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Das Berufsbild des Journalisten besagt, dass sie Informationen über – auch teilweise brisante – Themen sammeln, auswerten und kommentieren sollen. Die Methoden, mit denen einige Staaten bzw. regierende Organe diese Informationen verschleiern wollen, sind fast beschämend. Schließlich hat die Pressefreiheit einen globalen Wirkungskreis.
Seit Beginn des Jahres 2006 wurden weltweit 130 Journalisten verhaftet. Spitzenreiter ist hier China, ein Land, in dem seit Beginn 2006 bereits 32 Journalisten verhaftet worden sind. Turkmenistan liegt laut „Reporters Without Borders“ (Reporter ohne Grenzen) mit drei verhafteten Journalisten im unteren Bereich der Auflistung.
Am 25. August 2006 verurteilte ein Bezirksgericht in der turkmenischen Hauptstadt Asgabad zwei Journalisten und einen Menschenrechtsaktivisten zu Gefängnisstrafe. Diese waren Mitte Juni aufgrund „illegalen Munitionsbesitzes“ verhaftet worden. Auf internationaler Ebene stößt das Verfahren auf heftige Kritik, da die Öffentlichkeit ganz und gar vom Prozess ausgeschlossen wurde. Laut „Reporter ohne Grenzen“ soll das Verfahren lediglich zwei Stunden angedauert und ohne einen einzigen unabhängigen Beobachter stattgefunden haben.
Ergebnis der Verhandlung war folgendes: Ogulsapar Muradova, eine Korrespondentin von „Radio Free Europe“ wurde zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt. Annakurban Amanklychev, ein Mitarbeiter der französischen Nachrichtenagentur „Galaxie-Presse“, wurde zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt. Sapardurdy Khajiew, der sich bei der Menschenrechtsorganisation „Turkmen Helsinki Foundation“ (THF) engagiert hat, erhielt ebenfalls eine Haftstrafe von sieben Jahren, die er allerdings in einem Hochsicherheitsgefängnis verbringen muss.
Tajigul Begmedova, Vorsitzender der Menschenrechtsorganisation THF, bezeichnete den Prozess als „absurd“. Alexander Narodetsky, Radio Liberty-Journalist, verstehe nicht warum und wofür die drei Personen angeklagt wurden. Des Weiteren kritisiere er, dass Beobachter vom Verfahren ausgeschlossen waren und das Verfahren sehr schnell „ad acta“ gelegt wurde. Seinen Angaben zufolge dienen derartige Prozesse der Einschüchterung der Bevölkerung.
„Radio Free Europe“ sowie „Radio Liberty“ sind von den USA finanzierte Radiosender, die sich – nach eigenen Angaben – das Ziel gesetzt haben, die demokratischen Werte und das Menschenrecht auf freien Nachrichtenzugang für Hörer in den ehemals kommunistisch regierten Ländern zu ermöglichen.
In einer Pressemitteilung des „Committee to Protect Journalists“ heißt es, dass Soldaten Muradovas Anwalt, Kakadzhan Kadyrov, den Kontakt zu seiner Mandantin verwährt haben.
Kritik erhält der turkmenische Präsident Saparmyrat Nyýazow von den Nichtregierungsorganisationen (NGO). Diese machen deutlich, dass Nyýazow für sie an der Spitze eines der brutalsten Regimes der Welt gegen die Medien steht. In einer Rangliste der Organisation liegen nur Eritrea und Nordkorea in Sachen Pressefreiheit hinter dem zentralasiatischen Staat.
Am 19. Juni 2006, dem Tag nach der Festnahme von Ogulsapar Muradova, hatte das turkmenische Staatsoberhaupt die nun Verurteilten in einer Fernsehansprache als „Vaterlandsverräter“ bezeichnet. Annakurban Amanklychev wurde vom Minister für nationale Sicherheit vorgeworfen an einer vom Ausland unterstützten Verschwörung beteiligt gewesen zu sein, die das Land destabilisieren sollte. In der Fernsehansprache, die ebenfalls am 19. Juni stattfand, erklärte er, dass er die Verschwörung vereiteln habe können.
Miklos Haraszti, der bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) für die Freiheit der Medien zuständig ist, bezog am 28. August 2006 Stellung zu dem Verfahren in Turkmenistan. Er vertritt die Ansicht, dass die internationale Gemeinschaft zu Recht darüber besorgt sei, dass die drei Journalisten wegen dem Ausüben ihrer Tätigkeit und ihres Einsatzes für Menschenrechte in Schwierigkeiten gekommen sind. Laut Pressemitteilung der OSZE wollen die Verurteilten jedoch in Berufung gehen.
Ob das Erfolg haben wird, kann keiner sagen. Schrecklicher als eine Verhaftung ist jedoch die Tötung der Journalisten. Die Zahl der Tötungen stieg im Vergleich zum Jahr 2002 mit 25 Morden auf 63 im Jahr 2005 an. Dieses Jahr liegt die Zahl auch schon bei 46 toten Pressevertretern. Zu bemerken ist, dass die meisten Morde in diesem Jahr dem Irak zuzuschreiben sind, der mit 18 Tötungen andere Länder, wie Brasilien oder Ecuador mit lediglich einem Tötungsfall weit überlegen ist.
Beruhigend ist aber zu wissen, dass unter den bisher verschollenen und getöteten Journalisten kein Deutscher war.
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