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Was gehört zu einem gesunden Leben? Na klar, eine ausgewogene Ernährung und natürlich Sport. Was für viele aber einige Überwindung kostet, ist für andere zum Lebensinhalt geworden. Sie können an kaum etwas anderes Denken als an Sport und treiben ihren Körper bis zur vollkommenen Erschöpfung an. Sie leiden an einer neuen Form von Sucht, der Sportsucht.
Wir leben in Zeiten, in denen Schaufensterpuppen die Maße von Magersüchtigen haben und Schönheitsidole wie Marilyn Monroe aufgrund ihres Gewichts von jeder Modellagentur abgelehnt werden würden. Da war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann neben der Anorexie und Bulimie eine weitere Sucht, die einen perfekten Körper zum Ziel hat, in Form der Sportsucht auftritt.
Menschen, die an Sportsucht leiden, spüren jeden Tag das unbezwingbare Verlangen, Sport zu treiben. Oft sogar mehrmals, mehrere Stunden am Tag. Es kann sein, dass sie morgens schon joggen, nach der Arbeit noch einmal ins Fitnessstudio gehen und in jeder freien Minute auch noch Gymnastik machen.
Ein sehr erschreckendes Beispiel fiel bei der Kölner Sporthochschule auf. Wie die „ServiceZeit Gesundheit“ berichtete, weigerte sich dort ein Proband, seine Schuhe auszuziehen, um seine Füße zu verbergen. Mit 18 Jahren hatte er mit dem Joggen begonnen und so viel Spaß daran gefunden, dass er die Dosis ständig erhöhte. Mittlerweile war es so weit, dass er zwischen 200 und 300 km pro Woche lief und nachts den Wecker stellte, um laufen gehen zu können. Der Laufzwang hatte ihn soweit getrieben, dass er seine Füße bis auf die Knochen durchlief.
Charakteristisch für die Sportsucht ist, dass die Dosis ständig erhöht wird. Das Pensum von gestern muss also auf jeden Fall übertroffen werden, damit sich der gewünschte Adrenalinkick einstellt. Sollte es nicht möglich sein, Sport zu treiben, stellen sich oft sogar Entzugserscheinungen in Form von körperlicher Unruhe und Nervosität ein.
Die Süchtigen sind dermaßen auf den Sport fixiert, dass er zu ihrem Lebensalltag wird. Dafür nehmen die Betroffenen sogar in Kauf, dass soziale Beziehungen in die Brüche gehen und keine neuen aufgebaut werden können. Dieser Zwang, das tägliche Sportpensum von mehreren Stunden zu erfüllen, führt folglich zu Isolierung und Vereinsamung.
Neben den seelischen Schäden durch die soziale Isolierung fügen die Sportsüchtigen auch ihren Körpern Schaden zu. Der menschliche Körper ist einfach nicht für ein derart ausuferndes Training ohne jegliche Pause ausgelegt. Das viele Training kann dem Immunsystem schaden und auch die Knochen, Gelenke und Bänder können dadurch zu früh verschleißen.
Damit sind alle Punkte, die eine Sucht klassifizieren, erfüllt. Eine Sucht zeichnet sich der World Health Organization (WHO) zufolge durch folgende Kriterien aus:
-Ein unbezwingbares Verlangen zur Einnahme und Beschaffung des Mittels
-Eine Tendenz zur Dosissteigerung (Toleranzerhöhung)
-Die psychische und meist auch physische Abhängigkeit von der Wirkung der Droge
-Die Schädlichkeit für den einzelnen und / oder die Gesellschaft
(Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung)
In den USA haben die Menschen, die nie genug von Fitness bekommen können, bereits einen Namen. „Permanent Residents“ (ständige Bewohner) werden sie dort genannt. Nicht selten haben die „Permanent Residents“ aber inzwischen Zutrittsverbot in den Fitnessstudios.
Neben dem Willen, dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen, gibt es mehrere mögliche Gründe für die Entstehung einer Sportsucht. Zum einen können ganz individuelle Gründe verantwortlich sein. Einige brauchen das Gefühl der Erleichterung, die sich nach großen sportlichen Leistungen einstellt. Außerdem können gute sportliche Leistungen das Selbstbewusstsein steigern und dadurch eventuell Niederlagen in anderen Lebensbereichen kompensieren.
Zum anderen gibt es eine umstrittene Theorie, die besagt, dass die Sportler süchtig nach den Endorphinen werden. Die Endorphine, die bei starker körperlicher Betätigung ausgeschüttet werden, sollen Glücksgefühle hervorrufen und das Schmerzempfinden verringern, so dass der Mensch in eine Art Rausch versetzt wird.
Für Sportsüchtige ist es sehr schwer, von ihrem exzessiven Training wieder in ein normales Trainingsverhalten zurückzukehren. Um von der Sucht los zu kommen, müssen sie durch die Phase der körperlichen Entzugserscheinungen, die jede Sucht mit sich bringt. Außerdem besteht die Gefahr, in Depressionen zu verfallen, wenn das gewohnte Sportpensum ausbleibt, wie der Sportpsychologe Prof. Dr. Jürgen Beckmann in einem Interview mit der „Morgenwelt“ berichtete.
Noch gibt es nur wenige Sportsüchtige in Deutschland. Und nicht jeder, der viel Sport macht, muss zugleich sportsüchtig sein. Doch die Tendenz ist sicherlich steigend, und die Gefahr sollte nicht unterschätzt werden. Damit der Sport auch wirklich der Gesundheit dient und ihr nicht schadet, sollte also auf jeden Fall auf das richtige Maß geachtet werden.
Ob Sie sportsüchtig sind, können Sie hier testen: fitforfun.msn.de
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