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2048 könnten die Weltmeere leer gefischt sein


11.11.2006 (I. Switil) Kategorie: Welt

Bild: tauchen.sites.solnet.ch

Die schlimmsten Befürchtungen der Meeresforscher wurden mit der ersten globalen Studie über die Folgen des Artensterbens der Meere bestätigt. Wenn die Menschheit weiterhin Raubbau betreibt, könnten bis zum Jahr 2048 die Ozeane leer gefischt sein.

Ein internationales Forscherteam arbeitete sich durch die Daten von 32 Experimenten, analysierte 48 Studien über geschützte Meeresgebiete und werteten die globalen Fischfang-Daten der Vereinten Nationen seit 1950 aus. Auch die Geschichte der vergangenen tausend Jahre in zwölf Küstenregionen wurden anhand von Archiven, Fischereiakten, Gesteinsproben und archäologischen Funden recherchiert.

Studienleiter Boris Worm, um den sich das internationale Forscherteam bildet, erklärt: „Überall zeigt sich das selbe Bild. Mit den Arten geht die Produktivität und die Stabilität ganzer Ökosysteme verloren. Ich war schockiert und verstört darüber, wie eindeutig diese Trends sind. Das ist schlimmer als alles, was wir erwartet hatten.“

Der Biologie von der Dalhousie University im kanadischen Halifax präsentiert in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Science“ die bisher umfassendste Untersuchung über die wirtschaftlichen Folgen des Artensterbens in den Meeren. Die Forscher, die an der Untersuchung beteiligt waren, stützten sich dabei nicht auf Modellrechnungen, sondern auf Beobachtungen real existierender Vorgänge.

Das Ergebnis der ausführlichen Studien ist schockierend. Sollte die Menschheit die Meere weiterhin so rücksichtslos ausbeuten, könnten bis zum Jahr 2048 alle derzeit genutzten Bestände an Speisefischen und Meeresfrüchten zusammenbrechen. „Wenn wir unseren Umgang mit den Arten in den Ozeanen nicht fundamental ändern, wird dieses Jahrhundert das letzte mit wild gefangenem Fisch sein“, sagte Mitautor Stephen Palumbi von der kalifornischen Stanford University.

Studienleiter Boris Worm gab an, dass bereits knapp ein Drittel der genutzten Fisch- und Meeresfrüchte-Bestände in der Fangmenge um rund 90 % gegenüber dem Ursprungswert zurückgegangen seien. Er erklärte weiter, dass der Trend sehr eindeutig sei und sich noch beschleunige. Der Verlust der Artenvielfalt bedrohe nicht nur die Nahrungsmittelversorgung der Menschheit und anderer Lebewesen, sondern schwäche auch die Fähigkeit der Ozeane, Seuchen zu widerstehen, Schadstoffe abzubauen und sich von Belastungen wie der Überfischung und dem Klimawandel zu erholen.

Heinz-Dieter Franke vom Berhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) äußerte: „Natürlich hat die Artenvielfalt in den Meeren nicht nur einen ästhetischen Wert. Wenn sie zurückgeht, hat das gravierende Nachteile für den Menschen.“ Der Wissenschaftler zeigte sich von den Ergebnissen der Studie weniger überrascht, als die Autoren selbst. Dennoch bezweifelt er, dass Artenvielfalt pauschal mit der Produktivität und Stabilität von Ökosystemen gleichgesetzt werden muss. „Bei den Korallenriffen etwa ist das Gegenteil der Fall. Trotz einer großen Artenvielfalt sind sie weder besonders produktiv noch widerstandsfähig.“

Der AWI-Experte Hans-Dieter Franke erklärt am Beispiel der Nordsee, wie komplex die Ökosysteme auf die Belastung durch den Menschen reagieren. „Auf der einen Seite sind etwa der Kabeljau und die Plattfische durch die Überfischung und die Meereserwärmung beinahe verschwunden, andererseits sind Wärme liebende Arten eingewandert.“ Damit gehöre die Nordsee zu den „Gewinnern des Klimawandels“, was allerdings nicht bedeutet, dass alles so bleiben könne wie bisher. Der Wissenschaftler betonte, dass die Gegenmaßnahmen, die Boris Worm und sein Forscherteam vorschlagen, richtig seien. Nachhaltige Bewirtschaftung der Fischgründe, Reduktion der Schadstoffbelastung der Meere und das Anlegen großer Schutzgebiete.

Neben den negativen Ergebnissen, die der Menschheit nur noch ein knappes halbes Jahrhundert der Fischerei voraussagen, haben die Forscher auch Anlass zur Hoffnung gefunden. Nach der Analyse von 48 Schutzzonen kamen sie zu dem Ergebnis, dass sich in diesen Bereichen die Artenvielfalt erhöht hat und mit ihr die Produktivität und Stabilität der Ökosysteme. Die gute Nachricht der Forscher lautet daher, dass es für eine Wende noch nicht zu spät ist.



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