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Die Polizei hatte ihre Untersuchungen bald abgeschlossen und gegen Meinung einiger Augenzeugen war sie zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich bei diesem Fall um einen Unfall handelte. Hugo triumphierte. Die Polizei war gescheitert und nun hatte er freies Feld für seine Arbeit. Er hatte sich fest vorgenommen, zu beweisen, dass es sich hierbei um einen Mord handelte und er wusste nun von einem Zeugen, den die Polizei noch nicht befragt hatte. Doch dieser war nicht gerade gesprächig, was das Thema anging. Wenn er Hugo besuchte, um nach seinem kleinen Kater zu sehen, war er so auf Felix fixiert, dass er sich zu keinem anderen Gesprächsthema hinreißen ließ.
Bald gab Hugo die Fragerei auf und untersuchte nun die nähere Umgebung des Bürgermeisterhauses. Dessen Beerdigung war inzwischen in vollem Gange, als Hugo unter der alten Tanne vor dem besagten Haus nach Indizien suchte. Fast die ganze Kleinstadt hatte sich auf der Beerdigung versammelt und er fühlte sich unbeobachtet, als ihn jemand hinter ihm ansprach. „Suchen Sie immer noch oder schon wieder nach Fußspuren?“
Hugo drehte sich erschrocken um. „Ach, Sie schon wieder. Nein, ich suche keine Fußspuren, aber ich muss den Tag nutzen, solange es hell ist.“
Marianne lachte. „Eigentlich wollte ich Sie fragen, ob Sie mit mir ins Cafe gehen. Ich habe mitbekommen, dass mein Sohn sich öfter bei Ihnen aufhält und wollte wissen, was es denn bei Ihnen so Geheimnisvolles zu besprechen gibt.“
Hugo war erstaunt. Ins Cafe wurde er noch nie eingeladen und schon gar nicht von so einer attraktiven Frau. So sagte er zu und sie gingen ins Ratscafe. Bald saßen sie bei Kaffee und Kuchen und unterhielten sich über Mariannes Sohn.
„Also bitte, Herr Taugenichts, jetzt erzählen Sie mal. Hat er Sie beauftragt, seine Katzen zu suchen? Ich habe Ihre Visitenkarte so gut versteckt und er hat sie trotzdem gefunden!“
Hugo freute sich, dass sich jemand solch eine Mühe gemacht hatte, ihn zu finden.
„Ja, um die Katzen ging es. Er wollte, dass ich sie suche und den Bürgermeister überführe, ihnen etwas angetan zu haben. Aber da er nun selbst das Zeitliche gesegnet hat, dürfte das nicht so leicht werden.“
„Ach, der Bürgermeister – ja, das hat mir Tommy auch sehr oft erzählt. Ich möchte es eigentlich nicht glauben, aber anders kann ich es mir eigentlich auch nicht erklären. Wissen Sie, er hat so furchtbar an dem kleinen orange getigerten Katerchen gehangen. Und ausgerechnet der verschwand als Erster!“
„Nun, den hat er ja jetzt wieder.“
„Bitte?!“ Marianne war erstaunt.
„Na ja, ich habe ihn damals in der Mülltonne gefunden und aufgenommen, da ich ja nicht wusste, wem er gehörte. Und als Tommy zu mir kam, hat er ihn natürlich sofort wieder erkannt.“
„Und er hat ihn nicht gleich wieder mitgenommen?“
Hugo schluckte. „Wissen Sie, ich hänge wirklich sehr an dem kleinen Kerl und hätte es nicht übers Herz gebracht, ihn wegzugeben.“
Marianne wurde einiges klar. „Ach, deshalb steckt der so oft bei Ihnen! Er hat Ihnen wohl ein Geschäft vorgeschlagen?“
Marianne kannte ihren Sohn nur zu gut. Hugo indessen wurde es immer unangenehmer, zugeben zu müssen, dass er sich von einem kleinen Jungen einwickeln ließ.
„Ja, das hat er. Ich darf Felix behalten und dafür suche ich seinen anderen Kater. Außerdem darf er Felix so oft besuchen, wie er möchte.“
Marianne fing an, lauthals zu lachen. Sie bekam sich fast gar nicht mehr ein. „Entschuldigen Sie, aber dass sieht ihm ähnlich! Felix haben Sie den Kleinen genannt?“
„Felix Tollpatsch.“
„Ja, das passt zu ihm! Sagen Sie, wo doch mein Sohn so oft bei Ihnen ist – und ich muss Ihnen sagen, Sie nehmen mir da eine Menge Arbeit ab – wollen wir uns nicht duzen? Ich bin Marianne.“
Hugos Herz machte einen Sprung. So sehr er sich von dieser Frau auch in die Mangel genommen fühlte, so sehr sympathisch war sie ihm auch auf der anderen Seite.
„Hugo“, sagte er und gab ihr die Hand.
In dieser Nacht machte Hugo kein Auge zu. Er dachte unentwegt an die Unterhaltung mit Marianne. Felix kuschelte sich an ihn, doch das merkte Hugo kaum. Diese Frau verwirrte ihn. Sie hatte ihm gezeigt, dass sie den Überblick hatte und Hugo und seine Arbeit vollkommen durchschaut. Er fühlte sich ertappt und merkte zum ersten Mal, dass er an seinen Arbeitsmethoden wohl doch noch etwas arbeiten musste, wenn er diese Frau beeindrucken wollte.
Der Life-Go-Hauptartikel zum Thema heißt „Kurzgeschichten im Portrait“. Über ihn finden Sie auch alle anderen bisher auf unserer Seite veröffentlichten Kurzgeschichten.
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