|
|
Journalisten-Morde in Russland
20.10.2006 (I. Switil)
Kategorie: Welt
|
|
Nach der Ermordung von zwei deutschen Berichterstattern in Afghanistan am 7. Oktober 2006 gab es inzwischen weitere Morde an kritischen Journalisten. Tatort war diesmal Moskau. Die regierungskritische, russische Journalistin Anna Politkowskaja wurde am selben Tag erschossen.
Die Reporterin wurde im Aufgang ihres Wohnhauses mit mehren Schüssen – zumindest einen in die Brust und einen so genannten Kontrollschuss in den Kopf – getötet. Der Täter ließ die Leiche im Aufzug zurück und warf die Makarow-Pistole am Tatort weg. Eine Nachbarin entdeckte Politkowskaja kurze Zeit darauf.
Das Bild des mutmaßlichen Täters wurde von einer Überwachungskamera im Eingangsbereich aufgezeichnet. Am 9. Oktober schrieb die österreichische Tageszeitung „Der Standard“, die russische Polizei kenne „die Identität des Mörders, da er unmaskiert war und die Videoüberwachung über dem Hauseingang nicht außer Betrieb gesetzt hatte. Auch aufgrund dieses als >>unprofessionell<< eingestuften Verhaltens wurde am Sonntag angenommen, dass der Vollstrecker selbst bereits von seinen Auftraggebern beseitigt worden sein dürfte.“
Die Stimmen der Menschenrechtler und Politiker sind sich weltweit einig: Der Mord an Anna Politkowskaja sei ein hundert Prozent politischer Mord gewesen. Am Montag, den 9. Oktober, hätte von der regierungskritischen Journalistin ein neuer Artikel veröffentlicht werden sollen. Das Thema: „Folter in Tschetschenien“. Die Zeitung „Nowja Gaseta“, für die Politkowskaja gearbeitet hat, gehört zu den wenigen unabhängigen in Russland. Chefredakteur Dimitri Muratow gab an, dass ihr Material trotz alledem veröffentlicht werden soll.
Dieser Journalistenmord zieht auch politisch weite Kreise. Der Sprecher das US-Außenministeriums Sean McCormack verkündete die Erwartungen der Vereinigten Staaten. Die russische Regierung solle eine sofortige und umfassende Untersuchung einleiten, um alle Verantwortlichen an diesem Mord zu finden und zu verurteilen.
Auch die EU reagiert auf den Mord an Anna Politkowskaja. In ihrem Gipfel mit Russlands Staatschef Wladimir Putin will die EU alle wichtigen Fragen zu diesem Thema ansprechen. Die finnische Europa-Ministerin Paula Lehtomaki sprach als Vertreterin der EU-Ratspräsidentschaft von einem schweren Rückschlag für die Meinungsfreiheit in Russland.
Während die Welt in Erwartungshaltung Russland gegenübersteht, macht Grünen-Fraktionschef Daniel Cohn-Bendit Putin direkt für den Mord verantwortlich. Er kritisiert das Verhalten der Staats- und Regierungschefs, sie würden mit einem der Verantwortlichen an diesem Mord zu Abend essen. In Russland verschwänden regelmäßig Menschen. Es gäbe ein System der Unterdrückung. „Ich finde man muss mit Putin verhandeln, aber nicht zu Abend essen.“
Bisher gab es keine Äußerungen zu dem Mord seitens der russischen Regierung. Man ist gespannt, zu welchen Schlüssen die Europäische Union auf ihrem Gipfel kommen wird.
|
|