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Natascha Kampusch - Die Tragödie hat ein Ende


09.09.2006 (S. Salzmann) Kategorie: Europa

Bild: www.orf.at

Täglich werden Kinder entführt. Für die Eltern ist dies das Horrorszenario schlechthin – vor allem, wenn die verschollenen Kinder nie aufgefunden werden und noch nicht einmal der Tod festgestellt werden kann. Mit der Gewissheit, dass das eigene Fleisch und Blut nicht mehr am Leben ist, kann das Geschehene durch die Trauer wenigstens verarbeitet werden. Bei unaufgeklärten Entführungen jedoch befinden sich die Betroffenen ständig in einem Zwiespalt, der starken negativen Einfluss auf die Psyche haben kann.

Im Fall der 18-jährigen Natascha Kampusch bestand fast keine Hoffnung mehr, die junge Frau noch lebend zu finden. Die Suche nach der Vermissten war jedoch die bisher größte Suchaktion der Polizei in der Geschichte.

Sie wurde am 2. März 1998 auf dem Weg zur Schule in Wien entführt. Mehr als acht Jahre hielt sie ihr Entführer Wolfgang Priklopil in seinem Haus in Strasshof gefangen – in einem nur fünf Quadratmeter großen Verlies seines Kellers. Dort verbrachte sie das erste halbe Jahr, bekam weder frische Luft noch das Sonnenlicht zu Gesicht, bevor er Natascha erlaubte, sich auch im Haus aufzuhalten. Das soll nach Aussagen von Natascha nur unter strengster Beaufsichtigung stattgefunden haben.

Nach ihrer Flucht am 23. August 2006 und dem Bekanntwerden dieser, wurden zahlreiche Spekulationen aufgestellt, wie die, dass Natascha Wolfgang Priklopil „Gebieter“ bezeichnen musste. Wenige Zeit später dementierte sie allerdings diese Vermutung. Aus diesem Grund sei es ein „ausdrücklicher Wunsch von ihr, persönlich die Öffentlichkeit zu informieren“, erklärte Dietmar Ecker, Nataschas Medienberater.

Der 44-jährige Priklopil warf sich siebeneinhalb Stunden nach ihrer Flucht vor einen Vorortzug. In dem am 6. September 2006 stattgefundenen ersten Interview mit Natascha Kampusch erzählte sie, dass er ihr immer wieder mit Selbstmord gedroht habe, sollte sie flüchten. Weiter sagte sie, dass sie „beinahe klaustrophische Zustände in diesem kleinen Raum“ bekommen hätte.

Zu dem Verhältnis zu Priklopil erklärte sie, dass sie sich als stärker sah. „Er hatte einfach eine labile Persönlichkeit. Ich hatte dadurch, dass ich früher ein sehr gesundes soziales Umfeld hatte, eine – na ja – nicht unbedingt glückliche, aber liebevolle Familie.“

In jedem Fall missfiel den Eltern des Opfers ein derartiger Medienauftritt. Die Zeitung „Österreich“ berichtet, dass sie einen Anwalt damit beauftragten, das Interview durch eine einstweilige Verfügung vom Gericht unterbinden zu lassen. Der Kontakt seitens Natascha zu ihren Eltern sei jedoch distanziert. Während es mit der Mutter regelmäßig stattfindende Telefongespräche gäbe, bestände zum Vater bisher kein Kontakt.

Zurzeit lebt Natascha Kampusch von Opfer- und Sozialhilfe. Im Interview sagte Natascha, dass sie ihr Abitur nachholen und im Anschluss daran eine Ausbildung absolvieren möchte. Ihre psychotherapeutische Begleitung wird nach Angaben ihrer Betreuer noch mindestens ein Jahr fortgeführt werden müssen.

Die beiden zum Konzern „Mediaprint“ gehörenden Blätter „Kronen Zeitung“ und „News“ sollen nun vertragsgemäß für die Ausbildung und die Wohnsituation der jungen Frau Sorge tragen. Die „Kronen Zeitung“ soll ihr bereits eine Stelle auf Lebenszeit angeboten haben.

Am 8. September 2006 wurde Wolfgang Priklopil südlich von Wien unter falschem Namen beigesetzt. Laut der „Bild“ zündete das Entführungsopfer am Grab ihres Peinigers eine Kerze an. Das bestätigte Helmut Greiner vom österreichischen Bundeskriminalamt: „Sie war ein paar Minuten mit dem Sarg alleine.“

Ein österreichischer Anwalt will nun auch im Namen von Natascha Kampusch Ansprüche auf das Haus ihres Entführers geltend machen. Wie die „Kronen Zeitung“ laut einem Bericht der Austria Presse Agentur (APA) in ihrer Dienstausgabe weiter schreibt, geht es hierbei auch um Schmerzensgeld für erlittene seelische Qualen der jungen Frau.

Allerdings kann kein Geld der Welt einen „Ausgleich“ für das Erlebte und die hinterlassenen seelischen Narben und Erinnerungen von Natascha schaffen.



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