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Kakao - Wundermittel gegen Raucher-Schäden?


22.11.2006 (H. Bylinski) Kategorie: Gesundheit

Bild: www.chocosuisse.ch

Schon die Azteken und Maya haben die Wirkungen der Kakaobohne im 14. Jahrhundert gekannt und einen Trunk, den sie Xocóatl nannten, zu Ehren ihres Gottes Quetzalcoatl - dem gefiederten Gott des Windes - zubereitet. Auch in der Gegenwart weiß man die positive Wirkung von Kakao zu schätzen: Er kann in unserem Körper Glücks- und Lustgefühle auslösen. Zuständig ist dafür der Bestandteil Phenylethylamin. Das Molekül dieses Stoffes ist denen der Amphetamine sehr ähnlich und kann ebenfalls die Ausschüttung von Dopamin im Hirn veranlassen. Damit wirkt es auf Teile des Gehirns und kann ein Wohlgefühl in uns auslösen.

Allgemein gilt jedoch: Schokolade in Übermaßen macht dick, lässt Pickel sprießen und schädigt die Zähne. Großspurig behauptet die Süßwarenfirma Mars jedoch, dass ihr neuartiges Schoko-Konfekt vor Herzinfarkt und Schlaganfall schütze. CocoaVia, der neue Gesundheits-Schokoriegel, so die unterschwellige Botschaft, verlängere angeblich das Leben.

Schokolade wird von Mars als Gesundmacher proklamiert. 15 Jahre hat Mars rund um die Kakaobohne geforscht. Genauer gesagt, an einem der Hauptbestandteile von Schokolade und ihren pflanzlichen Inhaltsstoffen, den Flavonoiden. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse hat Mars Patente für Dutzende neue Verfahren zur Herstellung von Kakaoprodukten angemeldet.

Kakao kann laut Mars als Tablette oder in Kapseln gefüllt, die „Gefäßgesundheit erhalten“, also verhindern, dass die Blutgefäße verstopfen und ist somit schonend für Herz und Hirn. 17 Milliarden Dollar Umsatz macht Mars bereits heute jährlich mit „Candy“ (Süßigkeiten) und hofft nun auf neue Gewinne durch die als gesund verkauften Schokoriegel.

Wissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf haben angeblich die positive Wirkung der Flavonoide bei 11 Rauchern nachgewiesen. Den Teilnehmern wurde an zwei aufeinander folgenden Tagen ein Kakao-Getränk gereicht, das bis zu 370 mg Flavonoide enthielt. Zwei Stunden vor und nach dem Getränk wurden die NO-Werte und die Ausdehnung der Blutgefäße gemessen.

Folgendes wurde festgestellt: Nachdem das kakaohaltige Getränk von den Versuchspersonen zu sich genommen wurde, konnte durch die Wissenschaftler eine verbesserte Ausdehnung der Blutgefäße aber auch eine deutliche Verbesserung der NO-Werte nachgewiesen werden. Allerdings sei es unwahrscheinlich, dass Kakao komplett die gefährlichen Folgen des Rauchens lindern kann.

Bei genauerem Hinschauen fällt auf, dass auch hier die Süßwarenfirma Mars die Untersuchung unterstützt und gesponsert hat. Dies ist kein Einzelfall. In den letzten Jahren hat Mars des Öfteren „wissenschaftliche Studien“ gesponsert, die die Gesundheitsvorteile von Schokoladenprodukten betonen sollten.

Gewöhnliche Schokolade liefert nur wenig Flavonoide, denn üblicherweise werden dem Kakao durch Fermentation und Rösten während des Schokolademachens Großteile der gesunden Substanzen ausgetrieben. Offenbar hat Mars allerdings eine bessere Bohne und ein besonders schonendes Verfahren gefunden, um ihren Anteil höher zu halten oder wurden die zuständigen Forscher von Mars gekauft?

Unverblümt eröffnet der Harvard-Mediziner Norman Hollenberg, dass seine Forschung ohne den Sponsor Mars nicht möglich gewesen wäre. Der Wissenschaftler entdeckte genau die gute Botschaft, von der Mars träumte. So senken Flavonoide laut Norman Hollenberg, den Blutdruck und damit auch das Risiko von Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Der oberste Ernährungswissenschaftler der Universität von Kalifornien in Davis, Carl Keen, bestätigte ebenfalls, dass Flavonoide das Zusammenkleben von Blutplättchen verminderten und somit auch das Risiko von Thrombosen. Außerdem entdeckte er bei Flavonoiden den entzündungshemmenden Effekt, für den auch Aspirin berühmt ist. In Keens Labor hatte Mars laut New York Times mindestens 800.000 Dollar investiert.

Sind die Forscher befangen gewesen oder ist was dran an dem Gesundmacher Schokolade? Reinhard Lieberei, Kakaoforscher an der Uni Hamburg, hält Flavonoide zwar generell für förderlich; dass Schokoriegel der beste Weg sind, diese zu sich zu nehmen, bezweifelt er aber. Er rät zum Genuss von Tee, Äpfeln sowie Beeren und Mohrrüben aber auch Weintrauben um den Flavonoid-Haushalt aufzustocken.

Schokolade bleibt eine Süßigkeit und ist keine gesunde Sache, auch wenn Mars das behauptet. Die verführerische und zugleich trügerische Botschaft die Mars verbreitet, soll Konsumenten animieren, unbegrenzte Mengen an Schokolade zu essen, weil sie angeblich gesund ist. Jedenfalls steht fest, dass es ein zweifelhafter Weg ist, Konsumenten nahe zu legen, auf ihre Herzgesundheit zu achten.



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