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Saddams Tod und die Reaktionen der Welt


10.01.2007 (K. Lohmann) Kategorie: Welt

Bild: www.tagesschau.de

Saddam Hussein, der 24 Jahre den Irak gewaltsam regierte, starb am 30. Dezember 2006 um 6 Uhr Ortszeit durch den Strick. Seine Hinrichtung fand nach Angaben des Senders Al Arabia in einem Gebäude des Militärgeheimdienstes im Stadtteil Kadhimija statt. Das alles geschah zu Beginn des höchsten islamischen Fests, des Opferfests Eid Al Adha, das zur Versöhnung und nicht zur Rache gedacht ist.

Zum Todesurteil von Saddam Hussein gab es ein Berufungsverfahren, in welchem das Urteil in erster Instanz bestätigt wurde. US-Präsident George W. Bush begrüßte das Urteil des Berufungsgerichts in Bagdad. Er bezeichnete diese Entscheidung als „Meilenstein auf dem Weg zu einem demokratischen Irak“. Der Einfluss der US-Regierung ist auch stärker als bisher angenommen, auch wenn nicht Bushs Wunsch erfüllt wurde, die Hinrichtung auf den 15. Januar zu legen und sie so auf seinen Terminkalender abzustimmen. So wurde sechs Stunden vor der Hinrichtung, der Antrag der Verteidiger Saddam Husseins auf Verhinderung der Vollstreckung durch die amerikanische Regierung abgelehnt.

Aber ob der Tod Saddam Husseins wirklich mehr Ruhe und Demokratie in den zerrissenen Irak bringt, ist anzuzweifeln. Derzeit macht es eher den Anschein, als würden die Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten geschürt. Auf einem inoffiziellen Video ist zu sehen, dass Saddam Hussein (der der sunnitischen Linie innerhalb des Islams angehört) noch bis zuletzt beleidigt und verhöhnt wurde. So lobten die Wächter (die von der schiitischen Regierung mit der Hinrichtung beauftragt wurden) einen der radikalsten Milizenführer, Muktada Al Sadr, und einer rief ihm sogar zu: „Fahr zur Hölle!“ Viele Sunniten sehen dieses Verhalten als bewusste Provokation der schiitischen Regierung.

Auch der Zeitpunkt sei aus sunnitischer Sicht unangemessen gewesen. Es bleibt auch noch abzuwarten, ob die Baath-Partei – der der ehemalige Diktator angehörte – ihre Drohung wahr macht und Anschläge auf die Amerikaner verüben wird. Abgesehen davon, spürt man schon die Veränderung, die sein Tod mit sich bringt. Kurz nach der Hinrichtung tötete ein Autobombenanschlag in der südirakischen Stadt Kufa mindestens 30 Menschen. Mindestens 15 weitere Menschen starben, als in verschiedenen Vierteln Bagdads, mit mehrheitlich schiitischer Bevölkerung, nahezu zeitgleich ebenfalls drei Autobomben explodierten.

Der Niedergang Saddam Husseins ist von Anfang an als mediale Inszenierung zu bezeichnen. Der Sturz seiner Statue beim Einmarsch der US-Truppen in Bagdad, die Festnahme in einem Erdloch und eine ruppige Untersuchung danach. Als makaberer Höhepunkt wurde nun auch sein Tod ausgeschlachtet. Alles wurde von den Amerikanern medial aufbereitet und verbreitet. Aber dieses Mal könnte der Schuss nach hinten losgehen und Saddam Hussein schließlich, zumindest bei seinen sunnitischen Anhängern, als Märtyrer dastehen. Denn statt den Beweis des Todes eines grausamen Diktators zu liefern, haben die Bilder, zumindest in der westlichen Welt, vielleicht eher Mitleid hervorgerufen. So lautete bereits der Titel des amerikanischen „Time“-Magazine „Saddam, der Märtyrer“, verfasst wurde der Artikel vom ehemaligen CIA-Agent und Irak-Kenner Robert Baer.

Tatsache ist, dass durch die Hinrichtung des Diktators sowohl auf politischer Ebene als auch in den Medien Diskussionen über Ethik und Moral entfacht und ein internationales Echo in der Presse hervorgerufen. Die Westdeutsche Zeitung bezeichnet das Vorgehen als „gespenstische Inszenierung“, während die Berliner Zeitung feststellt, dass Saddam Hussein mit dieser medialen Inszenierung seines Todes das Recht auf Menschenwürde genommen worden sei „und dies offenbar wohlüberlegt“. Die französische „Liberation“ wirft die Frage auf „was für eine Zivilisation das ist, die im Morgengrauen in einem geheim gehaltenen Schuppen vor einer voyeuristischen Kamera eine Hinrichtung vollzieht“. Auch die Berliner Morgenpost entrüstet sich, es sei „eklig, was da gerade auf Millionen Computer-Bildschirmen und Handys passiert“.

Aber es ging nicht nur ein Aufschrei durch die Presselandschaft. Auch Politiker meldeten sich zu Wort. Die Bundesregierung ließ verlauten, dass sie das Urteil respektiere, aber die Todesstrafe generell ablehne. Der italienische Außenminister äußerte: „Als Italiener ebenso wie als Europäer sind wir gegen die Todesstrafe.“ Schließlich erklärte der finnische Ministerpräsident Matti Vanhanen, obwohl Saddam Hussein für schwere Verletzungen der Menschenrechte verantwortlich sei, rechtfertige das die Todesstrafe nicht.

Ganz entschieden vertrat der UN-Sonderbeauftragte für den Irak, Ashraf Qazi, seine Meinung gegen die Exekution: „Die Vereinten Nationen stellen sich klar gegen Straflosigkeit und verstehen den Wunsch vieler Iraker nach Gerechtigkeit. Aus Respekt vor dem Recht auf Leben jedoch lehnen die Vereinten Nationen die Todesstrafe weiterhin ab, auch bei Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord.“

Saddam Hussein, der bei der Vollstreckung wie ein gebrochener Mann gewirkt haben soll, wurde am 31. Dezember 2006 auf demselben Friedhof wie seine beiden Söhne in seiner Heimatstadt Udscha beigesetzt. Damit wurde dem islamischen Brauch gefolgt, Verstorbene maximal 24 Stunden nach ihrem Tod beizusetzen. Zunächst war angedacht, ein geheimes Grab zu wählen, um so die Verehrung durch Pilger zu vermeiden.



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