|
Ab Anfang 2007 sollen Bestellungen für eine Vogelgrippeschutzimpfung für den Menschen von Regierungsseite her möglich sein.
Was ist die Vogelgrippe?
Das Vogelgrippevirus H5N1 gehört zu den aviären Influenza-A-Viren. Das heißt, dass es zu den Erregern der „echten“ Virusgrippe gehört, die Geflügel befällt. „H“ bedeutet „Hämagglutinin“ und „N“ steht für „Neuraminidase“. Beides sind Oberflächenproteine auf der Virusmembran, über die Influenzaviren charakterisiert werden. Diese Oberflächenproteine können durch Mutationen verändert werden.
Geflügel erkrankt schwer an dem sich sehr schnell ausbreitenden H5N1 und fordert dabei viele Todesfälle. Die Viren werden leicht über Wildtiere übertragen. Infiziertes Wildgeflügel kommt bei offenen Stallungen oft an Wasserstellen mit dem Zuchtgeflügel in Kontakt. Vor allem Berührung mit infiziertem Kot kann das Virus übertragen. Auch der Mensch, der Kontakt zu den Tieren hat, kann die Viren verbreiten. Betritt er beispielsweise Stallungen mit infiziertem Geflügel, kann er über seine Schuhe Viren verteilen. Es wird derzeit untersucht, ob das Virus auch über Staubpartikel übertragen werden kann.
Warum könnte die Vogelgrippe gefährlich für den Menschen sein?
Der Umgang mit häuslichem Federvieh steigert nicht das Risiko an einer Vogelgrippe-Infektion zu erkranken. Das geht aus einer Studie aus einem kambodschanischen Dorf hervor, in der Nachbarn eines an H5N1 gestorbenen Bauern auf Antikörper gegen das Virus untersucht wurden. Dieser zufolge zeigte niemand Anzeichen einer Infektion, obwohl sie vermutlich direkten Kontakt zu infiziertem Geflügel hatten.
Menschliche Todesopfer gab es bisher nur bei sehr engem Kontakt zu infiziertem Geflügel. Die an Vogelgrippe verstorbenen Kinder sollen demnach nicht nur mit dem lebendigen infizierten Geflügel, sondern auch mit den Überresten der toten Tiere gespielt haben. Da der Erreger hitzeempfindlich ist, empfiehlt es sich, Geflügelfleisch vor dem Verzehr hoch zu erhitzen.
Die Gefahr einer Pandemie, also einer sich „weit ausbreitenden Seuche“, konnte bisher nicht nachgewiesen werden, da das Virus H5N1 nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird. Es ist möglich, dass durch eine Mutation des Virus eine Infektion unter Menschen möglich wird. Dann könnte sich die Vogelgrippe als schwere Grippewelle ausbreiten. Ein Risiko birgt das besonders für Kinder, alte oder ernsthaft erkrankte Menschen, die ein schwaches Immunsystem aufweisen. Aber auch die Teile der Bevölkerung mit vermeintlich gutem Immunsystem können betroffen sein. So sterben in Deutschland während einer Influenza-Saison jährlich mehrere tausend Menschen.
Die Entwicklung eines Impfstoffs
Durch die Impfung soll die flächendeckende Ausbreitung der Vogelgrippe unter Menschen verhindert und die Bevölkerung vor den Auswirkungen der Viruserkrankung geschützt werden.
Welcher Typ von H5N1 von Mensch zu Mensch übertragen wird, ist nicht vorhersehbar. Das bedeutet, dass die Mutationen, die dem Virus das ermöglichen, nicht abzusehen sind.
Wie kann ein Impfstoff gegen ein noch nicht bekanntes Virus entwickelt werden?
Ein Impfstoff kann nicht gegen ein noch unbekanntes Virus entwickelt werden. Basierend auf fünf Studien mit etwa 1.000 Testpersonen konnte jedoch ein Prototyp entwickelt werden. Der Prototyp stellt dabei eine Art Anleitung dar, nach der bei einer Pandemie möglichst schnell ein passender Impfstoff hergestellt werden kann. Da zur Impfstoffherstellung drei bis sechs Monate nötig sind, ist Eile geboten.
In den Studien wurde mit verschiedenen Impfstoffen gegen die Subtypen H9N2 und H2N2, die derzeit nicht grassieren, die Effizienz der verschiedenen Impfstoffzusammensetzungen getestet. Dadurch konnte geprüft werden, welche Zusammensetzung im Ernstfall möglichst schnell die größte Wirkung erzielen kann.
Inzwischen hat die Firma Glaxo-Smith-Kline den ersten Prototyp für den Vogelgrippeimpfstoff für den Menschen bei der zuständigen Euro-Behörde EMEA angemeldet. Aufgrund der vorangegangenen Studien und des Prototyps soll ein Engpass bei der Herstellung vermieden werden.
Wie funktioniert eine Grippeimpfung?
Bei einer Grippeimpfung wird der Körper mit abgetöteten Virusteilen konfrontiert. Darauf entwickelt er eine spezifische Abwehr, sogenannte Antikörper, gegen die speziellen Antigene. Bei erneutem Kontakt zu den Antigenen, beispielsweise bei Kontakt zu einem erkrankten Menschen, kann die Abwehrreaktion des Körpers sich ausreichend gegen das Virus zur Wehr setzen. Diese Antikörper dienen als Schutz, bevor das Virus in die Zellen eindringen kann. Es kommt somit auch zu keiner Virusinfektion.
Neben den Virusantigenen, die für eine Impfung relativ aufwendig herzustellen sind, enthält eine Grippeschutzimpfung so genannte Adjuvanzien. Diese erlauben den Anteil an Virusantigenen im Impfstoff herabzusetzen, ohne die Effizienz zu mindern. Dadurch wird Zeit und Geld bei der Impfstoffherstellung gespart. Im Falle des Prototyps für die H5N1-Impfung ist es ein Aluminiumsalz, das als Adjuvanz verwendet wird.
Ist der Prototyp umsonst entwickelt worden, wenn H5N1 nicht zu einem humanen Grippevirus mutiert?
Die Bundesregierung hat Forschungsgelder für Seuchenforschung und speziell für die Vogelgrippeimpfstoffforschung zur Verfügung gestellt. In Kürze sollen spezielle Studien für den H5N1-Virus anlaufen. Die Bundesregierung plant im Ernstfall Impfstoff für alle Bundesbürger bereitstellen zu können.
Die klinischen Studien belegen, dass bereits relativ geringe Mengen des Impfstoffs Wirkung zeigen, sodass die Produktion einer großen Anzahl Einzeldosen möglich ist. Wahrscheinlich werden zwei Impfungen à 3,8 µg Impfstoff nötig sein. Die Kosten würden mit knapp 10 Euro wohl nur geringfügig über denen einer üblichen Grippeimpfung liegen.
Der Prototyp und die Studien können auch als Grundlage für die jährliche Grippeschutzimpfung genutzt werden. Zu Beginn jeder Grippesaison veröffentlicht die World Health Organisation (WHO) eine Empfehlung, gegen welche Viren Impfstoffe entwickelt werden sollen. Dies ist nötig, da auch „normale“ Grippeviren ständig mutieren und Impfstoffe entsprechend angepasst werden müssen.
Was ist die World Health Organisation?
Die WHO ist die Weltgesundheitsorganisation, die zu den Vereinten Nationen gehört. Als Koordinationsbehörde für das internationale, öffentliche Gesundheitswesen soll sie allen Völkern helfen, einen bestmöglichen Gesundheitszustand zu erreichen. Die Gesundheit wird von der WHO als ein Zustand des vollständigen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens definiert. Dadurch zeichnet sich Gesundheit nicht nur durch die Abwesenheit von Krankheit oder Behinderung aus.
Forschung zur Impfstoffherstellung in anderen Ländern und Zukunftsaussicht
In China zum Beispiel soll sich ein erster Test eines Impfstoffs gegen H5N1 als erfolgreich herausgestellt haben. Er enthielt zwar vollständige, aber nicht mehr aktive Viren und wurde an 120 Freiwilligen getestet. Nach zweimaliger Impfung wurde bei 80 % eine Immunantwort ausgelöst. Mit 10µg liegt die Einzeldosis allerdings höher als bei dem deutschen Prototyp.
Durch die aktuelle Forschung soll die Herstellung von Impfstoffen generell optimiert und auch beschleunigt werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Verbreitung des aggressiven Virus im Falle einer Mutation durch die Impfung eingedämmt werden kann. Die Bemühungen der Forschung, sich einer Pandemie entgegenzustellen, scheinen jedenfalls in die richtige Richtung zu gehen.
Lesen Sie in zwei Wochen mehr zum Thema Pandemien auf Life-Go.
Weitere Artikel zu diesem Thema:
Neue Fälle von Vogelgrippe
H5N1 bei Haustieren - Wie groß ist die Gefahr?
|