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Studiengebühren sind trotz vieler Bedenken und einer breiten gesellschaftlichen Debatte bereits in sieben Bundesländern beschlossen worden. Verschieden viel und verschieden lang muss gezahlt werden. Gleich ist meist jedoch der Ärger der Studenten über das Ende des gebührenfreien Studiums.
An circa 30 Universitäten in Deutschland haben sich nun die Studierenden in ihren Hauptversammlungen für einen Boykott der Gebühren ausgesprochen. Nach vielen gescheiterten Protesten gegen Studiengebühren ist der Boykott neben Sammelklagen – so scheint es – ein letztes Aufbäumen gegen ein kostenpflichtiges Studium.
Durch „Nicht-Zahlung“ bei der Rückmeldung will man die Studiengebühren unterlaufen. Stattdessen soll das Geld, meist 500 €, auf ein Treuhandkonto überwiesen werden. Nehmen genügend Studenten an dem Boykott teil (z.B. an den Universitäten Freiburg, Bochum, Braunschweig und Dortmund gilt ein Quorum von 25-%iger Teilnahme, in Freiburg entspräche das etwa 5500 Studenten) wird mit den Verantwortlichen an den Universitäten verhandelt.
Eine hohe Beteiligung ist als Druckmittel notwendig, so die Studentenvertreter, um eine Exmatrikulation der Nicht-Zahler zu verhindern. Denn welche Universität verliert schon gerne mindestens 25 % ihrer Studenten angesichts von Bildungsmisere und Pisastudien? Die öffentliche Aufmerksamkeit wäre gewiss. Würde das gelingen, wäre damit ein Ziel erreicht: Die Studenten könnten studieren, ohne Gebühren in Höhe von 500 Euro und mehr pro Semester zu zahlen. Für die folgenden Semester erhofft man sich einen Schneeballeffekt. Der Boykott hätte Erfolg, theoretisch.
Warum aber greifen die Studenten zu so drastischen Maßnahmen und gehen ein derart hohes Risiko ein?
Zwei Gründe sind ausschlaggebend: Zum einen der grundsätzliche Vorbehalt gegenüber der privaten Finanzierung von Bildung und zum anderen gibt es vor allem großen Unmut der Studenten über die Art und Weise, wie das Thema Studiengebühren von den jeweiligen Landesregierungen umgesetzt wird.
Denn was ursprünglich zur Verbesserung der Hochschulausbildung gedacht war und in öffentlichen Debatten auch so publiziert wurde, sieht in der Realität so aus: Nur etwa die Hälfte des an die Länder überwiesenen Geldes kommt nach Schätzungen der Studentenvertreter zu den Universitäten zurück. Der Rest, so die Befürchtung, versickert in der Verwaltung. So streicht z.B. die Landesregierung Baden-Württemberg zum Sommersemester 2007 teilweise Gelder für die Hochschulen, die nun von den Studiengebühren mitfinanziert werden müssen.
Für die Studierenden ist das ein erstes sichtbares Zeichen für die eigentliche Motivation Studiengebühren einzuführen. Nämlich, sich als Landesregierung Stück für Stück aus der Hochschulfinanzierung zurückzuziehen. Auch kritisiert wird die finanzielle Belastung der Studenten, zumal die Zinsen der dafür vorgesehen Darlehen bei zurzeit 6-7 % liegen.
Ein weiterer Kritikpunkt: Die Studenten haben an einigen Hochschulen zu wenig Mitspracherecht bei der Verwendung der Gelder. Selbst der bloße Einblick in die Mittelverwendung hängt beispielsweise an der Universität Freiburg am guten Willen des Direktors. Dabei, so das Argument der Studentenvertretungen, wissen die Betroffenen doch sehr genau, wo die Mängel bei Forschung und Lehre am Größten sind und könnten somit erheblich zum effektiven Einsatz der Studiengebühren beitragen.
Der Vorsatz, dass die Studiengebühren ausschließlich für die Verbesserung der Lehre verwendet werden sollen, scheint auch angesichts steigender Studentenzahlen reine Utopie zu sein. Bestenfalls wird der Erhalt des Staus quo erwartet. Was aber passiert in fünf Jahren, wenn die letzten geburtsstarken Jahrgänge an die Universitäten kommen und gleichzeitig immer weniger Geld aus öffentlichen Kassen an die Universitäten fließt? Befürchtet wird ein weiteres Anheben der Studiengebühren, Schritt für Schritt.
Die Folge wäre – wie teilweise bereits vorhanden – die Abhängigkeit des Bildungsgrades vom Portemonnaie der Eltern oder eine massive Schuldenlast am Ende des eventuell erfolgreichen Studiums. Ob man so das „Kapital“ Deutschlands, nämlich die breite und gute Bildung der Menschen – deren Ideen und Innovationen – fördert, bleibt fraglich.
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