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Können Maschinen denken? Mit dieser Frage beschäftigte sich bereits in den 50er Jahren der Wissenschaftler Alan Turing. In Anlehnung an eine Art Partyspiel, entwickelte er das so genannte Imitationsspiel.
Das Spiel funktioniert so: Benötigt werden mindestens drei Personen, ein „Interviewer“ auf der einen Seite – einen Mann sowie eine Frau auf der anderen Seite. Interviewer und Mann-und-Frau sollten räumlich getrennt werden. Zunächst wird ein Geschlecht festgelegt, welches der Mann als auch die Frau in ihren Antworten darstellen sollen. Der Interviewer stellt nun Fragen, die sowohl der Mann als auch die Frau etwa als weibliches Geschlecht schriftlich beantworten sollen. Ziel des Spiels ist es, dass der Fragensteller am Ende die echte Frau benennen kann.
Der Interviewer kann dazu alle erdenklichen Fragen stellen, von denen er glaubt, Aufschluss auf das Geschlecht zu bekommen. Beispielsweise: „Wie lang sind deine Haare?“ Die Frau sollte möglichst ehrliche Antworten geben. Sie könnte also sagen: „Ungefähr 20 Zentimeter.“
Der Mann, der vortäuschen soll eine Frau zu sein, wird jedoch nicht wahrheitsgemäß „5 cm“ antworten, sondern um den Klischees zu entsprechen ebenfalls antworten lange Haare zu haben. Durch geschicktes Nachfragen soll es dem Interviewer jedoch trotzdem gelingen, den Blender zu entlarven.
Bei der Abwandlung des Spiels geht es darum, herauszufinden, wer der Mensch ist. Also gibt es einen Interviewer, einen Menschen und eine Maschine.
Der Turing-Test
Turing schlug vor, diesen Test auch auf Computer anzuwenden. Über einen Telegrafen sollte sich eine Person sowohl mit einem Menschen als auch mit einer Maschine unterhalten. Kann die Testperson am Ende der beiden Unterhaltungen nicht unterscheiden, welcher Gesprächspartner menschlich war, so sei die Maschine intelligent.
Fakt ist, dass bis zum heutigen Zeitpunkt noch keine einzige Maschine den Turing-Test, wie er genannt wird, bestanden hat. Dabei lief die Entwicklung denkender Maschinen zunächst recht gut an.
Den Wissenschaftlern Alan Newell und Herbert Simon gelang es, gewisse Denkmuster zu entdecken, denen Menschen bei der Lösung von Problemen folgen zu scheinen. Sie waren sich ihrer Sache, eine intelligente Maschine zu entwickeln, so sicher, dass sie 1957 prophezeiten, innerhalb der nächsten 10 Jahren eine Maschine entwickelt zu haben, die einen amtierenden Schachweltmeister schlagen könne.
Dies gelang, mit 30-jähriger Verspätung, dem von IBM entwickelten System „Depp Blue“. Das Projekt, das die Problemlösungsprozesse simulieren sollte, wurde allerdings nach 10 Jahren eingestellt und als gescheitert eingestuft.
Aber die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) kann trotzdem, neben dem Sieg über den Schachweltmeister, einige weitere Erfolge aufweisen. Besonders die „schwache KI“, die nur intelligente Denkstrukturen nachbilden möchte, hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Viele Erkenntnisse der schwachen KI flossen in Bereiche der Psychologie, Linguistik, Neurologie und Mathematik mit ein. Die starke KI hingegen, welche die gesamte menschliche Intelligenz samt Bewusstsein und Kreativität nachbilden möchte, machte jedoch nur spärliche Fortschritte.
Nur beim Bestehen des Turing-Tests hapert es noch. Deswegen wurde jetzt ein eingeschränkter Turing-Test entwickelt. Im Rahmen der Verleihung des „Loebner-Preises“, gewinnt das Programm, das eine menschliche Unterhaltung am ehesten simulieren kann (Bronze).
Beim „Loebner-Preis“ selbst handelt es sich ursprünglich um einen von Hugh Gene Loebner 1991 erstmals ausgeschriebenen Preis. Mit ihm sollte das Computerprogramm ausgezeichnet werden, was den starken Turing-Test besteht. Es gibt drei Preiskategorien. Die Goldmedaille mit einem Preisgeld von 100.000 US-Dollar geht an denjenigen mit dem Programm, das den totalen (audiovisuellen) Turing-Test besteht. Silber geht mit 25.000 US-Dollar an das Programm, was den schriftlichen Turing-Test besteht. Die Ehre der Bronzemedaille wird dem Programm zuteil, das sich als am menschenähnlichsten zeigt. Die Prämie beträgt immerhin noch 2.000 US-Dollar.
Ist unsere Sprache zu komplex, um sie nachzuahmen?
Wenn man genauer über die menschliche Kommunikation nachdenkt, fällt einem erst auf, was für eine schwere Prüfung Alan Turing den Maschinen auferlegt hat. Ganz abgesehen von dem ohnehin schon riesigen Wortschatz der Menschen, werden die Wörter je nach Umstand, Situation und Gefühl auch noch ganz unterschiedlich eingesetzt. Man denke allein an Ironie, humorvolle Darstellungen oder einfach an Redewendungen sowie Teekesselchen, die vielen Wörter, die zwei Bedeutungen haben oder im Kontext eine ganz andere bekommen.
Wenn zum Beispiel auf die Frage, was macht Klaus „Klaus sitzt“ geantwortet wird, kann dies zum einen bedeuten, dass er irgendwie auf einer Bank herumsitzt. Es könnte aber auch heißen, dass er im Gefängnis sitzt.
Zusätzlich erschwert wird eine Unterhaltung durch die versteckten Botschaften und Intentionen. Der Satz „Mir ist kalt“ ist nicht unbedingt einfach eine Mitteilung. Er kann auch bedeuten, „Mach das Fenster zu.“ Aber woher soll ein Computer das wissen? Kann man so etwas Einprogrammieren wie Mathematikergebnisse? Und woher soll eine Maschine überhaupt wissen, was kalt ist, wenn sie nicht Kälte empfinden kann? Die Frage sollte daher vielleicht eher lauten: Kann man denken, wenn man nicht fühlen kann?
Die ersten Versuche
Trotzdem wurde seit Ende der 50er Jahre an einem Programm gearbeitet, dass Unterhaltungen simulieren sollte. Da man damals noch davon ausging, bestimmte Denkmuster verfolgen zu können, müsste auch die Sprache Mustern unterliegen. Das 1966 von Joseph Weizenbaum entwickelte Programm ELIZA, erschien den Menschen kurzzeitig auch menschlich. Es arbeitete nach dem System Äußerungen in Fragen umzuformulieren. Wird also behauptet: „Heute ist ein schöner Tag“, antwortet ELIZA: „Warum sagen Sie, heute ist ein schöner Tag?“ Außerdem kann das Computerprogramm bestimmte Schlüsselwörter erkennen. Wird im Gespräch etwa die Mutter erwähnt, folgt die Aufforderung mehr über die Familie zu erzählen.
Bekannt wurde das Programm durch die Simulation eines Psychotherapeuten. Der Programmierer selbst war jedoch erschüttert, dass einige Patienten aufgrund dieses einfachen Verfahrens tatsächlich geglaubt hatten, mit einem verständnisvollen Menschen geredet zu haben. Fast alle Nachfolger arbeiten immer noch nach diesem Wiederholungs- und Schlüsselwortprinzip. Trotzdem ist es nahezu unmöglich, eine authentische Unterhaltung zu simulieren.
Die neuen Ansätze
Ein neues Programm namens Jabberwacky, das am eingeschränkten Turing Test teilgenommen hat, bedient sich daher eines Tricks: Es speichert einfach alle Unterhaltungen, die je mit ihm geführt worden sind. Bestimmte Schlüsselwörter werden dann erkannt und im Speicher eine Antwortmöglichkeit herausgesucht. Der Theorie nach müssen einfach genügend Menschen mit dem Programm gechattet haben, bis es irgendwann nur noch passende Antworten geben kann.
Aber ist das die Lösung? Nein, es gibt einfach zu viele Kombinationsmöglichkeiten in Unterhaltungen, als das man sie abspeichern könnte. Außerdem verändern sich die äußerlichen Bedingungen ständig, neue Informationen kommen hinzu, anderes veraltet. Wenn einmal auf die Frage, wie das Wetter sei geantwortet wurde „Die Sonne scheint“, muss dies drei Monate später nicht mehr stimmen.
Ebenfalls problematisch ist, dass schlichtweg alle Antworten ohne Filter gespeichert werden. Leider haben jedoch nicht alle Menschen immer die besten Absichten. So muss man darauf gefasst sein, auf die schlichte Frage „Wie alt bist du?“, die Antwort „Ich hau dich gleich zu Brei, du Missgeburt“ zu bekommen.
Aufgrund der Komplexität der Sprache ist jedoch auch weiterhin nicht zu erwarten, dass der Turing-Test in den nächsten Jahren bestanden wird. Aber wer weiß schon, ob denkende Maschinen wirklich so gut für die Menschheit wären?
Wenn Sie sich selbst ein Bild des Entwicklungsstandes der derzeitigen Programme machen wollen, probieren Sie doch einfach selbst einmal aus, ob sie den Unterschied merken würden: Wenn Sie sich selbst ein Bild des Entwicklungsstandes der derzeitigen Programme machen wollen, probieren Sie doch einfach selbst einmal aus, ob sie den Unterschied merken würden: ELIZA, das erste Programm finden Sie unter www.techdose.com, A.L.I.C.E. finden Sie auf www.pandorabots.com und Jabberwacky unter folgendem Link: www.jabberwacky.com. Die Programme können meist mehrer Sprachen. Spricht man sie also z.B. auf Deutsch an wird man auch eine
Antwort auf deutsch bekommen.
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