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Oh Happy Day – Als Junge im Gospelchor


05.08.2005 (S. Gundert) Kategorie: Kultur

Bild: www.jugendkirche-marzahn.de

Gospelchöre kennt jeder - spätestens seit dem Film „Sister Act“. „Sister Act“, das sind singende, fröhliche und überwiegend afroamerikanische Frauen, die in Liedern wie „Oh Happy Day“ ihren Glauben zu Gott ausdrücken.

Wohlgemerkt handelt es sich in diesem Film ausschließlich um Frauen, die in einem solchen Chor mitsingen. Doch findet man in einem Gospelchor auch männliche Wesen? Ältere Herren sicherlich. Doch was ist mit Jugendlichen? Jungs im Chor? Im Gospelchor? Ja, es gibt sie!

Nach kurzer Suche wurde ich auch schon fündig. Mein „Fundstück“ heißt André, ist 16 Jahre alt und singt im „Livin’Gospel“-Chor in Troisdorf. Dort ist er der einzige Junge unter rund 80 Mitgliedern (davon ca. 20 weibliche Jugendliche). Man hat’s nicht immer leicht als Junge zwischen all der Weiblichkeit, doch das hält André nicht vom Singen ab.

„Die meisten Rock- und Pop-Texte haben doch heutzutage gar keinen bedeutenden Inhalt mehr. Das ist es, was mich am Gospeln fasziniert. Nahezu alle Songs haben einen tiefgehenden Sinn, fassen die Religion in Worte und hinter fast jedem Lied steckt eine Message.“, erklärt er.

Ebenso mag er den Rhythmus aus der afroamerikanischen Tradition, denn die Gospellieder sind im Vergleich zu unseren westlichen Kirchenliedern viel schneller, emotionaler und lebensfroher. „Wenn man die singenden Menschen in vielen katholischen Kirchen sieht, könnte man schon fast Mitleid bekommen. Sie stehen nur regungslos da und singen ihre Lieder. Das ist das Tolle am Gospeln, „man kann sich zu der Musik bewegen, seine Freude über Gott durch Gesten und Gefühle zum Ausdruck bringen“, erzählt André mit leuchtenden Augen. Man bemerkt gleich, dass er mit Leib und Seele dabei ist.

Aber was ist eigentlich Sinn und Ziel eines Gospelchors? „Es geht darum, das Evangelium durch Lieder weiterzuverbreiten“, erklärt mir André. „Die Texte und Gesänge sind das „Tor zur Freude“, das „Ventil für den Glauben.“Außerdem wird durch die Songs die Gemeinsamkeit gefördert und der Zusammenhalt gestärkt.“

André ist seit dem 14. Lebensjahr „mit dabei“ (von einem früheren Eintritt ist abzuraten, da er sich sonst während des Stimmbruchs die Stimme hätte ruinieren können), sein Bruder war auch schon im Chor, sein Vater singt noch immer aktiv mit und seine jüngere Schwester ist auch schon dabei - also sozusagen eine Familien-Tradition.

Da fragt man sich nun doch, warum er eine solche Ausnahme sein muss, da gerade unter männlichen Jugendlichen die Vorstellung, in einem Chor zu singen, und das auch noch, um die Ehre Gottes zu preisen, „voll uncool“ ist.

Schade eigentlich, denn ist nicht die „Freude Gottes“, die wir empfinden, vor allem unsere eigene Freude? Mädchen tun sich da mit dem Ausdruck offensichtlich leichter, doch frage ich mich (natürlich mit einem Augenzwinkern): Sind die vielen Mädchen im Chor nicht bereits Anreiz genug?!



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