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Blaualgen bedrohen das Ökosystem in der Ostsee


19.08.2006 (L. Beilschmidt) Kategorie: Wissenschaft

Bild: www.upi-institu.de

Ist die Blaualgenplage wirklich vorbei? Anfang August 2006 galt ein Badeverbot in mehreren Ostseebädern aufgrund der rasanten Vermehrung der Blaualgen, welche als Teppiche an die Strände gespült wurden. Inzwischen ist das Badeverbot wieder aufgehoben.

Blaualgen sind keine Algen, sondern Cyanobakterien, die aufgrund der enthaltenen hochgiftigen Blausäure „Blaualgen“ genannt werden. Die intensive Landwirtschaft der Ostseeanrainerstaaten und damit der verstärkte Eingang von Düngemitteln in die Ostsee dient als Grundlage für die starke Cyanobakterienvermehrung. Zusammen mit der andauernden Hitze des Jahrhundertsommers 2006 kommt es zu einem enormen Wachstumsanstieg. Dies bestätigen sowohl die Deutsche Umwelthilfe (DHU) als auch die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäuger (GSM). Bereits im heißen und langen Sommer des Jahres 2003 trat verstärkt Blaualgenwachstum in der Ostsee auf. Doch die Blaualgen belasten nicht nur den sonnenhungrigen Strandbesucher, sondern das gesamte Ökosystem der Ostsee.

Je mehr Blaualgen wachsen, desto mehr sterben wieder ab und setzen dabei zum Teil Blausäure frei. Nach dem Absinken der toten Cyanobakterien werden sie unter Sauerstoffverbrauch zersetzt, was zu einem Abfall des Sauerstoffgehalts im Wasser führt. Der Blausäuregehalt des Wassers nimmt allerdings durch den Abbau nicht ab und belastet weiterhin das Ökosystem.

Die als „Giftfilter“ fungierenden Meerestiere wie Miesmuscheln, Seepocken und Krebse leiden wiederum unter dem sinkenden Sauerstoffgehalt des Wassers. Zusätzlich werden sie durch die ansteigende Vermehrung von grün-braunen Fadenalgen unter den herrschenden Bedingungen bedroht. Diese senken sich wie eine Decke auf Muschelbänke und den Meeresboden ab. Dabei werden die siedelnden Tiere regelrecht erstickt.

Als Begleiterscheinung des gestörten ökologischen Gleichgewichts tritt eine starke Quallenvermehrung auf, welche als Quallenpest von der Tourismusbranche wahrgenommen wird.

Nicht nur der Sauerstoffmangel im Wasser, auch der steigende Anteil an Blausäure bedroht die weitere Nahrungskette. Meeresvögel vergiften sich beim Trinken des Meerwassers, Fische sterben und schließlich können dadurch auch die Schweinswale der Ostsee zu Schaden kommen. Auch für den Menschen bergen Blaualgen ein gesundheitliches Risiko. Besonders Kinder, die beim Spielen im flachen Wasser viel davon schlucken können, sind gefährdet.

Einige der Cyanobakterienarten enthalten weitere Giftstoffe. Ein Beispiel ist Nodularia spumigena, welche der häufigste giftige Cyanobakterienvertreter in der Ostsee ist. Sie enthält Nodularin. Dieses Gift verursacht Blutergüsse in der Leber – weswegen es häufig als Lebergift bezeichnet wird – und es kommt schließlich zum Kreislaufschock. Andere Arten enthalten Amatoxine, die Nerven- und Muskelzellen insofern stören können, dass es neben Krämpfen und Lähmungserscheinungen bis zum grausamen Erstickungstod kommen kann. Weitere Symptome bei intensivem Kontakt zu Blaualgen sind Hautausschläge, Magen- und Darmirritationen.

Wegen des zunehmenden Sauerstoffmangels und dem ansteigenden Blausäuregehalt sollen tiefe Regionen der Ostsee bereits ökologisch tot sein. Denn die vergleichsweise flachen Ostseezugänge zum Atlantik bedingen, dass nur bei sehr starken Weststürmen frisches sauerstoffreiches Atlantikwasser in die Ostsee gelangt. Nicht auszudenken, welche Folgen auftreten, wenn sich die Ostsee nicht ausreichend regenerieren kann. Deshalb wird von führenden Umweltorganisationen zu einem Umdenken in der Agrarpolitik auf EU-Ebene und damit zu einer verstärkten Anstrengung gegen die Überdüngung aufgefordert.



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