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„Was? Du gehst ins Kloster?“, war wohl die häufigste Reaktion auf meine Ankündigung, ein Wochenende im Benediktinerinnen Herz-Jesu-Kloster in Köln-Raderberg zu verbringen. Verständnisloses Kopfschütteln, fragende Blicke und den ein oder anderen „netten“ Witz nahm ich gelassen hin, denn mit solchen Reaktionen hatte ich bereits gerechnet.
Über das Klosterleben gibt es unzählige Vorurteile, von denen sicherlich weniger als die Hälfte wahr sind.
Zugegeben, gebetet wird viel, um genau zu sein fünf Mal am Tag. So gibt es die Regel des heiligen Benedikt, nach der die Nonnen des Klosters in Raderberg leben, vor. Das Gebet ist das, worum sich letztendlich alles dreht. „Das Gebet, in dem der Mensch das Heilige, den Heiligen sucht, ihm begegnet und Antwort erhält, ein ganzes Leben lang“, wie es so schön auf der Internetseite der Benediktinerinnen heißt.
Damit wäre auch schon eines der vielen Vorurteile aus dem Weg geräumt. Das Leben einer Nonne ist längst nicht so veraltet und weltfremd, wie es oft heißt. Es gibt im Herz-Jesu-Kloster zwar noch nicht überall fließendes Wasser, was aber eher auf das aus dem Jahre 1895 stammende Gebäude, als auf „lebensferne“ Nonnen zurückzuführen ist. Auch das Essen besteht nicht aus einem „Grießsüppchen“, sondern beinhaltet auch schon mal Pommes Frites - natürlich mit Ketchup oder Mayonnaise - und beim Essen ertönt gelegentlich das eine oder andere aktuelle Musikstück aus den Charts. Das Alter der Nonnen in Raderberg liegt zwischen 30 und 90 Jahren. Daher kann es aufgrund der unterschiedlichen Generationen auch schon mal zu Auseinandersetzungen zwischen den Schwestern kommen. Diese lassen sich aber meist schnell schlichten, denn was im Klosterleben vor allem zählt, ist die Gemeinschaft.
Gäste werden freundlich und offen empfangen, da die Regel des heiligen Benedikt besagt: „Alle Gäste, die kommen, sollen wie Christus aufgenommen werden.“ Die Gemeinschaft der 26 Schwestern lebt in rücksichtsvollem und freundlichem Umgang miteinander. Dies kann das Leben sehr vereinfachen und oft wesentlich stressfreier machen, als die zumeist eigennützigen Umgangsformen mit anderen Menschen im Leben „außerhalb“.
Die Schwestern sind füreinander, aber auch für alle anderen Menschen, die Hilfe benötigen, da und unterstützen einander, wo sie nur können. So lernt man im Kloster schnell Werte wie Freundschaft, Vertrauen, Gemeinschaft und Liebe schätzen. Liebe zu Gott, liebevolles Verhalten gegenüber dem Nächsten.
„Materielle Güter werden mit der Zeit unwichtig“, sagt auch Schwester Cornelia. Somit zählt für sie heutzutage nicht mehr ein Mallorca-Urlaub, sondern die Beziehung zu Gott.
Langweilig wird es im Kloster nie. Jede Schwester hat ihren Aufgabenbereich, sei es in der Hostienbäckerei, wo in der Woche rund 120.000 Hostien produziert werden, in der Kapelle, auf der Alten- und Pflegestation des Klosters oder im Garten. Der große landwirtschaftliche Garten gehört zum Kloster wie das Beten. Er ist eine Oase des Grünen, inmitten der Großstadt Köln. Hier findet man Rinder, Schweine und Hunde, es werden Blumen, Obst und Gemüse angebaut. Vor allem aber dient er der Selbstverpflegung der Nonnen, denn „wir sind nur dann wahrhaft Mönche (zu der Zeit, in der die Regel des heiligen Benedikt geschrieben wurde, gab es noch keine Nonnen), wenn wir von unserer Hände Arbeit leben“. Ländliches Leben wird großgeschrieben und so ernten die Nonnen in ihrem Garten Himbeeren und Kirschen, misten Ställe aus, versorgen die Haustiere oder stellen Essenspakete für die Armen zusammen, die an der Pforte für einen Euro ausgegeben werden.
Viele Menschen schreckt die Keuschheit ab, in der Nonnen, als auch Mönche leben. Andererseits erspart diese Keuschheit den Nonnen alle Enttäuschungen, die Beziehungen oftmals mit sich bringen und ermöglicht die volle Konzentration auf Gott und seine Liebe. Für Außenstehende oft sonderbar, sagen sie jedoch selbst, dass sie in Gott ihre Lebenserfüllung und ihren Lebenssinn gefunden haben, etwas nachdem viele von uns jahrelang, manchmal ein ganzes Leben lang, suchen.
Vielleicht werden die im Kloster lebenden Menschen aus diesem Grund in der Regel überdurchschnittlich alt. Sicherlich auch, da sie weniger Stress und stets einen geregelten Tagesablauf haben.
Nicht jeder, der nun im Stillen die Mönche und Nonnen für ihr Klosterleben beneidet, muss gleich selbst das Gelübde ablegen. Viele Klöster in ganz Deutschland nehmen Gäste, die nach Entspannung, einem Ausstieg aus dem Alltag oder einer Annäherung an Gott suchen, für ein Wochenende oder auch länger auf und bieten Seminare und Veranstaltungen an. Katholisch getauft zu sein ist keine Vorraussetzung, jeder ist als Gast willkommen.
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