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Die meisten denken, dass Hip-Hop und Rap dasselbe sind, doch das ist vollkommen falsch, denn Rap ist nur die Musik.
Hip-Hop ist aber eine ganze Kultur, die vom „normalen“ Leben erzählt. Zu ihr gehört nach der Musik unter anderem noch das Graffitisprühen - das die so genannten Writer machen, und der Breakdance - den die „Breaker“ durchführen. Der Begriff Hip-Hop ist ein zusammengereimtes Wort. Er besteht aus „Hip“, was soviel heißt, wie „in sein“ und aus „Hop“, was nichts anderes bedeutet, als „Party / Tanzeinlage“.
Der Rap ist eine Ende der 1970er-Jahre von New Yorker Diskjockeys entwickelte Ansagetechnik, die vor allem zum Tanzen animieren soll. Dabei wird in Kombination mit schnell gesprochenen Wort- oder Satzfetzen eine Schallplatte mit den Fingern rhythmisch hin und her gerückt (Scratching), sodass im Wechsel mit Musik und rhythmischen Sprechgesang, begleitet von Schlagzeug, ein Funkbass und Bläserphrasen entsteht. Die Rapmusik wird u. a. zur Begleitung des Breakdance verwendet. Rap gilt als Musik des Widerstands. In ihr werden das alltägliche Leben in den Ghettos und andere Dinge widergespiegelt.
1. Wie Hip-Hop entstand
Seinen Anfang nahm der Hip-Hop Mitte der 70er Jahre als eine kaum wahrgenommene Partykultur in den New Yorker Ghettos. In der Musik ging es um die Eroberung eines Raumes, in dem die Angehörigen von Minderheiten und der Ghettos ungestört und frei leben, Musik hören und tanzen konnten.
1.1. Geschichte
Vor 1910 lebten die meisten Afroamerikaner im Süden der USA, Ghettos gab es noch nicht. Ab 1910 begann nun eine gewaltige Umsiedlungswelle der Afroamerikaner, die vom Süden in die Großstädte im Norden und teilweise an die Westküste umsiedelten. Grund dafür war vor allem, dass im Süden, der ausschließlich auf Landwirtschaft ausgerichtet war, die Arbeitskraft der Afroamerikaner nicht mehr so stark gefragt war. Außerdem traf der verlorene Bürgerkrieg vor allem die Afroamerikaner, da sie stark verarmten und zudem zahlreiche Arbeitsplätze verloren gingen. Die Umsiedlung passte den „Weißen“ gar nicht und so kam es zu einer Polarisierung von „weißen Vororten“ und den „schwarzen Citys“. Die Ghettobildung setzte ein und war ein wichtiger Grund für die Entstehung des Hip-Hops.
Um 1980 begann sich die Musikindustrie für die Hip-Hop-Szene zu interessieren. Mit den Erfolgen der so genannten Old School Rapper, die zu der ersten Rapper-Generation zählten, trat Hip-Hop aus seinem lokalen Rahmen heraus. Entgegen der Einschätzung vieler Kritiker eroberte die Rapmusik unaufhaltsam den Popmarkt. Mitte der 80er Jahre entstand eine neue Hip-Hop-Generation, der „New School Stil“.
Der „New School-Stil“ wird von alten und neuen Rappern repräsentiert:
Zu den „alten“ Rappern gehören zum Beispiel: „Dr. Dre“, „Snoop Dogg“, „Ice Cube“, „Coolio“, „2 Pac“ oder „B.I.G.“. Zu den „neuen“ Rappern gehören beispielsweise: „Lil’ Bow Wow“, „Lil’ Kim“, „Ja Rule“, „LL Cool J“ oder „DMX“.
1.2. Westcoast vs. Eastcoast
Doch seit Mitte der 80er Jahre trat ein Problem auf: Es herrschte ein - mal mehr, mal weniger - starker Kampf zwischen West und East und es kam zu ernsthaften Zusammenstößen. Aufgrund dieser Kontroversen geht man davon aus, dass „Tupac Shakur“ alias „2Pac“ (West-Coast) 1996 umgebracht wurde. Kurz danach, im Jahr 1997, starb sein stärkster Konkurrent „The Notorius B.I.G.“ (East-Coast) und es wird vermutet, dass dies ein Racheakt war. Der Hass zwischen West und East hatte somit zwei großen Rappern das Leben gekostet. Von der Westcoast gab es unter anderen die Rapper „2 Pac“, „Dr. Dre“, „Snoop Dogg“, „Ice Cube“, „Coolio“, „DMX“, u.s.w. Und von der Eastcoast waren es unter anderen die Rapper „B.I.G.“, „Lil’ Kim“, u.s.w.
2. Hip-Hop im Überblick
Hip-Hop ist die Musik der Ghettos, die durch Armut, Gewalt und Gangs geprägt ist. Von Bedeutung ist dabei auch die Situation der afroamerikanischen Frauen, da sie, aufgrund von Hautfarbe und Geschlecht, einer doppelten Diskriminierung ausgesetzt sind. Ein weiterer Einfluss kommt aus der Entstehung von Graffiti. Graffiti ist zwar Teil der Hip-Hop-Kultur, hat aber ganz eigene Wurzeln. Die musikalischen Wurzeln des Hip-Hop liegen vor allem im Reggae mit afrikanischen Einflüssen, dem Gospel, dem Jazz, dem Funk und dem Wirken der Disco- und Radio-DJs.
2.1. Reggae
Diese Musikrichtung stammt aus Jamaika und hatte einen gewaltigen Einfluss auf die Entwicklung des Hip-Hops. Hier gab es bereits in den 40 / 50er Jahren die „Soundsystems“, also mobile Diskotheken, in denen schon einige DJ-Techniken entwickelt wurden. Zudem fanden so genannte Battles, d.h. Wettkämpfe zwischen DJs (die hier aber „Selector“ hießen), statt. Der Reggae hat aber auch eine besondere Art des Gesangs, das so genannte Toasting, das dem Rappen sehr ähnlich ist und das es zur Zeit der 50er Jahre gab. Außerdem fanden zu dieser Zeit ebenfalls „Battles“ zwischen den „Toastern“ statt. Dies wurde später ein wichtiges Element bei Hip-Hop-Jam’s.
2.2. Afrikanische Einflüsse
Rap ist vorwiegend eine afroamerikanische Musik, insofern ist es naheliegend, dass auch afrikanische Traditionen eingeflossen sind. Insbesondere die „Griots“ bzw. „Storyteller“, können als indirekte Vorbilder für die „MCs“ (Master of Ceremony) angesehen werden. „Griots“ bzw. „Storyteller“ haben in afrikanischen Kulturen die Aufgabe, Mythen und Legenden zu bewahren und diese durch mündliche Überlieferung am Leben zu erhalten. Diese Erzählungen sind in der Regel von Trommeln begleitet und werden rhythmisch vorgetragen. Ähnlich ist auch traditionelle afrikanische Musik aufgebaut. Hier dominieren die rhythmischen Elemente, im Gegensatz zur europäischen Musik, bei der die Melodie im Vordergrund steht.
2.3. Jazz
Auch diese Form der Musik hat einiges zum Hip-Hop beigetragen. Am auffälligsten ist dabei der „Scat-Gesang“, der ähnlich wie das „Toasting“ mit dem Rappen sehr verwandt ist. Das „Scatten“ ist ein rhythmisches Sprechen, das bereits seit dem 19. Jahrhundert auftauchte, aber vor allem im Jazz der 30er Jahre oft vertreten war.
2.4. Funk
Funk übte wohl den wichtigsten musikalischen Einfluss auf den Hip-Hop aus. Das wichtigste Merkmal, das den Funk von seinen Vorgängern unterschied, war, dass nicht mehr die Melodie, sondern der Rhythmus in den Vordergrund gestellt wurde. Funk ist in erster Linie Tanzmusik, in der streckenweise nur noch Rhythmus und überhaupt keinerlei Melodie oder Gesang mehr vorhanden sind. Ziel dieser Vorgehensweise war, aus der Musik all das zu entfernen, was dem Tanzen nicht nutzte, und sie auf das Wesentliche zu „reduzieren“. Allerdings stand zwischen dem Funk und Hip-Hop noch eine weitere Kultur: die Disco-Bewegung.
2.5. Disco
Die Discomusik, wie sie seit den 60er Jahren existiert, kann musikalisch als direkter Vorgänger von Hip-Hop angesehen werden. Getragen wurde sie zunächst von Afroamerikanern, die die ersten Clubs und Discotheken gründeten und besuchten. Damit gab es zum ersten Mal Orte, die nur dem Tanz dienten. Das hatte zwei wesentliche Auswirkungen: Erstens wurde der DJ zentral. Er war nun nicht mehr der reine „Plattenaufleger“, sondern begann langsam mit der Musik zu experimentieren. Allerdings wurden all diese Tricks oft nur als „Effekte“ benutzt, die ein wenig Auflockerung bringen sollten, sie waren noch kein durchgehendes Element der DJ-Arbeit. Zweitens wurde die Musik nochmals abgespeckt. In Discos wurden zunächst zwar alle Musikstile gespielt, solange sie tanzbar waren, es entstanden jedoch bald Stücke, die noch mehr auf reine Tanzbarkeit ausgerichtet waren, als dies beim Funk der Fall war. Aus diesem Grund distanzierten sich viele „Funketeers“ (Fans des Funks) schnell wieder von der Discomusik, da sie ihnen zu plump und leblos vorkam. Für den Hip-Hop waren damit aber die entscheidenden Weichen gestellt.
3. Hip-Hop und Gewalt
Afroamerikanische Ghettos sind gezeichnet von Gewalt. Dies hat sich leider auch auf die Hip-Hop-Kultur übertragen. Die gesamte Bewegung ist auf Auseinandersetzung aufgebaut. Allerdings sollte diese ursprünglich friedlich mit Hilfe der Musik und nicht mit Fäusten und Waffen ausgetragen werden. Doch nach und nach setzte sich die Fraktion der „Gangster“ durch. Ein Beispiel für die massive Gewalt sind die permanenten Konflikte zwischen der West- und Ostküste.
4. Die wichtigste Personen während des Aufbaus
In den Jahren 1973 bis 1979 begann sich Hip-Hop langsam zu entwickeln. Diese Jahre sind vor allem mit drei Namen verbunden:
- Kool DJ Herc
- Grandmaster Flash
- Africa Bambaataa
Außerdem fällt in diese Jahre die Entstehung von Breakdance und Graffiti.
4.1. Kool DJ Herc
Herc wurde in Jamaika geboren. Die Familie zog 1967 in die Bronx / N.Y., wo er zunächst Sprayer und dann der erste wirkliche Hip-Hop-DJ wurde. Zwei wesentliche Quellen beeinflussten ihn: seine jamaikanische Herkunft, die ihn in Kontakt mit Reggae und dem dortigen Soundsystems brachte sowie die Disco-DJs.
Herc unternahm einige Mix-Versuche. Er griff dabei auf Techniken des DJs Jene zurück, baute diese aus und machte sie zum Kern seiner Auftritte. Im Grunde gehen die meisten heutigen Mixtechniken auf Herc zurück, Grandmaster Flash führte diese zur Perfektion. Herc wichtigstes Element waren die Breakbeats, dies sind „Funk-Tracks“, die in der Regel „Breaks“ enthalten, d.h. eine kurze Sequenz, in der ein Tempowechsel stattfindet, der Rhythmus wilder wird oder ähnliches geschieht. Für Hip-Hop-Musik war dies fundamental, denn Breakbeats bilden den rhythmischen Kern. Als Reaktion hierauf entstand der Breakdance.
Herc führte ein weiteres wichtiges Grundelement ein, die so genannten Blockpartys, die seit 1975 in der Bronx und Harlem stattfanden. Diese Ereignisse haben ihren Ursprung in den Soundsystems aus Jamaika. Genau solche Partys führte Herc nun auch in N.Y. ein. Sie boten damit ein erstes Forum für die gerade entstehende Hip-Hop-Kultur. Auf den Blockpartys trafen sich die unterschiedlichsten Leute - DJs, Sprayer und Breaker.
Mit der Zeit begannen einige, zu der aufgelegten Musik kurze Sprüche zu schreien, die zuerst die tanzende Masse anheizen sollten. Später wurden diese zu längeren Texten, die sich an den Rhythmus der Musik anpassten. Das Rappen war erfunden.
Auf diesen Partys herrschte eine sehr kreative Atmosphäre, die es ermöglichte, dass Hip-Hop sich als eigene Kultur entwickelte.
In den frühen 80er Jahren verschwand Herc jedoch von der Bildfläche; erst Mitte der 90er Jahre tauchte er wieder auf. Seinen Platz übernahmen Grandmaster Flash und Africa Bambaataa.
4.2. Grandmaster Flash
Dieser war oft auf Blockpartys von Kool DJ Herc und von dessen Auftreten so stark beeindruckt, dass er beschloss, selbst DJ zu werden. Ihm kam dabei die Rolle zu, die Mixtechniken, die Kool DJ Herc nur grob entwickelt hatte, zu perfektionieren und neue zu erfinden.
Mit der Zeit sammelte sich eine kleine Gruppe Leute um ihn, die zu der ersten wirklichen Hip-Hop-Gruppe werden sollte, die „Furious Five MC’s“, mit denen er Anfang der 80er Jahre auch Platten aufnahm. Wenn Kool DJ Herc der Pionier des Hip-Hops war, dann war Grandmaster Flash derjenige, der dem Hip-Hop zur ersten Blüte verhalf.
4.3. Africa Bambaataa
Nach DJ Kool Herc und Grandmaster Flash formulierte Africa Bambaataa gewissermaßen den „ideologischen Rahmen“ der neuen Kultur, was in der Gründung der Organisation „The Universal Zulu Nation“ zum Ausdruck kam. Anfang der 70er Jahre war Africa Bambaataa Chef einer Gang. Als 1975 ein enger Freund erschossen wurde, wandte er sich von den Gangs ab und suchte etwas Neues - etwas, was den Zusammenhalt ohne Gewalt gewährte.
Die „Zulu Nation“ sollte alle Jugendlichen aufnehmen und ihre destruktive Gewalt positiv umformen, dazu verwandte er die Mitte der Hip-Hop-Bewegung. Kämpfe sollten nicht mehr mit Waffen, sondern in Form von „Battles“ unter DJs, MC’s, Breakern und Graffiti-Writern stattfinden. Außerdem sollten die Mitglieder der „Zulu Nation“ weder mit Drogen handeln, noch diese konsumieren.
Africa Bambaataa blieb aber als DJ aktiv, ist jedoch nicht nur dem Hip-Hop verbunden und auch für seinen breit gefächerten Musikgeschmack bekannt.
5. Bridge Battle
Der so genannte „Bridge-Battle“ von 1987 ist eines der bekanntesten Beispiele für Gewalt innerhalb der Hip-Hop-Kultur. Im Grunde ging es innerhalb dieses Kampfes um die Frage, in welchem Viertel (Bronx oder Queens) der Hip-Hop entstanden war.
Der Bridge-Battle wurde durch den Song „The Bridge“' (gemeint ist die „Queensbridge“) von MC Shan und der Juice Krew, in dem sie behaupteten, Hip-Hop sei in Queens entstanden.
Daraufhin reagierte Scott La Rock von der Gruppe BDP (Boogie Down Productions) mit dem Stück „South Bronx“. Dies veranlasste MC Shan zu „Kill The Noise“, woraufhin KRS-1 - ebenfalls Mitglied bei BDP - mit „The Bridge Is Over“ antwortete. Mit diesem letzten Stück, das ein ziemlicher Hit wurde, und dessen Live-Aufführung in einem dreiviertelstündigen Gig mündete, war der Battle letztlich beendet.
Im gleichen Jahr wurde der Produzent Scott La Rock erschossen. Die Texte seiner Gruppe Boogie Down Productions (bestehend aus KRS-1 und ihm selbst) waren es, welche die Gang eines Drogendealers nervös werden ließ und zu seiner Ermordung führten.
Noch heute befindet sich auf jeder Platte von KRS-1, der mittlerweile zu einem der Hip-Hop-Gurus aufgestiegen ist, eine Widmung an Scott La Rock: „Overseen by Scott La Rock despite others might think“.
In der Zwischenzeit haben sich MC Shan und KRS-1 versöhnt. Beide nahmen Anfang der 90er Jahre eine gemeinsame Platte auf.
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