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Am 20. Juli 2006 warnte der „World Wide Fund for Nature“ (WWF) Artenschützer Roland Melisch bei der Vorstellung einer neuen Studie in Frankfurt über die Lebensbedingungen der Tiger. Daraus ging hervor, dass Tiger in weit weniger Regionen vorkommen, als bislang angenommen wurde. „Tiger besiedeln jetzt nur noch 7 % ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets. Aber es ist nicht zu spät, ihr Bestehen weitestgehend zu sichern. Wir haben vier große Tiger-Landschaften mit jeweils mehr als 500 Tieren gefunden und in ganz Asien 76 Regionen mit zusammen über 1,1 Millionen Quadratkilometern ausfindig gemacht, in denen Tiger eine echte Zukunft haben – falls alle Interessengruppen mitziehen.“
Doch ist es nicht bereits zu spät? Vor etwa einer Million Jahren lebte die Urform des Tigers (Panthera tigris trinilensis) im Süden Chinas, aus dem sich neun Unterarten entwickelten und von dort in alle Himmelsrichtungen ausbreiteten. Von diesen neun haben nur sechs das letzte Jahrhundert überlebt.
Auf der Liste I der „Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora“ (CITES) sind bereits alle lebenden Unterarten seit 1975 als bedrohte Art eingestuft worden, so dass auch jeglicher Handel verboten ist.
Nachfolgend eine Auflistung über die verschiedenen Unterarten und den Gefährdungsgrad:
- Bali-Tiger (Panthera tigris balica), †1937
- Java-Tiger (Panthera tigris sondaica), †1976
- Kaspischer Tiger (Panthera tigris virgata), †1970
- Sibirischer Tiger (Panthera tigris altaica), vom Aussterben bedroht
- Südchinesischer Tiger (Panthera tigris amoyensis), vom Aussterben bedroht
- Malaysia-Tiger (Panthera tigris jacksoni), vom Aussterben bedroht
- Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae), vom Aussterben bedroht
- Indochinesischer Tiger (Panthera tigris corbetti), stark gefährdet
- Königstiger (Panthera tigris tigris), stark gefährdet
Das heißt in Zahlen, dass der Mensch nur hundert Jahre brauchte um die Anzahl von 100.000 auf 3.500 bis 7.000 Tiere in 13 Staaten der Erde zu dezimieren. Die Gründe sind wie immer gleich: Wilderei um aus ihren Körperteilen Arzneien herzustellen und die Rodung großer Waldgebiete für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung und dem damit verbundenen Verlust des Lebensraumes für den Tiger.
Zur Rettung fordert der WWF die Umsetzung einer Vier-Punkte-Strategie:
- Den grenzenübergreifenden Erhalt der vier großen Tiger-Landschaften zu schützen, ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Vier-Punkte-Strategie. Diese liegen im russisch-chinesischen fernen Osten, im Terai-Tiefland zwischen Indien und Nepal, im Namdapha-Manas-Wald zwischen Bhutan, Myanmar und Indien sowie in der Tenasserim-Region von Myanmar und Thailand. Des Weiteren soll das Weiterbestehen dieser Raubkatze noch durch zehn weitere Gebiete gesichert werden.
- Die Einrichtung von Tiger-Korridoren zur Vernetzung kleiner, isolierter Lebensräume soll umgesetzt werden.
- Die gezielte Unterstützung der Ausbreitung fortpflanzungsfähiger Tiger ist ein weiterer Punkt.
- Den Kampf gegen die Wilderei und gegen den Schmuggel von Tigerfell und -knochen soll ebenfalls nicht vergessen werden. Es ist zu hoffen, dass der Tiger nicht dem „Artenfresser“ Mensch zum Opfer fällt.
Ein altes Sprichwort besagt, dass wir die Dinge um uns herum erst zu schätzen lernen, wenn sie nicht mehr da sind. Erst wenn der letzte Tiger, der letzte Elefant, das letzte Nashorn, der letzte Wal verschwunden ist, wird dem Menschen klar, dass wir unsere Welt unwiederbringlich zerstört haben. Nur dann ist es zu spät.
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