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Die Gerichtsbarkeit der Sieger: Die Verfilmungen


15.10.2006 (O. Hoffmann) Kategorie: Kultur

Bild: www.posterdb.de

Im ersten Teil berichteten wir anlässlich des 60. Jahrestages der Vollstreckung der Todesurteile am 1. Oktober 1946 über die Nürnberger Prozesse gegen die deutschen Hauptkriegsverbrecher.

In dieser Fortsetzung gehen wir nun näher auf die einzelnen Verfilmungen ein und beschreiben drei der insgesamt 24 Hauptkriegsverbrecher, die besonders in der aktuellsten Verfilmung behandelt werden.

Regisseur Stanley Kramers inszenierte 1961 mit seinen „Judgement at Nuremberg“ einen der beeindruckendsten Gerichtsfilme der Filmgeschichte. Die Handlung ähnelt dem 1947 Nürnberger Juristenprozess, in dem sich namhafte Richter und Rechtsanwälte für ihre im Dritten Reich begangenen Verbrechen zu verantworten hatten. Jedoch waren alle Figuren in Kramers Dokumentations-Drama frei erfunden.

Yves Simone aus „Nuremberg“ im Jahr 2000 war da schon aufwendiger und detailgetreuer in Szene gesetzt. Außerdem wurde versucht nicht nur den gefühllosen und reuelosen Angeklagten darzustellen, sondern man gab ihnen eine menschliche Seite. Der Film nimmt sich viel Zeit zu erklären, wie es überhaupt zu den Prozessen gekommen ist. Ein weiteres Highlight dieses Filmes sind Szenen, die das vom Krieg vollkommen zerstörte Nürnberg zeigen.

Die aktuellste Verfilmung, eine dreiteilige Dokumentation von BBC „The Nuremberg Trial: Inside the Nazi Mind“ befasst sich besonders mit den Schicksalen der Angeklagten Albert Speer, Rudolf Heß und Hermann Göring. Sie stellt unter anderem Szenen ihrer Befragungen oder vertrauliche Gespräche mit Psychologen oder ihren Mitangeklagten nach.

Albert Speer

Geboren wurde Albert Speer am19. März 1905 in Mannheim. Er war seit 1937 Generalbauinspektor für Berlin und von 1942-1945 Reichsminister für Bewaffnung und Munition. Er entwarf monumentale Bauten für die Reichsparteitage in Nürnberg. Außerdem war er für den Bau der Neuen Reichskanzlei 1938/39 verantwortlich.

1937 gab Hitler seinem Architekten Speer den größten Auftrag: Berlin in die Welthauptstadt „Germania“ zu verwandeln. Reichsminister für Bewaffnung und Munition wurde er, nachdem der frühere Minister Fritz Todt 1942 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Er wurde 1946 wegen Verbrechen gegen das Kriegsrecht und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt.

Rudolf Heß

Rudolf Heß wurde am 26. April 1894 in Alexandria (Ägypten) geboren und war seit 1933 Stellvertreter Hitlers in der NSDAP. Er flog am 10. Mai 1941 nach Schottland um über Frieden zu verhandeln und wurde dort gefangen genommen.

In den Nürnberger Prozessen wurde Heß wegen Verschwörung gegen den Weltfrieden und Planung, Entfesselung und Durchführung des Angriffskrieges verurteilt und zu einer lebenslanger Haft verurteilt und am 18. Juli 1947 in das alliierte Militärgefängnis Berlin-Spandau überführt.

Am 17. August 1987 beging der 93-jähige Heß nach Darstellung der Gefängnisleitung mit einem Verlängerungskabel, das er an einem Fenstergriff befestigt hatte, Suizid durch Erhängen. In der Neonazi-Szene gilt er wegen seiner ungebrochenen Treue zum Nationalsozialismus, seinen Großbritannienflug und seiner angeblichen Ermordung bis heute als „Märtyrer des Friedens“.

Hermann Göring

Am 12. Januar 1893 wurde Hermann Göring in Marienbad bei Rosenheim (Bayern) geboren und war später Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe. Nach seiner Flucht aus Berlin im April 1945 und seiner Gefangennahme am 7. Mai 1945 war er der Ranghöchster Nationalsozialist auf der Anklagebank.

Er wurde in allen vier Anklagepunkten – Verschwörung gegen den Weltfrieden, Planung, Entfesselung und Durchführung des Angriffskrieges, Verbrechen gegen das Kriegsrecht und Verbrechen gegen die Menschlichkeit – schuldig gesprochen und hörte als erstes am 30. September 1946 den Richterspruch, der Tod durch den Strang lautete.

Er war es auch, der am Tag der Vollstreckung als erstes erfuhr, dass sein Gnadengesuch abgelehnt worden war. Jedoch entzog er sich dem Tod durch den Strang: Er nahm Zyankali und setze somit seinem Leben selbst ein Ende. Bis heute gibt es verschiedene Theorien, wie die Zyankaliampulle in seinen Besitz kam. Er wurde mit allen früheren NS-Machthabern eingeäschert. Die Asche wurde später durch Soldaten in einen oberbayerischen Bach gestreut.

Eins ist sicher, auch 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs bietet dieses Thema noch genügend Stoff für weitere Verfilmungen.



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