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Netzwerk-Marketing - Jobmaschine?


07.08.2005 (J. Halter) Kategorie: Wirtschaft

Bild: www.marktware.com

Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Laut einer Veröffentlichung des Spiegels aus dem Jahr 2001 arbeiteten zu dieser Zeit etwa 1,2 Millionen Deutsche in irgendeinem Netzwerk-Unternehmen. Seriöse aktuelle Zahlen stehen leider nicht zur Verfügung.

Von diesen 1,2 Millionen arbeiteten 97 Prozent nebenberuflich und drei Prozent hauptberuflich. Momentan sind etwa 660 Netzwerk-Unternehmen auf dem deutschen Markt aktiv. Wie in allen anderen Branchen gibt es auch hier schwarze Schafe. Die meisten Netzwerk-Unternehmen allerdings arbeiten gesetzeskonform, also legal.

Nicht legal sind die so genannten Schneeballsysteme. Diese erkennt man daran, dass nicht der Produktverkauf an Endkunden, also Kunden, die nicht als Vertriebspartner am Network teilnehmen, im Vordergrund steht, sondern die Produkte ausschließlich durch Vertriebspartner gekauft werden. Ein weiteres Erkennungsmerkmal von Schneeballsystemen ist die so genannte „Kopfprämie“. Bestehende Vertriebspartner erhalten Prämien für neu geworbene Systempartner. Bei hohen Einstiegskosten sollte jeder hellwach und sehr vorsichtig werden.

Wie funktioniert Netzwerk-Marketing?

Es handelt sich hierbei um eine besondere Form von Direktvertrieb. Im Gegensatz zum klassischen Direktvertrieb (z. B. Handelsvertreter) akquiriert der Networker einerseits Kunden für seine Produkte/Dienstleistungen und auf der anderen Seite wirbt er neue Vertriebspartner, die ebenfalls wieder um Kunden und neue Vertriebspartner werben. Der Networker erhält Provisionen auf Eigenumsätze, also eigene Verkäufe und zusätzliche Provisionen auf Umsätze der von ihm geworbenen Vertriebspartner. Er kann aber auch Provisionen auf Umsätze bekommen, die von nachfolgenden Vertriebspartnern generiert werden. Optisch kann man sich das als Pyramide vorstellen.

Beispiel: Es werden drei neue Vertriebspartner angeworben, diese werben wiederum drei neue Partner an usw. Mathematisch kann die Geschichte nicht endlos funktionieren, da sehr schnell die Menschen ausgehen, auch bei fast 6,7 Billiarden Weltbevölkerung.

Warum ist Netzwerk-Marketing in Deutschland so umstritten?

Teilweise hängt es mit der fast 40jährigen Geschichte zusammen. Jeder kennt jemanden, der sein Glück versucht hat und damit gescheitert ist. Oftmals werden von unseriösen Networkern die Einkommensmöglichkeiten sehr übertrieben dargestellt, was zwangsläufig zu Enttäuschungen führt. Die Teilnehmer fühlen sich über den Tisch gezogen.

Dann gibt es immer wieder schwarze Schafe, denen es nur darum geht, den Teilnehmern möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln in letzter Zeit verstärkt gegen betrügerische Unternehmen.

Konträre Meinungen findet der interessierte Leser auf den verschiedenen Foren. Es gibt ausgesprochene Kontra- und absolute Pro-Foren. Es ist sicherlich klug, beide Seiten zu hören.

Netzwerk-Marketing, ein Weg aus der Arbeitslosigkeit?

Im Unterschied zu normalen Existenzgründungen müssen hier keine großartigen Investitionen erbracht werden, aber auch dieser Geschäftsaufbau dauert seine Zeit. Networker sprechen hier von etwa 1.000 Tagen. Die Förderungen (Überbrückungsgeld und Ich-AG) sind entweder vom Zeitraum her zu kurz (Überbrückungsgeld) oder von der Höhe her zu niedrig, wie bei der Ich-AG. Bei der Ich-AG werden im ersten Jahr monatlich 600 Euro gezahlt. Abzüglich Krankenkassenbeiträgen und Pflichtbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung, bleiben dem Bezieher im Monat etwa 150 Euro übrig. Zum Leben zuviel, zum Sterben zu wenig.

Als Fazit kann festgehalten werden, dass ein Einstieg in das Netzwerk-Marketing für die Masse der Arbeitslosen eher nicht in Betracht kommt.

Was sollte also beachtet werden, wenn sich für die Mitarbeit in einem Network entschieden wird?


Wählen Sie ein seriöses Unternehmen mit marktfähigen Produkten. Informationen findet man im Internet reichlich. Nennenswerte Provisionen fließen erst nach einer gewissen Zeit des kontinuierlichen Geschäftsaufbaus. Wer also auf ein Zusatzeinkommen angewiesen ist, wählt mit einem 400 Euro-Job die deutlich bessere Alternative.

Das persönliche Umfeld sollte nicht unbedingt in den Geschäftsaufbau einbezogen werden. Also nicht den Freunden, Verwandten, Nachbarn und Kollegen Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetik verkaufen. Viele Networker haben diesen Fehler bitter bereut und das Umfeld regelrecht kaputt gemacht.

Bevor man sich für ein Network entscheidet, sollte im Vorfeld umfassend recherchiert werden, denn es geht im wahrsten Sinne des Wortes um die eigene Existenz und da ist große Sorgfalt sicher keine Zeitverschwendung.



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