|
Der kleine Teddybär war fürchterlich traurig, saß nur noch mit gesenktem Kopf auf seinem Regal und alles war ihm egal. Das bemerkte schließlich die kleine graue Katze neben ihm. Sie stupste ihn mit ihrer rosa Nase an und fragte: „Warum hast du den Kopf gesenkt und wirkst so traurig?“
Der kleine Teddybär hob langsam den Kopf und schaute sich um, wer das gesagt haben könnte. Als er die Katze sah, dachte er, „Unmöglich! Das kann unmöglich sie gesagt haben!“. Die Katze schaute den Bären lange mit großen Augen an und sagte schließlich: „Du kannst doch auch reden, oder?“ Der kleine Bär nickte bloß, denn er war vollkommen überrascht, dass die kleine Katze, die er für schrecklich eingebildet gehalten hatte, mit ihm sprach. „Dann sag mir doch was mit dir los ist. Deine Traurigkeit gefällt mir nicht.“, meinte die Katze.
Der Teddy antwortete: „Hast du den braunen Bären auf dem Regal gegenüber gesehen?“ Die Katze nickte. „Ja, er ist gekauft worden. Er hat Glück gehabt und lebt jetzt bestimmt in einer netten Familie.“ Der kleine Teddybär erzählte der Katze von seinen Gedanken und Tagträumen und die kleine Katze hörte aufmerksam zu. Hier und da fiel sie ihm ins Wort und schwärmte mit. Zusammen spannen sie seine Tagträume weiter.
Doch dann verdüsterte sich sein Blick und er fragte: „Verstehst du jetzt warum ich traurig bin?“ Die kleine Katze nickte. Aber in ihren Augen war ein leichtes Strahlen. „Traurigkeit bringt aber nichts, denk lieber, dass der Mann wieder kommen kann und dich vielleicht mitnimmt. Aber vergiss nicht, diese Leute nehmen immer nur die von uns mit, die nett und fröhlich aussehen, also sei wieder fröhlich.“ Nach einer längeren Pause fügte sie hinzu: „Fröhlich hast du mir besser gefallen.“
Der kleine Teddybär war beeindruckt. Die kleine Katze hatte ihn die ganze Zeit beobachtet und war daran interessiert, mit ihm zu reden. Das freute ihn und gab ihm das Gefühl, einen neuen Freund gefunden zu haben. Von nun an redeten die zwei viel miteinander. Sie sprachen über andere Stofftiere, die ihnen gegenüber saßen und wunderlich aussahen. Oder sie erzählten einander ihre Tagträume. Sie verknüpften ihre Träume und erlebten in Gedanken die tollsten Abenteuer. Sie erzählten sich Geschichten, die ihnen spontan einfielen und schmunzelten gemeinsam, wenn sie ein kleines tollpatschiges Kind sahen.
Nur wenn ein Erwachsener kam, verstummten sie rasch. Aber eines Tages kam es so, wie es kommen musste. Die kleine graue Katze wurde von einer Frau mit Kugelbauch aus dem Regal genommen, genauer betrachtet und weggetragen. Als die Frau davonging, zwinkerte die Katze dem Teddy zu und murmelte: „Dein Tag wird kommen, halte durch. Du wirst zu einer sehr liebevollen Familie kommen. Und wir werden uns bestimmt wieder sehen! Du musst nur fest daran glauben. Träume für mich unsere Abenteuer weiter und erzähl sie mir dann!“
Der Life-Go-Hauptartikel zum Thema heißt „Kurzgeschichten im Portrait“. Über ihn finden Sie auch alle anderen bisher auf unserer Seite veröffentlichten Kurzgeschichten.
|