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Felix Tollpatsch - Ein total verrückter Katzenkrimi - 1. Kapitel


01.12.2006 (J. Rohrbach) Kategorie: Specials

Bild: news.bbc.co.uk

Detektiv Hugo Taugenichts saß wie jeden Abend in seinem Büro. Er hatte die Beine auf dem Tisch übereinander geschlagen, paffte genüsslich seine Pfeife und las die Tageszeitung, ganz so, wie es sich für einen normalen Detektiv gehörte. Ja, er pflegte das Leben eines gewöhnlichen Detektivs sehr. Er trug gewöhnliche Detektivkleidung, hatte den typischen Detektivschnauzer und rauchte ganz detektivtypisch Pfeife. Es gab nur ein Problem bei der Sache: Hugo Taugenichts war kein gewöhnlicher Detektiv.

Sicher, ihm fehlte nichts an detektivischer Ausstattung und detektivischem Ehrgeiz, aber eines fehlte Hugo gänzlich: der Spürsinn. So sehr er sich auch anstrengte, er hatte während seiner gesamten Berufszeit noch keinen Fall aufgedeckt. Eher noch konnten ihm die Nachbarskinder gegen ein kleines Taschengeld sagen, wer wem die Tasche gestohlen, den Hund entführt oder den Kanarienvogel um die Ecke gebracht hatte, als dass er jemals selbst etwas herausgefunden hätte. Größeres passierte in der Kleinstadt, in der Hugo wohnte, zu seinem Glück aber auch nicht.

Hugos Unfähigkeit allerdings veranlasste seine Mitmenschen regelmäßig dazu, ihn zu verspotten und ihm nur Aufträge zu erteilen, um sich über ihn und seine komplizierten Vorgehensweisen lustig zu machen. Das machte Hugo sehr schwer zu schaffen, aber er ließ sich von nichts und niemandem davon abbringen, seinen Beruf so gewissenhaft und zuverlässig zu erledigen, wie er eben konnte. Sein einziger Freund, der ihn wirklich ernst nahm – und das auch nur deshalb, weil er die prekäre Lage Hugos wahrscheinlich noch nicht verstand – war Felix, Hugos kleiner Kater. Er hatte ihn vor einer Woche bei einem Rundgang aus der Mülltonne gefischt, konnte aber wie erwartet nicht herausfinden, woher der kleine Kerl stammte, und hatte ihn darum kurzerhand adoptiert.

Das kleine Katerchen war aber auch wirklich herzerweichend! Tollpatschig tapste er über den Teppich, verfing sich ab und an in einer Teppichfranse und stolperte und purzelte nur so umher, dass es eine Wohltat war, ihm zuzusehen. Hugo musste zugeben, dass ihm die Anwesenheit des kleinen purzelnden Etwas schon sehr glücklich machte. Er hatte ihn Felix getauft, da dies der einzige Katzenname war, der ihm spontan eingefallen war.

Zurzeit hatte Hugo keinen wirklich wichtigen Auftrag zu erledigen, was eigentlich immer so war, denn in der Kleinstadt, in der er wohnte, gab es höchstens einige Kleinkriminelle. Das einzige Verbrechen, das vor kurzem begangen wurde, war ein Ladendiebstahl bei Tante Gabi, bei dem Lebkuchenherzen entwendet wurden. Dies war wieder mal so ein Fall, mit dem man Hugo testen wollte und sich hinter seinem Rücken heimlich über ihn lustig machte. Denn jeder in der Stadt wusste, dass nur ein einziger für den Diebstahl verantwortlich sein konnte: Gunther Kusshand, der zurzeit unsterblich in Frieda Dicklich verliebt war und unter chronischem Geldmangel litt. Nur, solange dies nicht durch den verantwortlichen Detektiv ermittelt wurde, sah man lachend über den Vorfall hinweg und vertraute darauf, dass Hugo es sowieso nicht herausfinden würde.

Die Vorfälle in der Kleinstadt aufzudecken wäre eigentlich für kaum jemanden eine Schwierigkeit gewesen. Hätte Hugo mehr Kontakt zu seinen Mitmenschen gehabt, wäre ihm sein Beruf auch wesentlich leichter gefallen. Aber er verschloss sich stur hinter der Tür seines Büros, welches aus Geldnot auch gleichzeitig seine Wohnung war, und grübelte alleine vor sich hin.

Doch nun war er nicht mehr allein. Nun hatte er den kleinen Kater Felix, dessen Charme er einfach nicht widerstehen konnte. Doch selbst um diesen kümmerte er sich nicht so, wie es jeder andere an seiner Stelle getan hätte. Sicher, er gab ihm regelmäßig Futter und frisches Wasser und auch mal etwas Katzenmilch. Er spielte und schmuste ab und zu mit ihm, aber im Großen und Ganzen ließ er den kleinen Felix seine Wege gehen und er ging seine, obwohl es in seiner Stadt für Katzen, vor allem für solche, die so klein und tollpatschig waren wie Felix, überaus gefährlich sein konnte. Nur abends holte er den kleinen Kater herein, da er sich zumindest wenn es dunkel war schon etwas um ihn sorgte.

Hugo schaute von seiner Zeitung auf, um nach Felix zu sehen. Es war seit längerer Zeit erstaunlich ruhig, wahrscheinlich schlief er wieder irgendwo zwischen detektivischem Gerät oder füllte seinen kleinen Magen mit Katzenfutter. Hugo lugte über den Rand seiner Lesebrille und schaute sich um. Wo steckte der kleine Kerl nur? Da er ihn nicht ausmachen konnte, legte er die Zeitung beiseite und machte sich auf die Suche. Er liebte diese kleinen Versteckspiele, konnte er doch hieran wieder seine Spürnase trainieren.

Also, wo hatte er den kleinen Kerl zuletzt gesehen? Richtig, vor seinen Füßen auf dem Teppich ist er herum gepurzelt. Er suchte erst den Boden zu seinen Füßen systematisch ab, schaute dann beim Futternapf und an seinen beliebtesten Schlafplätzen nach, aber Felix blieb verschwunden. Panik ergriff Hugo. Er wird zu solch später Stunde doch wohl nicht entwischt sein? Entwischen können hätte er ihm nur auf einem Wege: aus dem Fenster! Schnell lief Hugo dorthin und da er sah, dass das Fenster geschlossen war, beruhigte er sich wieder und schaute wehmütig hinaus.

Draußen schneite es und von den Wohnhäusern auf der anderen Straße schien weihnachtliche Beleuchtung zu ihm hinüber. Bald war es wieder soweit: Die Leute würden sich mit ihren Liebsten treffen, den Weihnachtsbaum schmücken, einen Gänsebraten braten und sich Geschenke am warmen Kamin machen. Und er? Wer dachte schon an ihn, außer er wollte eine lustige Geschichte erzählen?

Etwas Schweres fiel ihm auf den Kopf und landete dann mit einem lauten Knall im Mülleimer. „Felix!“ Hugo bückte sich etwas benommen und holte den kleinen Kater aus seinem Gefängnis. Er hatte die ganze Zeit auf dem Bücherregal verbracht und war beim Versuch, eine Schneeflocke zu fangen, heruntergefallen. „Du kleiner Tollpatsch, du hast mir ja einen ganz schönen Schrecken eingejagt! Weißt du was? Ab heute heißt du Felix Tollpatsch.“ Und so kam Felix zu seinem unglücklichen, aber doch sehr treffenden Namen.

Der Life-Go-Hauptartikel zum Thema heißt „Kurzgeschichten im Portrait“. Über ihn finden Sie auch alle anderen bisher auf unserer Seite veröffentlichten Kurzgeschichten.



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