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Felix Tollpatsch - Ein total verrückter Katzenkrimi - 10. Kapitel


10.12.2006 (J. Rohrbach) Kategorie: Specials

Bild: www.mieminger-platea.at

Obwohl Hugo nicht der Auftrag erteilt worden war, begann er zu recherchieren. Er forschte nach den Verbliebenen des Bürgermeisters, da er unter ihnen den Mörder vermutete. Dazu gehörte auch sein mit ihm in Streit lebender Bruder Fritz, den er einige Tage lang observierte, ohne etwas Verdächtiges zu entdecken. Er stand vor seiner Wohnung, belauschte ihn an der Tür, verfolgte ihn bis zu seiner Arbeit, lief auch seiner Familie hinterher, doch er fand nichts heraus. Das einzige was er eines Tages vor der Tür des Bruders vorfand war die Polizei, die gekommen war, um den Bruder zu verhören. Doch auch diese war der Überzeugung, dass der Bruder unschuldig am Tod des Bürgermeisters war. So gab also auch Hugo seine Observation auf und suchte nach weiteren Verwandten, ohne auf jemanden zu stoßen, der ein Motiv gehabt hätte.

Felix indessen sah die unglücklichen Versuche seines Herrchens, die Täter zu finden und versuchte ihm zu helfen. Abends, wenn Hugo endlich wieder von seiner erfolglosen Suche zurückkam – was mit der Zeit immer später wurde – setzte er sich zu seinen Füßen und begann ihm die ganze Geschichte zu erzählen. Doch Hugo verstand kein Wort. Er schaute nur flüchtig von seiner Zeitung auf und versuchte Felix zum Schweigen zu bringen.

Felix war sauer über so viel Unvermögen, die kätzische Sprache zu verstehen. Einfache Befehle wie aufstehen, Napf voll machen und Katzenklo säubern beherrschte sein Herrchen schließlich auch. Also versuchte er es auf andere Weise.

Hugo war mal wieder unterwegs um nach verdächtigem Material zu suchen, da sprang ihn plötzlich etwas aus dem Gebüsch an, krallte sich ihm in den Nacken und brachte ihn fast zu Fall, als ihm gelang, das fauchende Bündel von seinem Hals zu entfernen und zurück ins Gebüsch zu werfen. Erschrocken schaute er sich um, doch als er Felix erblickte, begann er nur zu lachen und seinem Kater gut zuzureden. „Was sollte denn das, kleiner Tollpatsch? Du hast mir vielleicht einen Schrecken eingejagt!“ Felix maunzte nur und machte sich beleidigt wieder davon. Irgendwie musste man ihm doch beibringen können, wer den Mord begangen hat! Aber bei Hugo war das wesentlich schwerer als bei anderen Menschen, da er nur schwer aus seiner Gedankenwelt zu holen war.

Ein anderes Mal überraschte er Hugo in seinem Büro, fauchte ihn an, dass Hugo angst und bange wurde, wetzte um ihn herum und tat auch sonst noch vieles, um Hugo zu zeigen, wie gefährlich Katzen sein können. Irgendwann musste er doch begreifen, dass der Täter nicht unter den Menschen zu suchen war! Doch Hugo begriff nicht, er wollte sogar mit Felix den Tierarzt aufsuchen, da er sich so merkwürdig verhielt.

Felix versuchte noch so einiges, um Hugo auf sein Wissen aufmerksam zu machen. Er begleitete ihn auf seinen Streifzügen und miaute unentwegt, spielte den Mord mit Gegenständen auf dem Schrank nach und einmal sogar mit einer Meise, die allerdings nicht wie erhofft vom Baum fiel, sondern sich stattdessen in die Lüfte erhob. Hugo war bald sehr genervt von Felix’ merkwürdigem Verhalten und versuchte schließlich, ihn zu ignorieren, da er ihn scheinbar bei der Arbeit störte.

Felix lag gerade auf dem Fensterbrett über der Heizung und dachte über einen neuen Plan nach, als es an der Tür klingelte. Hugo war erst kurz zuvor in sein Büro zurückgekehrt um Mittagspause zu machen und war dementsprechend etwas verärgert über die Störung, öffnete aber trotzdem leicht gereizt die Tür. Der kleine Tommy trat ein, ihm die mit Kleingeld gefüllte Hand entgegenhaltend.

„Hallo! Sie sind doch der Detektiv, oder? Sie müssen mir helfen meine Katzen zu finden!“
Hugo ließ den unerwarteten Besuch eintreten und sich hinsetzen.
„Dich kenne ich doch irgendwoher.“, sagte er und musterte seinen Gast.
„Ich bin Tommy, Sie haben vor ein paar Tagen in unserem Garten herumgeschnüffelt, um einen Lebkuchendieb zu fangen. Und jetzt müssen Sie mir helfen, meine Katzen zu finden, ich bezahle Sie auch.“
Hugo lehnte dankend das ihm angebotene Kleingeld ab und lehnte sich wohlwollend zurück, um sich eine Pfeife anzuzünden. Sein Besuch gefiel ihm. „Ich erinnere mich. Wann hast du denn deine Katzen zuletzt gesehen?“, fragte er Tommy genüsslich paffend.
„Die eine vor etwa vier Wochen. Sie ist einfach nicht mehr zurückgekommen. Und die andere ist erst vor knapp zwei Wochen verschwunden und ich bin überzeugt, der Bürgermeister hat sie getötet!“
Hugo hustete. „Der Bürgermeister? Aber du weißt schon, dass der Bürgermeister tot ist?“
„Ja, aber das geschieht ihm auch Recht! Ich habe ihn tagelang beobachtet und verfolgt bis er dann den Baum geschmückt hat und vom Balkon gefallen ist. Jedenfalls ist er es bestimmt gewesen. Ich muss es nur noch beweisen und meine Katzen finden. Vielleicht leben sie ja noch!“

Hugo schaute ihn erstaunt an. „Du hast den Mord… äh den Unfall beobachtet?“
„Ja natürlich, die Katzen haben… mein Kater!“ Tommy hatte Felix entdeckt, der gerade, durch die vertraute Stimme angelockt, das Zimmer betrat. Tommy rannte zu ihm und nahm ihn auf den Arm. „Du hast meinen Kater gefunden!“
Hugo war verdutzt. Sollte das etwa der erste Fall sein, den er aufgedeckt hatte? Aber nein, das war nur Zufall. Viel wichtiger war für ihn jetzt eine ganz andere Frage. „Du willst ihn doch nicht etwa wieder mitnehmen, oder?“
„Warum nicht?“, fragte Tommy empört.
Hugo räusperte sich. „Du musst wissen, ich habe ihn in einer Mülltonne gefunden und aufgepäppelt. Ich habe ihn sehr lieb gewonnen und er fühlt sich hier, glaube ich, auch ganz wohl.“
Tommy dachte nach. „Na gut, ich darf die Katzen eh nicht alle behalten, aber du musst mir versprechen, dass ich ihn so oft besuchen kann, wie ich will und dass du herausfindest, was mit meinem anderen Kater passiert ist!“
Hugo willigte ein.

Der Life-Go-Hauptartikel zum Thema heißt „Kurzgeschichten im Portrait“. Über ihn finden Sie auch alle anderen bisher auf unserer Seite veröffentlichten Kurzgeschichten.



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