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Endlich redet der Staat „mit Muslimen und nicht nur über Muslime“
13.10.2006 (S. Ranjah)
Kategorie: Politik
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In einer „historischen“ Deutschen Islam-Konferenz (DIK) trafen sich Ende September Vertreter der islamischen Verbände und des Staates. Unter Federführung des Bundesinnenministeriums hatte Wolfgang Schäuble (CDU) die Gäste nach Berlin in das Schloss Charlottenburg eingeladen.
Die Islam-Konferenz soll ein Auftakt für einen zwei- bis dreijährigen Verhandlungsprozess sein, in dem grundlegende Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Islam verbindlich geklärt werden. Ziel sei unter anderem, dass alle Imame auf Deutsch predigen und der staatliche Islamunterricht weiterentwickelt wird.
Die Menschen mit muslimischem Glauben sollen, so Schäuble „deutsche Muslime“ werden. Die Dachverbände der Muslime hingegen wünschen sich eine Gleichstellung mit der Kirche und halten den geforderten Gesellschaftsvertrag für überflüssig, da sie „das Grundgesetz vorbehaltlos“ akzeptieren.
Kritik und Lob zugleich
Schon im Vorfeld der Begegnung war bereits einige Kritik angeklungen. Beklagt wurde die Zusammensetzung der insgesamt 30 Gesprächsteilnehmer. Der Innenminister merkte an, dass die Teilnehmer nach „intensiven Gesprächen“ ausgewählt wurden und niemand damit ausgegrenzt werden sollte. Der moderate Bundesabgeordnete Nouripour wünschte sich jedoch auch die Ahmadiyya-Muslim Gemeinde als Diskussionsteilnehmer. Diese begeht mit über 30.000 Mitgliedern jährlich die größte muslimische Versammlung in Deutschland.
In Anlehnung an die fünfminutige Redezeit, welche nur zwei Vertretern der Dachverbände die beide dem sunnitischen Teil des Islams angehören, gewährt wurde, merkte Toprak, Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde an: „Wenn bei einer christlichen Konferenz nur die Katholiken reden dürften, wären doch die Protestanten auch empört.“
Trotz der Unstimmigkeiten zeigten sich die Gesprächsteilnehmer erfreut über das erste offizielle Treffen. Auch unter den Politikern herrschte darüber ungewohnte Einigkeit. Viel Lob erntete der CDU-Politiker seitens aller Parteien für die längst „überfällige“ Dialogplattform.
Hohe Erwartungen
Erwartet wird in den kommenden Jahren eine regelmäßige Arbeit der ausgewählten staatlichen und muslimischen Vertreter in den vier Arbeitsgruppen. Wie vom Innenminister angekündigt, werden nicht nur Freundlichkeiten ausgetauscht, sondern auch kontroverse Diskussionen geführt. Der Schriftsteller und habilitierter Orientalist Navid Kermani ist „froh, dass der Staat endlich mit Muslimen und nicht nur über Muslime redet“.
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