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Es ist nun schon einige Jahre her, dass Klon-Schaf Dolly in Schottland das Licht der Welt erblickte. Die Klonierung von Menschen wäre nur noch eine Frage der Zeit, war damals oft zu hören. Man beschwor die Gefahr einer Armee aus willenlosen Soldaten, die wie „ferngesteuert“ Befehle ausführen würden. Heute ist der Fokus der Öffentlichkeit mehr auf die Gewinnung von und Forschung an embryonalen Stammzellen gerichtet. Mit Hilfe des therapeutischen Klonens sollen eines Tages schwere Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer geheilt werden können. Nicht zuletzt durch den Skandal um die gefälschten Forschungsergebnisse des Südkoreaners Hwang Woo Suk erlitt die „Klonbewegung“ allerdings einen schweren Rückschlag.
Zunächst einmal stellt Klonen, also die Erzeugung einer genetisch exakt identischen Kopie eines Lebewesens, keinesfalls eine unnatürliche Sache dar. Jede Vermehrung von Bakterien durch Zweiteilung erzeugt letztlich einen Klon. Ableger von Erdbeeren oder Grünlilien sind ebenfalls Klone. Im Prinzip erzeugt also jeder Gärtner durch Stecklingsvermehrung von Pflanzen Klone. Klonierung ist allerdings keine geschlechtliche Fortpflanzung und somit in der Natur eigentlich unerwünscht, da bei identischen Nachkommen keine Anpassung an die sich verändernden Umweltbedingungen, also überhaupt keine Evolution, möglich ist.
Bei höheren Lebewesen wie Säugetieren gibt es Klonierung natürlicherweise nicht. Der Mensch muss hier durch Manipulation von außen „nachhelfen“. Das geschieht folgendermaßen:
Eine Eizelle wird entkernt, d. h. ihr wird der Zellkern mit allen Erbinformationen (die Desoxyribonucleinsäure, DNS) mit Hilfe einer Glaspipette entnommen. Danach wird ihr der Zellkern der Körperzelle eines anderen Lebewesens injiziert, so dass sich nun deren Erbgut in der Eizelle befindet. Diese Körperzelle kann aus jedem beliebigen Gewebe stammen. Die so „manipulierte“ Eizelle kann einer Leihmutter eingepflanzt werden und sich durch Zellteilung zu einem normalen Embryo weiterentwickeln und von der Mutter geboren werden. Schaf Dolly entstand z. B. aus dem Erbgut einer einzigen Euterzelle eines erwachsenen Schafes.
Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Die Erfolgsquote dieser Methode ist noch sehr gering. Maximal 10 % dieser so erzeugten Embryonen entwickeln sich richtig. Von den geborenen Klonen wiederum sterben viele sehr früh an Krankheiten oder zeigen Missbildungen wie z. B. eine abnormale Körpergröße. Für „Dolly“ beispielsweise wurden 276 veränderte Eizellen hergestellt, bis das klonierte Schaf geboren wurde. Es starb nach sechs Jahren an einem Lungentumor.
Die wichtigste Zielsetzung von Klonierung heutzutage ist die Gewinnung der so genannten ES-Zellen, den embryonalen Stammzellen. Diese Zellen, die eben in Embryonen vorkommen, sind wahre Multitalente unter den Zellen. Sie haben die Möglichkeit sich zu allen möglichen Zelltypen zu entwickeln, sie sind totipotent. Demgegenüber sind die Gewebezellen eines Erwachsenen fest determiniert. Das heißt eine Nierenzelle kann sich nicht mehr in eine Muskelzelle umwandeln.
Eines Tages könnte es möglich sein, Krankheiten zu heilen, bei denen bestimmte Zellen im menschlichen Körper absterben. Bei der Parkinson-Krankheit, die sich u. a. in unkontrolliertem Zittern der Hände äußert, fehlt eine bestimmte Zellsorte, die einen Botenstoff produziert. Züchtet man diese Zellen im Labor und injiziert sie einem Patienten, könnten diese den Botenstoff produzieren und Medikamente überflüssig machen, so hofft man.
Die neue Technik könnte eines Tages auch Organtransplantationen weniger riskant machen, indem aus den Stammzellen in der Petrischale komplette Organe gezüchtet werden. Bei der Verwendung von durch Klonierung gewonnen Stammzellen treten auch die sonst bei derartigen Operationen befürchteten Abstoßungsreaktionen von fremdem Gewebe nicht auf, da aus patienteneigenem Erbgut auch nur Gewebe entsteht, das der Körper nicht als fremd erkennt.
Bei der Gewinnung von ES-Zellen werden die Embryonen nicht in eine Leihmutter eingepflanzt, sondern im Reagenzglas erzeugt. Ein problematischer Punkt ist die Tatsache, dass die Embryonen dabei zerstört bzw. verbraucht werden. Dies wirft schwerwiegende ethische Probleme auf, da hierdurch potentielles Leben beendet wird. In Deutschland ist aus diesem Grund durch das Embryonenschutzgesetz jede Forschung an Embryonen verboten. Als Embryo gilt die Eizelle nach der Befruchtung. Über die Frage, ab wann bei einer befruchteten Eizelle von einem eigenständigen Lebewesen gesprochen werden kann, ist äußerst umstritten.
Trotz des Verbots ihrer Gewinnung aus Embryonen forschen insgesamt 16 Arbeitsgruppen in Deutschland mit ES-Zellen, die aus anderen Ländern in denen derartige Forschung erlaubt ist – z. B. Israel – importiert wurden. Diese ES-Zellen müssen von Embryonen stammen, die bei einer künstlichen Befruchtung übrig geblieben sind und vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden.
Wird der nach der Injektion des Zellkerns in die Eizelle erhaltene Embryo von der Leihmutter ausgetragen, kommt eine exakte Kopie des Zellspenders auf die Welt. Dieses Verfahren, das reproduktives Klonen genannt wird, könnte sogar Paaren, die keine Kinder bekommen können, den ersehnten Nachwuchs bescheren sowie die Methoden der Befruchtung im Reagenzglas revolutionieren.
Diskutiert wird ebenfalls darüber, auf diese Weise ausgestorbene Tiere wieder zum Leben zu erwecken. Erbgut aus konservierten Knochen oder Geweben soll dafür geeignet sein. Weltberühmt wurde die Wiederauferstehung der Dinosaurier im Kinofilm „Jurassic Park“. Allerdings darf bezweifelt werden, ob die DNS nach Millionen von Jahren noch derartig gut erhalten ist. Außerdem muss eine passende Leihmutter gefunden werden. Ernsthaft zu hinterfragen ist allerdings der Plan, eine Art DNS-Datenbank mit tiefgefrorenem Erbgut der heutigen Tierarten anzulegen, um sie nach einem zu befürchtenden Aussterben wieder ansiedeln zu können.
Der Weg zum geklonten Menschen dürfte nach den nachgewiesenen Fälschungen des südkoreanischen Forscherteams noch sehr weit sein. Die Versuche an den bisher geklonten Wirbeltieren zeigen, dass erhebliche Schwierigkeiten auftreten und die Erfolgsrate sehr gering ist.
Zu befürchten ist allerdings, dass angesichts des großen Potentials zur Heilung von schweren Krankheiten, die die Stammzellforschung verspricht, moralische und ethische Bedenken langsam aber sicher aufgeweicht werden. In England darf z. B. bereits mit Embryonen, die nicht älter als 14 Tage sind, für Zwecke des therapeutischen Klonens gearbeitet werden.
Einen Ausweg aus dem Dilemma könnten Stammzellen aus erwachsenen Menschen bilden, die allerdings in ihren Entwicklungsmöglichkeiten im Vergleich zu ES-Zellen stark eingeschränkt sind.
Die Klon-Debatte wurde unter anderem auch von einer dubiosen Sekte, den Raelianern, ausgenutzt. Sie behaupteten im Jahr 2002, das erste Klonbaby sei bereits geboren und lebe in Israel. Die Ufo-Gläubigen planen nach diesem „Erfolg“ nun die Klonierung von Adolf Hitler und Jesus.
Dank der rasanten Fortschritte der Labormethoden sind weitere Entdeckungen im Bereich der Klonforschung zu erwarten. Es bleibt zu hoffen, dass sie nicht von dubiosen Pseudo-Wissenschaftlern missbraucht werden, sondern zum Wohle der kranken Menschen eingesetzt werden.
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