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Phobien - Warum haben wir sie und was kann man dagegen tun?


13.11.2006 (R. Roßkamp) Kategorie: Wissenschaft

Bild: www.foeten.de

Sie sehen eine Spinne und es läuft Ihnen eiskalt den Rücken herunter? Oder sind es eher Ratten oder Schlangen, die Ihr Blut in den Adern erstarren lassen? Zucken Sie beim Anblick einer Spritze zusammen? Bekommen Sie bei großen Menschenansammlungen Panikattacken?

Etwa 10 % der Bevölkerung leiden an einer spezifischen Phobie. Man spricht von einer spezifischen Phobie, da sie oft nur kleine Teilbereiche wie bestimmte Tiere oder Situationen betrifft. Dass es sich nicht mehr um bloße Angst handelt, wird klar, wenn die ausgelösten Angstsymptome so stark sind, dass sie maßgeblich den Alltag beeinträchtigen. Als Reaktion auf die unangenehmen Angstzustände versucht die Mehrzahl der Menschen oft erst einmal die angstauslösenden Gegenstände und Situationen zu umgehen.

Bei der Arachno- oder Ophidiophobie (Spinnen- und Schlangenangst) ist dieses Fluchtverhalten vielleicht noch eine mögliche Strategie. Wenn man jedoch an Platzangst (Agoraphobie), also der Angst vor großen offenen Plätzen oder Menschenansammlungen, leidet, kann diese Maßnahme unter Umständen zur sozialen Isolation führen. Auch die Angst vor Ärzten (Trypanophobie), Schmerz (Odynophobie) oder Spritzen (Trypanophobie) sollte – der eigenen Gesundheit wegen – nicht einfach vernachlässigt werden.

Von alleine verschwinden die Phobien jedoch in der Regel nicht. Ganz im Gegenteil können sich die Ängste sogar noch verstärken, wenn man ihnen nicht begegnet. Um uneingeschränkt und ohne Phobie leben zu können empfiehlt sich deswegen eine Therapie.

Nachdem ein Arzt die Phobie festgestellt und die Herkunft der Symptome analysiert hat, wird meist eine kognitive Verhaltenstherapie durchgeführt. Hierzu gehört, dass sich der Patient mit seiner irrationalen Angst auseinandersetzt und so sein Denkmuster überarbeitet. Beispielsweise muss der Patient sich bewusst machen, dass von Spinnen in Deutschland eigentlich gar keine Gefahr ausgeht. Danach folgt eine Verhaltenstherapie, die eine allmähliche Konfrontation mit dem Angstobjekt beinhaltet.

Ziel einer kognitiven Therapie ist, dass der Patient im Alltag mit seiner Angst zurecht kommt. Eine Konfrontation ist dabei unumgänglich. Allein durch die direkte Begegnung mit dem Angstauslöser lernen die Patienten mit den Angstgefühlen umzugehen. Medikamente sind für viele Patienten weniger hilfreich. Sie lindern lediglich die Angstsymptome, bekämpfen jedoch nicht die Auslöser einer Phobie.

Ursache der Phobien sind lerntheoretischen Ansätzen zufolge klassische Konditionierungen, die oft schon in der Kindheit erfolgen. Eine Konditionierung ist, vereinfachend gesagt, die Erlernung eines Reiz-Reaktionsmusters. Bezogen auf die Theorie wird also ein unangenehmes Gefühl auf das Angstobjekt projiziert und deswegen weiterhin als unangenehm empfunden und gemieden. Hatten beispielsweise Turbulenzen während eines Fluges die Angst ausgelöst, wird künftig das Fliegen vermieden und man wird mit dem Ausbleiben des Angstgefühls belohnt.

Ein weiterer lerntheoretischer Ansatz geht vom „Lernen am Modell“ aus, was bedeuten würde, dass Kinder die Angst der Mutter vor Spinnen einfach abgucken. Außerdem werden heutzutage biologische Theorien mit einbezogen, weil die Angst an sich in der Urzeit ein Schutzmechanismus vor Gefahrensituationen darstellte. Bekommt man nun aufgrund eines mit Menschen gefüllten Platzes Herzklopfen, kann das Gehirn dies wiederum als Gefahrensituation deuten und die Angst noch erhöhen.

Eine genaue Ursache für die Entstehung der Phobien lässt sich nicht leicht feststellen. Nicht alle Phobieerkrankten haben in früheren Zeiten schlechte Erfahrungen mit dem Angstobjekt gemacht und viele reagieren phobisch auf etwas, wovor die Eltern keineswegs Angst hatten. Wahrscheinlich wirken auch hier viele unterschiedliche Faktoren zusammen, bis sich eine Phobie entwickelt. Wissenschaftler gehen außerdem davon aus, dass auch individuelle Faktoren wir das Erbgut und die soziokulturellen Einflüsse eine Rolle spielen.



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