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Felix Tollpatsch - Ein total verrückter Katzenkrimi - 6. Kapitel


06.12.2006 (J. Rohrbach) Kategorie: Specials

Bild: www.muttersberg.at

Am nächsten Tag war Mariannes Katzenbande schon wieder unterwegs, um Carlos nächsten Plan auszuführen. Hätten sie da schon gewusst, was auf sie zukommen würde, hätten sie mit keiner Tatze das Haus verlassen.

Carlo hatte diesmal Fisch auf seinen Speiseplan geschrieben und der musste noch geangelt werden. Er hatte in einem Vorgarten einen Teich entdeckt, der noch nicht zugefroren war und in dem dicke Goldfische schwammen. Mia, Mauz und Santo waren wenig begeistert von der Idee, da sie so schon froren und wenig erpicht darauf waren, ins kalte Wasser zu springen. Carlo beruhigte sie, es würde ein kleiner Steg übers Wasser führen, von dem aus man die Fische bequem fangen könne. Seine Geschwister gaben seufzend nach, wussten sie doch, dass Widerspruch zwecklos war. Was Carlo sich in den Kopf gesetzt hatte, wurde gemacht.

Sie erreichten den Garten ohne weitere Zwischenfälle. Es war sehr still auf der Straße, da es gerade in der Fußgängerzone ein Fest gab, auf dem sich so fast alle Bürger der Kleinstadt zu dieser Zeit vergnügten. Mia sprang prüfend auf den Gartenzaun und witterte. Ein vertrauter Geruch stieg ihr in die Nase und ließ sie erschauern.

„Carlo, bist du denn von allen guten Geistern verlassen? Das ist das Haus des Bürgermeisters!“ Santo und Mauz zuckten zusammen und schauten Carlo vorwurfsvoll an.
„Ich weiß. Und das ist sein Gartenteich mit seinen Goldfischen, die heute in unseren Mägen landen werden!“ Sogleich verliehen die anderen Geschwister ihrem Unmut darüber Ausdruck:
„Warum hast du uns das nicht gleich gesagt? Wir wären niemals mitgekommen!“ „Genau, wir sind doch nicht lebensmüde!“
„Na eben, da habt ihr es doch schon! Hätte ich es euch gleich gesagt, wärt ihr nie mitgekommen.“ Mia sprang entrüstet vom Zaun.
„Und was soll das Ganze jetzt? Wir können immer noch aussteigen und genau das werden wir jetzt tun!“ Sie wandte sich zum Gehen, doch Carlo sprang ihr vor die Füße und versperrte ihr den Weg.

„Nicht so schnell, meine Liebe! Ist dir schon aufgefallen, wie ruhig es ist? Jeder in dieser Stadt ist jetzt auf diesem komischen Fest und darunter auch der Bürgermeister. Wir werden ihm den Teich ausrauben und er wird es erst merken, wenn er wieder zurück kommt und wir schon lange weg sind. Also, macht ihr mit?“
Mia schaute ihren Bruder nur beleidigt an, während Santo sich wie so oft sofort für den Plan begeistern konnte und zusagte. Mauz hingegen schloss sich dem nur zögernd an.
„Es ist doch nichts dabei, Mia. Der Bürgermeister ist doch nicht da“, sagte Mauz beschwichtigend zu Mia – teils auch, um sein eigenes ungutes Gefühl zu beruhigen.
Mia blieb skeptisch. „Macht was ihr wollt, ich halte mich da raus!“

So schlich sich die Bande an den Teich heran, zuvorderst Carlo, gefolgt von Santo und mit etwas Abstand Mauz. Mia blieb vor dem Zaun sitzen und behielt das Haus im Auge. Irgendetwas stimmte nicht…

Carlo stolzierte triumphierend über den Steg. Er begutachtete die Fische und suchte sich sogleich den dicksten heraus. „Siehst du den da, Santo? Der gehört mir!“
Und damit legte er sich auf die Lauer und fixierte den Fisch mit seinem Blick. Santo war indessen ein Stück von ihm entfernt dabei, sich seinen Fisch auszusuchen, konnte sich bei der reichen Auswahl jedoch kaum entscheiden.
„Was ist Mauz? Welchen würdest du nehmen?“, wandte er sich an Mauz, der ihm hinterher geschlichen war und krampfhaft versuchte, seine Unsicherheit hinter Coolness zu verbergen. Es gelang ihm kaum, und als Santo ihn prüfend anblickte, gab er es auf und ging Richtung Haus. „Ich werde mal nachschauen, ob wirklich niemand zuhause ist, die Sache ist mir zu unsicher!“ Und damit nahm er seinen Posten als Schmieresteher wieder ein.

„So ein Feigling!“, knurrte Carlo und schleuderte mit einem kräftigen Pfotenhieb seinen auserwählten Fisch aus dem Wasser. Santo legte sich nun auch auf die Lauer und machte es Carlo nach.
„Willst du den Fisch, Mia?“ Mia lehnte dankend ab. „Nein danke Santo, iss du ihn nur, mir ist der Appetit bei der ganzen Sache vergangen.“
Carlo hatte seinen Fisch schon verputzt, da angelte er schon nach dem nächsten.
„Der ist für dich, kleine Schwester und du isst ihn, ob du willst oder nicht, denn es ist ein Geschenk von mir an dich.“
Carlo schlug den zweiten Goldfisch aus dem Teich und wollte ihn Mia bringen, da schlug Mauz Alarm. „Der Bürgermeister ist da! Verschwindet!“

Der Bürgermeister hatte die ganze Aktion mitverfolgt. Er hatte die ganze Zeit warm eingepackt in seinem Wintergarten gesessen und gelesen und war durch den ersten Pfotenschlag Carlos ins kalte Wasser auf die Szenerie in seinem Garten aufmerksam geworden. Sofort ist war er zum Schrank im Flur, in dem er sein Gewehr aufbewahrte, gelaufen, dann hinaus in den Garten. Auf solch eine Situation hatte er schon immer gewartet. Niemand würde den Schuss hören und er könnte alle Spuren verwischen, ehe die ersten wieder vom Fest zurückkommen würden. Er freute sich regelrecht, die Grippe bekommen zu haben. Im Schlafanzug und mit Gewehr war er die Treppe hinuntergestürzt und rannte zur Tür.

Dies hatte Mauz gesehen und warnte die anderen. Doch noch bevor diese reagieren konnten, hatte der Bürgermeister das Fenster aufgerissen, zielte auf Carlo und schoss. Nur knapp entkam Carlo der Kugel und konnte sich gerade noch so ins Gebüsch werfen, von wo aus er auf kürzestem Weg das Weite suchte. Auch Santo und Mia hatten schnell genug reagiert und waren geflohen. Nur Mauz, der zu nah am Haus gestanden hatte, konnte der folgenden Kugel nicht rechtzeitig ausweichen. Triumphierend stapfte der Bürgermeister aus seinem Haus und hob den toten Kater auf, um ihn in die Mülltonne zu werfen.

Mia, Santo und Carlo trafen erst bei sich zuhause wieder aufeinander. Sie hatten alle auf der Flucht einen anderen Weg genommen. Nur Mauz war nicht da und jeder von den Dreien wusste, was das bedeutete. Mia brach in Tränen aus und auch die beiden Kater waren sichtlich berührt. Vor allem Carlo, der die ganze Sache angeleiert hatte.
„Es tut mir so leid, Mia…“
Mia fauchte Carlo wütend an: „Dir tut es Leid? Du bist schuld, dass Mauz jetzt tot ist! Wir hätten niemals zum Haus des Bürgermeisters gehen dürfen!“
„Aber Mia, ich…“ Mia schlug Carlo ins Gesicht und dann konnte auch er sich nicht mehr halten. Er senkte den Kopf und schluchzte sich die Seele aus dem Leib.

Der Life-Go-Hauptartikel zum Thema heißt „Kurzgeschichten im Portrait“. Über ihn finden Sie auch alle anderen bisher auf unserer Seite veröffentlichten Kurzgeschichten.



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