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Pandemien: Gratwanderung zwischen Risikoinformation und Panikmache (2)


01.11.2006 (L. Beilschmidt) Kategorie: Wissenschaft

Bild: identidad-globalizacion.crosses.net

Liebe Leser, in einem Zweiteiler möchten wir Sie über umfassend über Pandemien informieren. Dabei ging es im ersten Teil um die Begriffsdefinition, die großen vergangenen Pandemien und ihre Verbreitung. Im zweiten Teil werden Sie nun über die definierten Pandemiephasen, ihre Entstehung und nationale Reaktionen auf die Warnstufen informiert.

Welche Pandemiephasen gibt es?

Die WHO unterscheidet zwischen insgesamt sechs Pandemiephasen bzw. -warnstufen.

In der 1. Phase wurde ein neuer Virus-Subtyp in Tieren entdeckt, jedoch besteht keine Gefahr auf eine Ansteckung des Menschen. Falls der Virus als „möglicherweise gefährlich“ für den Menschen eingeschätzt wird, ist dies durch Zuordnung der 2. Phase gekennzeichnet. In der 3. Phase gibt es vereinzelt Infektionen von Menschen, jedoch ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch nur bei engstem Kontakt der Infizierten zueinander möglich. Hier befindet sich der Beginn der Alarmphase, was bedeutet, dass eine Notfallplanung ausgearbeitet wird.

Treten kleine und örtlich begrenzte Häufungen von Infektionen mit vereinzelten Mensch-zu-Mensch-Infizierungen auf, befindet sich das Virus in der 4. Phase. Dieser ist noch nicht gut an den Menschen angepasst und kann sich nicht weiter ausbreiten. In der 5. Phase besteht schließlich ein erhebliches Pandemierisiko. Große, aber immer noch vereinzelte Häufungen von Infektionen treten auf. Örtlich begrenzt treten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen auf. Das Virus ist nun besser an den Menschen angepasst, dennoch nicht vollständig zwischen Menschen übertragbar. Die 6. und risikoreichste Phase beschreibt den Beginn einer Pandemie. Es treten wachsende und anhaltende Übertragungen von Mensch zu Mensch in der gesamten Bevölkerung auf.

Die Übergänge zwischen den einzelnen Pandemiephasen kann nicht verhindert werden, dennoch ist es möglich, bestimmte Risikofaktoren zu verringern. So können antivirale Medikamente ein mehr oder weniger gut an den Menschen angepasstes Virus eventuell eindämmen und vor weiterer Ausbreitung schützen. Des Weiteren können verbesserte Hygienemaßnahmen, wie im Beispiel der Pest, zu einem Verbreitungsstopp beitragen.

Was ist Antigenshift von Influenzaviren?

Der direkte Umgang mit Tieren spielt im Fall der Geflügelgrippen eine besondere Rolle. Wird eine Zelle gleichzeitig mit Influenza-A-Subtypen vom Mensch und vom Vogel infiziert, kann es zu einem sogenannten „Antigenshift“ kommen. Dabei wird das Erbgut der Viren ausgetauscht und es können neue Influenza-A-Subtypen entstehen, die von Mensch zu Mensch übertragbar sein können.

Das Schwein spielt bei diesem Vorgang eine besondere Rolle. Diese Tiere können sowohl von Influenzaviren des Menschen als auch des Vogels infiziert werden. Dabei kann ein neuer Virus-Subtyp entstehen, der neuartige Erkennungsmerkmale von Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N) aufweist. Beides sind Oberflächenproteine auf der Virusmembran, über welche die Influenza-A-Viren charakterisiert werden.

So erklärt sich auch das große Risiko einer Pandemie mit dem Ursprung in Asien. Hier leben Menschen oft mit ihren Nutztieren, wie Geflügel und Schweinen auf engstem Raum zusammen.

Was waren die nationalen Reaktionen auf Pandemierisiken?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO = World Health Organization) wertet die Studien über die aktuellen Übertragungswege von bestimmten pandemiegefährlichen Erregern und deren Entwicklung aus. Darauf basieren die Warnungen, auf welche die nationalen Regierungen reagieren müssen. Es werden Notfallpläne erarbeitet, nach denen im Pandemiefall und auch als Prävention gehandelt wird.

Die Entwicklung von Impfstoffen im Falle viraler Pandemien bzw. Medikamente muss ebenso geklärt werden, wie auch die Bereitstellung von Krankenhausbetten. Sicherheits-, Kompetenz- und Finanzierungsfragen führen hier oft zu Streitigkeiten. Der Katastrophenschutz ist den Innenministerien der 16 Länder zugeordnet. Für Tierepidemien sind die Landwirtschaftsministerien, für Epidemien unter Menschen die Gesundheitsministerien, zuständig. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat, wie das Bundesinnenministerium, keine direkten Einflussmöglichkeiten.

Es ist wichtig, gewisse Vorkehrungen für die Eindämmung von Pandemien zu leisten. Nicht nur die Todeszahlen sind zum Teil enorm, auch die ökonomischen Folgen für die betroffenen Gebiete können verheerend sein.

Im Falle der Vogelgrippe werden antivirale Medikamente vorrätig gehalten. Außerdem soll die Bestellung von einem Impfstoff gegen das Virus ab Beginn des Jahres 2007 möglich sein. Aus Angst vor einer Pandemie sollte allerdings keine Panik entstehen, weil der Fall SARS gezeigt hat, dass die Zusammenarbeit verschiedener Institutionen erfolgreich funktionieren kann. Zudem ist nicht gesagt, dass es zu einer Vogelgrippepandemie mit dem Erreger H5N1 kommen wird.

Liebe Leser, für weitere Informationen verweisen wir auf den Artikel: „Vogelgrippeschutzimpfung für den Menschen soll am 2007 möglich sein“, in dem auch die WHO genauer vorgestellt wird.



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