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Liebeskummer - Eine Entzugserscheinung


30.09.2006 (I. Switil) Kategorie: Wissenschaft

Bild: www.flickr.com

„Liebeskummer ist wie ein Diamant. Man muss ihn mit Fassung tragen“, sagt der Volksmund. Leiden wir daran, so befinden wir uns im Ausnahmezustand. Rationales Denken wird teilweise abgedreht: Es wird geschrieen, geweint, getrunken, Dinge werden zertrümmert. Der Grund dafür ist allerdings simpel: Liebeskummer ist physiologisch betrachtet nichts anderes als eine Entzugserscheinung.

Die Droge, die uns – wenn wir lieben oder geliebt werden – high macht, ist der Nervenbotenstoff Serotonin. Bei Liebeskummer wird die Produktion von Serotonin gedrosselt, die Konzentration von Glückshormonen wie Dopamin und Phenylethylamin nimmt ab. Dadurch verändert sich der Stoffwechsel im Gehirn und es entstehen unrhythmische Figuren am Elektroenzephalografie (EEG), die sonst nur bei schweren Depressionen auftauchen.

Neben dem Rückgang der Glückshormone, stoßen wir allerdings vermehrt Stresshormone aus, die unsere Wut fördern. „Broken-Heart-Syndrom“ nennen das die Psychologen. Besonders betroffen sind Frauen. Ina Grau, eine Soziologin der Universität Bielefeld erklärt, dass Frauen bei Liebeskummer Depressivität, Wut, Selbstzweifel und körperliche Beschwerden wie Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme oder Essattacken und Gewichtszunahme stärker erleben als Männer.

Menschen, die sich ohne den geliebten Partner unvollständig und wertlos fühlen sind gefährdet, pathologischen Liebeskummer zu entwickeln. Diesen „ängstlichen Bindungsstil“ findet man vorwiegend bei Frauen, denen bereits als Kind eingeprägt wurde, dass ihr Lebensglück von einem dominanten männlichen Lebenspartner abhängt.

Unter den Männern leiden allerdings die „harten Kerle“ mit ausgeprägtem Kontrollbedürfnis zu übersteigertem Liebeskummer. Der Grund liegt darin, dass der Verlust der geliebten Partnerin als Angriff auf das Ego empfunden wird. Das trifft sie tief in ihrem männlichen Selbstwertgefühl. Die Reaktion ist zuerst Frust, die sich zunehmend in Aggression umwandelt.

Warum können wir uns mit Trennungen nicht abfinden? Wie konnte Liebeskummer die Evolution überstehen, wenn wir doch stets darauf bedacht waren, uns unserer Umgebung anzupassen und Strapazen zu trotzen? Die Antwort darauf finden Sie im Artikel „Liebeskummer lohnt sich“.



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