|
Die Proteste gegen Studiengebühren sind langsam abgeflaut. In der Anfangszeit gingen noch Berichte über riesige Studentenproteste durch die Presse. Teilweise wurden sogar Rektorate und Wissenschaftsministerien besetzt. In Frankfurt spitzte sich die Lage zu, als wütende Studenten eine Autobahn und Gleise am Hauptbahnhof blockierten.
Dabei bildeten die Studenten nicht einmal eine einheitliche Front gegen die Gebühren. Es gibt sogar Befürworter unter den großen „Studentenparteien“. So plädierte an der Universität Würzburg der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS), ein Ableger der CDU/CSU, schon länger für Studiengebühren. Selbst die Grüne Hochschulgruppe hatte gegen nachgelagerte Studiengebühren, die also nach dem Studium zu zahlen wären, nichts einzuwenden. Einzig die Juso-Hochschulgruppe stellt die Opposition gegen die Gebührenpläne der bayerischen Staatsregierung.
Da die „Campus-Maut“ von 500 Euro ab dem Sommersemester 2007 in Bayern wie auch in vielen anderen Bundesländern bereits beschlossene Sache ist und sich fast alle damit abgefunden haben, geht es nun um die Verwendung der Studiengebühren. Als ein Beispiel unter vielen soll hier der Plan der Universität Würzburg aufgeführt werden.
Es werden Gesamteinnahmen von neun bis zehn Millionen Euro erwartet. Darin sind bereits Abzüge durch Befreiungen berücksichtigt. Von diesem „Kuchen“ wollen natürlich alle etwas abhaben.
Zunächst gehen 10 % an den umstrittenen Ausfallsicherungsfonds (Für weitere Informationen siehe „Studiengebühren – Eine Bestandsaufnahme“). 350.000 Euro verschlingt die Verwaltung der Studiengebühren. Der weitere Plan zur Aufteilung sieht vor, dass 65 % zu gleichen Teilen direkt an die Fakultäten gehen. Von den restlichen 35 % werden zunächst je 5 % an zentrale Einrichtungen wie Universitätsbibliothek, Zentrum für Sprachen- und Mediendidaktik, Rechenzentrum und Zentralverwaltung verteilt. Der Rest geht wieder an die Fakultäten, die sich mit „innovativen Ideen“ darum bewerben. Bei diesem Wettbewerb entscheidet dann eine Präsidialkommission über die endgültige Verteilung.
Die Kriterien zur Verteilung des Geldes an die einzelnen Fakultäten bleiben jedoch weiter ein Streitpunkt. Soll diese nach Studentenzahlen, nach Forschungsaktivität oder nach ganz anderen Maßstäben geschehen? Es wurde inzwischen sehr ungenau festgelegt, dass die Gelder nach Studentenzahlen (direkter Mittelzufluss), Lehrtätigkeit und Auslastung der jeweiligen Fakultät verteilt werden. Bei dieser Rechnung kommen allerdings sehr seltsame Ergebnisse heraus: Die Biologische Fakultät mit 1.400 Studenten und überfüllten Anfängerpraktika bekommt nur halb soviel aus dem Gebührentopf wie die Fakultät für Chemie und Pharmazie mit lediglich 800 Studenten.
Innerhalb der Fakultäten werden über die Verwendung der Einnahmen Kommissionen entscheiden, die paritätisch, also zur Hälfte mit Studenten der jeweiligen Fachschaften, besetzt sind. Die Gebühren müssen zweckgebunden zur Verbesserung der Lehre eingesetzt werden, so schreibt es das Hochschulgesetz vor. Die Studierendenvertretungen der einzelnen Fakultäten haben bereits Vorschlagslisten erarbeitet. Sie reichen von einer besseren Ausstattung der Bibliotheken, der Renovierung von Hörsälen über die Erweiterung von Laborräumen, der Anschaffung von Computern bis zur Anstellung von professionellen Studienberatern. Die Wünsche sind vielfältig. Was sich verwirklichen lässt, darüber werden die entsprechenden Kommissionen befinden müssen.
Ein Problem bleibt bis zuletzt die Einstellung von neuem Personal. Zunächst war die Rede davon, dass überhaupt kein Personal aus den Studiengebühren bezahlt werden darf. Schnell war aber klar, dass eine Verbesserung der Betreuung von Studierenden nur über mehr Lehrpersonal oder Tutoren, die Übungsgruppen leiten, zu erreichen ist. So dürfen mittlerweile befristete Verträge bis zu zwei Jahren aus Studiengebühren bezahlt werden. Gedacht ist hier an die Vergabe von Studentenjobs, um einen Teil der Studiengebühren an die Zahler zurückzugeben.
Die Hoffnung, aus deutschen Universitäten durch Studiengebühren Lehranstalten à la Harvard zu machen, dürfte aber weiterhin ein Traum bleiben. Alleine Harvard hat einen so hohen Etat wie alle deutschen Hochschulen zusammen. Die Arbeitsbedingungen an deutschen und amerikanischen Universitäten sind kaum vergleichbar. Während in Deutschland Massenabfertigung herrscht, sind in Amerika kleine Übungs- und Seminargruppen die Regel.
Allerdings läuft ein großer Teil der Finanzierung der amerikanischen Elite-Universitäten über das „Alumnisystem“. Ehemalige Studenten bezahlen nach dem Abschluss ihres Studiums teilweise hohe Summen an ihre ehemalige Hochschule, um Forschung und Lehre zu unterstützen. Ein solches System ist in Deutschland noch völlig unterentwickelt.
|