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Es gibt zwei Überlebensstrategien, die den evolutionären Erfolg sichern. Zum ersten das Prinzip der Quantität, das wir beispielsweise bei Mäusen finden. Sie produzieren tausende von Nachkommen und sichern so ihre Spezies. Zum anderen das Prinzip der Qualität, bei dem es um Qualitätssicherung geht, wie zum Beispiel bei uns Menschen. Die meisten Familien haben wenige Kinder, da diese mit wirtschaftlichen Kosten verbunden sind. Diese haben teilweise einen Einfluss auf die Art der „Fortpflanzungsstrategie”.
Aber auch beim Menschen ist ein Zusammenhang zwischen mangelnder Lebenssicherheit (z. B. Krieg, Pest, Missernten) und erhöhtem Fortpflanzungsaufwand, also das quantitative Prinzip, zu beobachten. Es reichte nicht, in die Lebenschancen der Kinder zu investieren, sondern man muss gegebenenfalls drauf setzen, dass einige unter widrigsten Umständen durchkommen. So hart es auch klingt, das ist die soziobiologische Erklärung. Schon in Kindheit und Jugend wird soziale Konkurrenzfähigkeit geschaffen und diese ist umso ausgeprägter, je präsenter der Verdrängungswettbewerb im Lebensalltag ist. Der Erfolg im Wettbewerb hängt sehr von den ökonomischen Umständen ab. Zum Beispiel von den Bildungsmöglichkeiten, die das familiäre und soziale Umfeld von Kind bzw. Jugendlichen bieten, die die Zeit zwischen Geburt und Fortpflanzung verlängern. Allerdings lohnt sich der (Erziehungs-) Aufwand nur, wenn das kreierte Fortpflanzungpotenzial der Kinder auch tatsächlich genutzt wird.
Und hier kommt Darwin ins Spiel, der von einem „differenzierten Elterninvestment” spricht, d. h., dass Kinder von den Eltern nicht gleich behandelt oder gefördert werden. Dies geschieht unterbewusst – von unterschiedlicher Fürsorge direkt nach der Geburt, bis hin zur unterschiedlichen Zuweisung von sozialen Chancen (Erziehung, Ausbildung, Mitgift-, Erbschaftszahlungen). Für diese innerfamiliären Asymmetrien in der Behandlung der Kinder sind die „Gewinnaussichten” der Eltern verantwortlich. Der voraussichtliche Gewinn hängt vom „Reproduktionswert” (Das Ausmaß, in dem eine Person [das eigene Kind] an der Entstehung kommender Generationen vermutlich teilhaben wird.) des Kindes ab, welcher stark von dem Geschlecht, gesundheitlichem Zustand und Ähnlichkeiten mit den Eltern zusammenhängt.
Vor allem früher spielte das Geschlecht eine große Rolle. Die Gleichbehandlung von Jungen und Mädchen ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Mit dem Blick auf die Geschichte vieler verschiedener Kulturen wird klar, dass es oft offensichtliche Präferenzunterschiede gab, die zum Teil immer noch existieren. Hier kommt wieder die elterliche Investition ins Spiel, das ökonomische Denken der Familie. Man könnte sagen, dass entschieden wird, ob ein Mädchen oder ein Junge bessere Fortpflanzungschancen hat. Dies hängt fast ausschließlich von äußeren, gesellschaftlichen Faktoren ab und natürlich von der Finanzlage der Eltern.
Laut dem Trivers-Williard-Prinzip würden privilegierte Familien eher auf einen Sohn setzen, da Jungs für fähig(er) gehalten werden, ökonomischen und gesellschaftlichen Erfolg zu erzielen und sich somit in die Kette der Evolution einzugliedern. So steigt der Vorteil, männlich zu sein, mit der sozialen Stellung der Familie.
Bei Familien jedoch, die ihren Kindern keine Startvorteile verschaffen können, wird eher auf Mädchen gesetzt, da deren Reproduktion, aufgrund der Benachteiligung, weniger gefährdet ist, als die der Jungen.
Die Präferenz des einen Geschlechts ist somit eine (individuelle) Reaktion der Eltern auf gesellschaftliche Normen und Ideologien, die sie den eigenen Interessen anpassen. Dies zeigt auch deutlich wie der Mensch sich auf die „Qualität” spezialisiert hat, anstatt, wie die Mäuse, auf die Quantität. Trotz des ausgeprägten Konkurrenzverhaltens der Menschen waren Loyalität und Zusammenhalt immer eines der notwendigsten Eigenschaften, um unser Überleben zu sichern.
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