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Kurzgeschichte: Der kleine Teddybär: Wie alles begann... Teil 4


21.10.2006 (I. Switil) Kategorie: Specials

Bild: www.fotosearch.de

Der kleine weiße Teddybär war wieder sehr traurig, aber er dachte sich, dass die kleine Katze Recht hatte. Sein Tag würde kommen und er würde ihm mit einem Leuchten in den Augen begegnen. Er blieb erhobenen Hauptes sitzen und sah alle Menschen, die bei seinem Regal vorbeikamen, fröhlich an, doch keiner nahm ihn mit.

Eines Tages stand ein nett aussehender Mann vor dem Regal. Er stand ratlos da und sagte leise zu sich selbst: „Wen von euch nehme ich am besten mit?“ Der kleine Teddybär hatte das gehört und dachte sich: „Jetzt oder nie!“ Er rutschte an den vordersten Rand des Regals und stürzte sich hinunter, direkt in die Arme des Mannes, die er vor seiner Brust verschränkt hatte.

Der Mann war nicht mehr ratlos, er war einfach nur verblüfft. Er nahm den kleinen Bären in beide Hände, hob ihn hoch und musterte ihn von allen Seiten. Schließlich meinte er: „Na du kleiner Kerl! Wenn du mir schon in die Arme fällst, wirst du bestimmt vom Schicksal ausgewählt worden sein, der neue Spielkamerad meines zweiten Kindes zu werden.“ Er schmunzelte über diesen Ausspruch. Der Teddy freute sich. Er hatte es geschafft. Er war auserwählt worden und war sich sicher in eine liebevolle Familie zu kommen, denn nur nette Menschen reden mit kleinen Stofftieren, das weiß ja wohl jeder.

Der Mann trug den kleinen Bären im Arm. Er ging durch den Gang und bog dann in den nächsten ein. In diesem Gang waren lauter Actionfiguren und Transformer. Einige sahen sehr beunruhigend aus und der kleine Teddy rutschte mit dem Kopf etwas hinunter, damit er diese bösen Gesichter nicht länger sehen musste. Im nächsten Gang stapelten sich Gesellschaftsspiele. Der Bär bekam große Augen als er diese bunten Spiele sah. Sie weckten sein Interesse. Er starrte die Regale an, er konnte nicht glauben, dass es so viel Spielzeug gab. Er war ja die ganze Zeit nur in Gesellschaft von Stofftieren gewesen.

Er wurde aus dem Staunen herausgerissen, als der Mann zur Kassa ging. Der kleine Teddybär wurde von ihm vorsichtig auf das Fließband gelegt und dann unsanft von der Kassiererin gepackt. Sie zog an dem Schild, das an seinem Ohr befestigt war, hielt es an den Scanner und warf den Teddybären in das große Auffangbecken.

Der Teddybär starrte die Kassiererin ungläubig an. Sie war um die dreißig Jahr alt, hatte rote, wild gelockte Haare und wirkte durch das dunkelblaue Gewand, das sie trug, etwas bleich. Im Nu hob der Mann den Bären aus dem Becken und nahm ihn vorsichtig in den Arm.

„Wollen Sie ein Sackerl?“ Die Stimme der Frau schmerzte den Teddybären in den Ohren. Sie war laut und schrill. Er bekam fürchterliche Angst, denn Sackerl bedeutete für ihn Dunkelheit und da wollte er nicht hin. „Nein, danke“, antwortete eine ruhige und sehr angenehme Stimme. Der kleine Teddybär kuschelte sich in den Ärmel der Jacke des Mannes und schlief ein.

Der Mann verließ das Geschäft und stand einen kurzen Augenblick nachdenklich vor seinem Auto. Er öffnete die Beifahrertür und legte den kleinen Teddybären zu einer kleinen grauen Katze und einem anderen Teddybären auf den Beifahrersitz. Der andere Bär war ebenfalls weiß und hatte auch kohlrabenschwarze Knopfaugen. Er saß aber und trug eine rote Mütze und einen rot-weißen Schal. Der Bär wirkte mütterlich. Er sah den kleinen Teddybären in der rosa Latzhose an und schmunzelte liebevoll.

Die Autofahrt verlief viel ruhiger als die erste Fahrt, die der kleine Bär erlebt hatte. So konnte er ungestört die gesamte Fahrt schlafen. Er lag auf dem Beifahrersitz, den Kopf auf dem Schoß des anderen Bären, der neben der kleinen Katze saß. Der kleine Teddy schlief tief und fest und konnte dadurch nicht bemerken, neben wem er lag. Denn die kleine graue Katze war nicht irgendeine Stoffkatze. Es war die kleine Stoffkatze, die die ganze Zeit neben ihm auf dem Regal gesessen hatte und mit der er stundenlange Gespräche geführt hatte. Sie erkannte ihn sofort und wartete ungeduldig darauf, dass der kleine Bär aufwachen und mit ihr reden würde.

Der Life-Go-Hauptartikel zum Thema heißt „Kurzgeschichten im Portrait“. Über ihn finden Sie auch alle anderen bisher auf unserer Seite veröffentlichten Kurzgeschichten.



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