|
Die in Zukunft bevorstehende „Vergreisung der deutschen Gesellschaft“ wurde in den letzten Wochen und Monaten immer wieder in der Presse kommentiert. Meistens jedoch wurden solche Kommentare von einem pessimistischen und verzweifelten Unterton begleitet. Man sprach von Verlierern und weniger Chancen für Deutschland. Auch der Rückgang der Geburtenzahlen wird das Problem noch verschärfen. Denn weniger Kinder, heißt weniger Schüler und somit weniger Potential für Deutschland – international und national.
Doch eine von der Robert-Bosch-Stiftung beauftragte Studie der Prognos AG „Demographische Entwicklung und Bildungssystem – finanzielle Spielräume und Reformbedarf“ hat das Gegenteil bewiesen: Die Studie will zeigen, dass durch den Geburtenrückgang neue Möglichkeiten entstehen Deutschlands Bildung zu verbessern und fortan mehr auf Qualität als auf Quantität zu setzen.
Die Studie in Zahlen
Die Studie besagt, dass die Schülerzahlen bis 2020 im Vergleich zu 2005 um 17 % zurückgehen werden. Das sind zwei Millionen der 6 bis 18-jährigen die zukünftig an deutschen Schulen fehlen werden. Vor allem davon betroffen sind die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Würrtemberg. Hier werden die größten Einbrüche in absoluten Zahlen erwartet. Dennoch kann diesem starken Rückgang auch Gutes abgewonnen werden, schließlich entfallen die Kosten für die Bildung dieser fehlenden Schüler. So betrage das eingesparte Volumen dieser drei Bundesländer 2020 5,5 Milliarden Euro, die in die Reformierung des deutschen Systems investiert werden könnten. Deutschlandweit werden es 2020 11,5 Milliarden Euro sein, die gespart werden könnten. Für die Zeitspanne zwischen 2003, dem Ausgangsjahr, und 2020 sind es mit einkalkulierten Preis- und Lohnsteigerungen insgesamt mehr als 100 Milliarden Euro.
Offenbar gibt es aber Unterschiede, was die sinkende Schülerzahl zwischen den einzelnen Bundesländern betrifft. Im Vergleich zu Westdeutschland ist der prozentuale Rückgang der Schüler in Ostdeutschland deutlich höher. So beträgt der Rückgang der Zahlen in Mecklenburg-Vorpommern 34 %, in Brandenburg sogar 35 %. Das einzige Bundesland, das steigende Schülerzahlen zu erwarten hat, ist Hamburg, wenn auch nur um 3,2 % in den nächsten 14 Jahren.
Die Rückgänge an den verschiedenen Schultypen sind bundesweit ähnlich. So werden die Schülerzahlen der Haupt- und Realschulen nicht stark zurückgehen, im Gegensatz zu den Gymnasien. Nur bei den Sonder- und Berufsschulen wird ein leichter Anstieg zu erwarten sein.
Chancen nutzen – bloß wie?
Das eingesparte Geld anderweitig zu verwenden und damit Haushaltslöcher zu stopfen, wäre zwar verlockend, aber dennoch falsch, so die Studie. Stattdessen müsse das Geld wieder in die Bildung und in neue Reformen investiert werden. Denn wenn Deutschland nicht durch Quantität in der Zukunft überzeugen kann, dann durch Qualität. Vor allem nach den schlechten Ergebnissen der Pisa-Studie bemüht sich Deutschland um eine der vorderen Positionen im internationalen Ranking. Dies kann nur durch zielgerichtete und innovative Förderung gelingen.
Weiter deckt die Studie auf, dass es wichtig sei den Schwerpunkt zu verändern. So soll bedeutend mehr in „frühe“ Bildung investiert werden. Vorschulen und Grundschulen sollen statt der universitären Bildung in den Mittelpunkt gestellt werden. Denn durch eine gute „Grundbildung“ sind die Vorraussetzungen für erfolgreiches Lernen und Weiterbilden gelegt.
Weitere Forderungen sind die Einrichtung von mehr Ganztagsschulen, was die Diskrepanz zwischen sozialer Herkunft und Lernerfolg verringern würde. Außerdem argumentiert die Studie damit, dass weniger deutsche Bewerber auf dem Markt, die sich jedoch durch eine gute Ausbildung und ausreichende Qualifikationen behaupten können, eine positive Wechselwirkung auf die deutsche Wirtschaft hätten.
Fragt sich nur noch, ob die deutsche Politik diese Chance nutzen wird und bereit ist umzudenken.
|