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Im 25. Juli 2006 ereignete sich im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark der schwerste nukleare Zwischenfall seit Tschernobyl und Harrisburg.
Bei Wartungsarbeiten am Stromnetz des Reaktors wurde dieser durch einen Kurzschluss vom Stromkreis getrennt. Dabei wurde auch die Notstromversorgung beschädigt. Im Kraftwerk stürzten sämtliche Computer ab, Lautsprecher und Anzeigegeräte fielen aus. Gewissermaßen „blind“ mussten die Notfallmaßnahmen ergriffen werden, die nur knapp eine Kernschmelze verhinderten.
Bei einer Kernschmelze erhitzen sich die Brennstäbe im Reaktorkern unkontrolliert und verschmelzen, sodass radioaktives Material aus dem Reaktor in die Umgebung gelangen kann. Einzig und allein zwei von vier baugleichen Dieselaggregaten für die Notkühlung, die in letzter Minute noch ansprangen, verhinderten dies.
Das Unternehmen Vattenfall, welches dieses Atomkraftwerk betreibt, spricht von einem planmäßigen Verlauf der Situation, da die Sicherheitsmaßnahmen in Kraft getreten sind.
Ganz anders sieht dies der anerkannte schwedische Experte für die Kernkraftwerkstechnologie Lars-Olov Höglund, der früher verantwortlich für die Reaktorsicherheit in Forsmark war. Seiner Meinung nach war das Anspringen der beiden Notstromaggregate reiner Zufall. Niemand könne sich erklären, warum diese nicht ebenfalls ausgefallen sind. Weiterhin kritisiert er, dass die Sicherheitsstandards aus Profitgier immer weiter heruntergefahren werden. Anders könne er sich Wartungsarbeiten am laufenden Stromnetz nicht erklären.
Genau wie Vattenfall sagte er jedoch, dass von einem unmittelbar bevorstehenden GAU nicht die Rede sein konnte. Ein GAU bezeichnet den größten anzunehmenden Unfall, der von den Sicherheitssystemen in so weit mehr nicht beherrscht werden kann, dass außerhalb der Anlage keine radioaktive Strahlenbelastung über den zulässigen Grenzwerten nachzuweisen ist.
Nach dem Unglück wurden vier weitere schwedische Reaktoren vom Netz genommen, deren Sicherheit nicht gewährleistet werden konnte; davon zwei ebenfalls in Forsmark. Nach Bekanntwerden der Reaktorschließung stiegen der Strompreise in Schweden auf ein Rekordhoch. Während im Juli des vergangenen Jahres der Durchschnittspreis an der Strombörse Nord Pool bei 27,4 Öre pro Kilowattstunde lag, stieg er nach dem Unfall auf satte 57,4 Öre. (Wechselkurs im August 2006: 1 Euro = 9,2036 Öre).
Etwa die Hälfte des schwedischen Strombedarfs wird heute noch durch Kernkraftwerke gedeckt, obwohl der Ausstieg aus der Atomenergie schon 1980 beschlossen wurde. Bisher wurden erst zwei der ehemals zwölf Reaktoren stillgelegt, deren Leistung dann andere Kraftwerke übernahmen. Ob der Ausstieg wie geplant bis 2010 vollzogen sein wird, bleibt fraglich, denn noch vor dem Unfall in Forsmark sprach sich eine wachsende Zahl von Bürgern gegen den Ausstieg aus.
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