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Klimaschutz: Immer noch nicht Chefsache!


02.01.2007 (A. Bünnig) Kategorie: Welt

Bild: www.greenpeace.de

Die Weltgemeinschaft, genauer 189 Staaten, hatte 1992 beim Erdgipfel in Rio (Brasilien) beschlossen, dass die globale Erwärmung aufzuhalten sei. Sie vereinbarten, sich jedes Jahr zu treffen, um zu beratschlagen, wie dies zu schaffen wäre. 161 dieser Länder beschlossen dem Kyoto-Protokoll beizutreten. Sie verpflichteten sich dazu, bis 2012 ihren CO2-Ausstoß um 5 % im Vergleich zu 1990 zu senken.

Seit der Konferenz im letzten Jahr in Montreal geht es darum, ein Folgeabkommen für Kyoto zu schaffen. Nach dem Bekanntwerden verschiedener Studien ist dies dringender denn je. Alle Klimaforscher kommen in den letzten Wochen zu den gleichen Ergebnissen: Der Klimawandel vollzieht sich schneller als erwartet. Besonders erschreckend ist, dass trotz dieser Tatsache der Ausstoß von Emissionen immer noch steigt, wie das UN-Klimasekretariat kürzlich veröffentlichte.

Die Erkenntnisse sind dramatisch, denn wenn nicht in den nächsten 10 Jahren entschieden gehandelt wird, ist es zu spät, um die Erhöhung der Durchschnittstemperatur auf einem erträglichen Level zu halten. Wissenschaftler sagen, dass 2 Grad Celsius mehr noch vertretbar wären, aber auch dann sei das Klima auf der Erde schon einem starken Wandel unterzogen. Selbst heute mit 0,7 Grad Celsius erhöhter Temperatur im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, spielt das Wetter schon verrückt. Dürren, Überschwemmungen und schwere Stürme häufen sich. Gletscher schmelzen und das Eis in der Arktis verringert sich zunehmend.

In diesem Jahr trafen sich die Umweltminister in Nairobi, um weiter zu beraten. Doch wer glaubte, dass irgendwelche wichtigen Entscheidungen getroffen würden, war ein unverbesserlicher Optimist. Der Klimagipfel hatte nicht einmal das Mandat für bindende Beschlüsse. Im letzten Jahr hat die Versammlung von Montreal versäumt, einen Auftrag an die Nachfolge-Konferenz zu übermitteln. Somit konnte es nicht zu handfesten Ergebnissen kommen.

Hinzu kommt, dass die Vertreter jedes Landes versuchen, das Beste für sich selbst herauszuholen. Besonders die Altindustrienationen tun sich sehr schwer damit, Verantwortung zu übernehmen. Dabei sind sie hauptverantwortlich für den Ausstoß von Emissionen. Die USA gelten als Verschmutzer Nr. 1 und ein konsequenter Klimaschutz ist nur mit ihnen zu haben.

Am Horizont taucht aber schon das nächste Problem auf: China wird in Kürze die USA überholen und noch mehr CO2 in die Atmosphäre pusten. Mittlerweile ist klar, dass die Industriestaaten alleine nicht in der Lage sind, den Wandel aufzuhalten. Aufstrebende Entwicklungs- und Schwellenländer, wie China, Brasilien und Indien, müssen ihren Teil dazu beitragen. Allerdings ist auch Fakt, dass diese Staaten so gut wie nichts für die heutigen Probleme können.

Dies ist ein Knackpunkt der Gespräche, denn die neuen Wirtschaftsmächte befürchten, dass ihr Aufstieg gebremst wird, wenn sie sich verpflichten müssen, weniger Treibhausgase zu produzieren.

Zudem gibt es auch noch andere Themen. Die OPEC-Ländern (Erdölfördernde Staaten) wollen vollständig dafür entschädigt werden, falls sie durch einen konsequenten Klimaschutz weniger Einnahmen aus dem Ölgeschäft haben. Da bei der UNO das Einstimmigkeitsprinzip gilt, können sie Entscheidungen zu ihren Ungunsten stoppen.

Es ist also keine Einigung in Sicht – und der Ausstoß von Emissionen steigt ungehindert an. Dies betrifft vor allem Staaten, die gar nichts dafür können. Die afrikanischen Länder leiden unter Dürren und Fluten. Die Ozonschicht um die Antarktis bekommt immer mehr Löcher. Der Lebensraum von vielen Tierarten wird vernichtet.

Klimaforscher haben diese Probleme erkannt, doch solange es keinen wirksamen Schutz der Umwelt gibt und es keine Chefsache ist, wird sich nicht viel daran ändern. In Nairobi kam nur heraus, dass man die Umsetzung des Kyoto-Protokolls bis 2008 genau beobachtet, um auf dieser Grundlage neue Emissionsquoten für die Zeit nach 2012 festzulegen. Doch wenn Staaten weiterhin eher auf Egoismus als auf Gemeinschaftssinn setzen, wird die Erde bald unbewohnbar sein.



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