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Der Konzern Media Markt ist in unserem Nachbarland Polen, ebenso wie die Handelsketten Lidl und Real, in die Negativ-Schlagzeilen geraten. Der Grund? Der Konzern kündigte einem Gewerkschafter, weil dieser einen Betriebsrat gründen wollte.
Der Vorfall, der für Aufsehen sorgte, ereignete sich wie folgt: Andrzej Rosinski, Mitarbeiter im Danziger Media Markt, erhielt im vergangenen Monat die Entlassung. Die offizielle Begründung lautet, die Kündigung wird aufgrund von „disziplinarischen Maßnahmen“ vollzogen.
Andrzej Rosinski hatte sich jedoch nichts zu Schulden kommen lassen – außer, dass der Gewerkschafter einen Betriebsrat in seinem Media Markt gründen wollte. Das Management ließ allerdings verkünden, dass eine Arbeitnehmervertretung nicht gern gesehen werde. Als der Gewerkschafter nicht locker ließ und auf das polnische Arbeitsrecht verwies, wurde ihm kurzerhand gekündigt.
Media Markt ist nicht die einzige Handelskette in Polen, die anlässlich des Verstoßes von Arbeitnehmerrechten in die eher unerwünschten Schlagzeilen gelangte. Auch die Unternehmenskultur bei Lidl, Real oder Auchan lässt zu wünschen übrig. „Überall werden die polnischen Beschäftigten im Grunde wie Leibeigene traktiert, und das alles für rund 500 Euro im Monat“, beanstandet die Gewerkschaft Solidarnosc.
Bei Kontrollen der polnischen Arbeitsbehörde sind die Inspektoren in landesweit 123 Einkaufszentren auf katastrophale Zustände gestoßen. In 35 % der Märkte gab es keinerlei Arbeitszeitkonten, Überstunden wurden nicht registriert und in der Hälfte der Läden erhielten die Verkäufer nicht einmal ihren gesetzlichen Urlaub.
Der Solidarnosc-Landeschef Janusz Sniadek verlangt ein ausdrückliches Zeichen der polnischen Regierung gegenüber dem, wie er es nennt, modernen Raubrittertum: „Heute ist dieser Umgang der Konzerne die Schande für Polen am Anfang des 21. Jahrhunderts.“ Inzwischen werden mehr aktive Gewerkschafter entlassen als im Kriegszustand 1940. Auch der polnische Senator Maciej Plazynski will nun den barbarischen Umgang der Kette Media Markt mit legitim gewährleisteten Rechte der Arbeitnehmer zum politischen Gegenstand machen.
Klagen bezüglich Delikte gegen grundlegende Arbeitnehmerrechte verzeichnet die polnische Gewerkschaft Solidarnosc bei fast allen internationalen Handelsketten. Die Wachsamkeit der Gewerkschafter gegenüber der deutschen Metro-Gruppe, zu der auch Media Markt gehört, ist momentan besonders groß: Denn mit dem Kauf der französischen Kette „Geant“ werden sich auch die Realmärkte künftig an 49 polnischen Standorten etablieren. Die deutsche Metro-Gruppe befindet sich also auf dem Weg zur polnischen Nummer Eins unter den internationalen Handelsketten. Bleibt zu hoffen, dass die Missstände in den Handelsketten schnell beseitigt werden können.
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