine Insektenresistenz, eine Nährwertsteigerung, eine Geschmacksintensivierung usw. stehen. Dieser „transgene Mais“ trägt dann den Namen „gentechnisch veränderter Organismus“ (GVO).
In welchen Lebensmitteln sind gentechnisch veränderte Bestandteile?
Woran aber erkennt man nun also Lebensmittel, die GVOs enthalten? Prinzipiell dürfen nur drei Arten von genveränderten Pflanzen in Deutschland vertrieben werden: Soja, Mais und Raps. Da dies Grundlagen vieler Lebensmittel sind, ist die Wahrscheinlichkeit, ein gentechnisch verändertes Produkt auf dem Deutschen Markt zu finden, extrem groß. (Maisstärke z. B. ist Bestandteil folgender Produkte: Andickungsmittel, Pudding und Suppe)
Aber auch gentechnische veränderte Enzyme (Proteine, die Reaktionen im Körper katalysieren) werden in der Produktion vieler Lebensmittel eingesetzt. Trotzdem werden nicht einmal annähernd so viele Produkte in den Ladenregalen als gentechnisch verändert gekennzeichnet. Der Trick ist, dass nur Produkte, die selbst GVOs sind, markiert werden müssen. Eine Kennzeichnung ist allerdings nicht nötig, wenn nur ein Inhaltsstoff gentechnisch verändert ist. Unvermeidbare Mengen von bis zu 0,9 % müssen ebenfalls nicht angegeben werden. Außerdem werden diese Produkte auch an Nutztiere verfüttert, die später als Schlachtvieh beim Metzger landen.
Eine entsprechende Markierung ist laut EU-Norm in diesem Fall allerdings nicht notwendig. Nur bei Biofleisch ist eine Verfütterung von Gen-Food verboten. Dies stellt besonders für Allergiker ein Risiko dar, da Allergien auf Reaktionen des Immunsystems mit Fremdproteinen basieren. Nimmt ein Allergiker also ein gentechnisch verändertes Protein über die Nahrung auf, kann es zu einer allergischen Reaktion seines Immunsystems kommen.
Ist Gentechnik gefährlich?
Dass genveränderte Pflanzen zu mehr Allergien führen können, ist jedoch falsch, denn auch in exotischen Früchten, die der Körper nicht kennt, können Allergene vorhanden sein. So wurden z. B. besonders viele allergische Reaktionen im Zusammenhang mit der Markteinführung der Kiwi in Mitteleuropa registriert. Auch ganz natürliche Pflanzen können also Allergene enthalten. Selbst der übermäßige Verzehr eines Produkts kann zu einer allergischen Reaktion führen. Zudem entwickelt sich eine Allergie gegen ein Produkt erst über längere Zeit. Es kommt also nicht zwangsläufig zu einer Reaktion auf das Produkt, wenn es zum ersten Mal verzehrt wird.
Mit Hilfe von Allergen-Datenbanken können die gentechnischen Labore mittlerweile überprüfen, ob das neue, genetisch veränderte Protein ein Allergen ist, oder nicht. Erst durch verschiedene Faktoren kann aus einem gesunden Eiweißmolekül ein allergenes werden. Diese Faktoren bilden die Anhaltspunkte für die Gentechniker. Durch die Arbeit dieser Wissenschaftler kann ein sich immer verbessernder Verbraucherschutz bei bereits untersuchten Lebensmitteln gewährleistet werden. Bei völlig neuen Produkten ist dies allerdings noch nicht möglich. In diesen Fällen ist selbstverständlich Vorsicht geboten.
Wer also sicher gehen möchte und keine gentechnisch veränderten Produkte kaufen will, sollte auf Bioprodukte zurückgreifen, die explizit als „Gentechnik-frei“ gekennzeichnet sind. Nicht derartig gekennzeichnete Bioartikel können trotz Bioanbau vernachlässigbare Spuren von GVOs enthalten.
Informationen über Lebensmittel, die gentechnisch veränderte Komponenten enthalten, erhalten Sie auf Internetseiten, wie www.transgen.de.
Ingesamt ist aber davon abzuraten übertriebene Angst vor Gesundheitsschäden durch Gentechnik zu haben, denn gentechnisch veränderte Organismen werden strengsten Kontrollen unterzogen, bevor sie auf den freien Markt angeboten werden. Die Kriterien dafür wurden unter anderem von der „Food and Agriculture Organisation“ (FAO) der Vereinten Nationen, der „Organisation for Economic Co-operation and Development“ (OECD) und der Europäischen Union erarbeitet und wissenschaftlich gesichert. Die Bestimmungen gehen dabei weit über jene hinaus, die für klassische Lebensmittel gelten und ähneln den Bestimmungen der Arzneimittelbranche.
Über Spätfolgen ist bisweilen nichts Genaueres bekannt, was wissenschaftlich eindeutig fundiert ist.
Als Fazit kann heute festgehalten werden, dass eine unausgewogene, einseitige Ernährung der menschlichen Gesundheit heutzutage eher schadet, als der Verzehr von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln.
|