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Über Gen-Reis und Protest-E-Mails


16.12.2006 (A. Bünnig) Kategorie: Wirtschaft

Bild: www.greenpeace.de

„Server nicht gefunden.“ Dies ist eine Nachricht, die im schnelllebigen Internet-Zeitalter öfter zu finden ist. Vielleicht hat man sich auch verschrieben. Merkwürdige Züge nimmt das Ganze aber dann an, wenn es sich um die Website einer bekannten Organisation handelt, wie etwa Greenpeace. Die Seite www.einkaufsnetz.org war nicht zu erreichen und Kunden haben bei der Umweltschutzorganisation angerufen, um nachzufragen.

Es stellte sich heraus, dass der Bayer-Konzern im Gen-Reis-Streit zu neuen Methoden griff. Ursprünglich ging es um den Fund von gentechnisch verändertem Reis in deutschen Supermärkten. Bayer hatte die neue Sorte LL601 auf Feldern in den USA getestet. Doch die Versuche wurden eingestellt und das Produkt nie auf den Markt gebracht. Trotzdem fand man es im September in den Regalen der Geschäfte.

Daraufhin hat Greenpeace auf der Website seiner Verbraucherorganisation „EinkaufsNetz“ eine Protestaktion gestartet, die E-Mails an Bayer-Manager schickte. Offenbar nervte das den Konzern, den täglich fluteten hunderte E-Mails das Postfach des Vorstandsvorsitzenden Werner Wennig. Daher hat ein Mitarbeiter der Bayer-Konzernsicherheit den Serverbetreiber von Greenpeace angerufen und von „massiven Spam-Angriffen“ berichtet, die „unseren kompletten Betrieb lahm legen.“ Ein Sprecher der Internet-Firma sagte, dass sie nicht gewusst hätten, dass es sich dabei nur um ein E-Mail-Postfach handelte. Aufgrund der „Attacke auf das Bayer-System“ – wie die Bayer-Konzernsicherheit es nannte – alarmiert, haben sie die Seite aus dem Netz genommen.

Erst 15 Stunden später haben die Umweltschützer von dieser Maßnahme erfahren und sind empört. Sprecherin Ulrike Brendel sagte: „Anstatt die Proteste der Bürger gegen Gen-Reis ernst zu nehmen, hat Bayer seine Macht nun genutzt, um die Server-Firma einzuschüchtern.“

Mittlerweile hat sich die Aufregung wieder etwas gelegt, denn das „EinkaufsNetz“ ist wieder online. Nur für die Protest-E-Mails musste ein neuer Absender gefunden werden, denn Bayer hat einen Filter aktiviert, der diese Schreiben sofort erkennt und aussortiert. Vermutlich ist der Chemie-Riese auch das letzte Unternehmen, das sich dort verfangen hat, denn die Website der Verbraucherorganisation wird wegen zu geringer Resonanz bald geschlossen.



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