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Enthaltsam im Namen Gottes


26.01.2007 (K. Lohmann) Kategorie: Welt

Bild: www.artlandya.com

Es erweckt den Anschein einer großen Party: laute Musik, Clubatmosphäre, Musikvideos, Sketch-Comedy und die Verpflichtung zur Enthaltsamkeit. Dies ist der wahre Grund der Veranstaltung. Regelmäßig kommen Eltern mit ihren minderjährigen Kindern im Alter von 12 bis 14 Jahren auf solche Events und diese sollen sich dann feierlich verpflichten bis zur Schließung ihrer potentiellen Ehe keusch zu leben.

Den gerade ins Teenageralter gekommenen Jugendlichen wird das Gefühl vermittelt, sie täten etwas Großes und Ehrenhaftes. Als Zeichen ihrer Zugehörigkeit erhalten sie dann einen silbernen Ring mit einem falsch übersetzten eingravierten biblischen Zitat, welches vorschreibt, jegliche sexuelle Sünde zu unterlassen. In der deutschen Einheitsübersetzung aber heißt es, dass man lernen soll, mit seiner Frau in heiliger und achtungsvoller Weise umzugehen. Dieser Ring wird stets am Mittelfinger der linken Hand getragen.

Diese „Silver Ring Thing“-Vereinigung (SRT-Vereinigung) wurde 1995 vom evangelischen Jugendminister von Yuma, Arizona Denny Pattyn ins Leben gerufen, weil dieser seiner Empörung über schädliche Besessenheit, die er als Nebenprodukt der sexuellen Freizügigkeit seit der sexuellen Revolution sah, entgegenwirken wollte. Um die enorme Verwendung von Steuergeldern (allein 700.000 US-Dollar durch die Bush-Regierung) zu rechtfertigen, stellte die Leitung klar, dass die mit Bundesdollar finanzierten Projekte sowohl fromme als auch weltliche seien. Seit kurzem befindet sich eine Werbeanzeige auf der Homepage der SRT-Vereinigung, die hervorhebt, dass auch ein „weltliches Programm in der Entwicklung“ sei.

Ihre vermeintliche Überzeugungskraft gewinnt die SRT-Vereinigung durch Propagandamethoden. Sie stellen immer wieder das hohe Risiko und die Schädlichkeit von Sex in den Vordergrund. So sind die Argumente sehr vielfältig. Es wird darauf hingewiesen, dass alle Amerikaner die Kosten zu tragen haben, für Ausgaben, die durch sexuell übertragene Krankheiten entstehen oder auch Abtreibung. Die Funktionäre heben ebenso hervor, dass die Hälfte aller Mütter, die von Sozialhilfe leben, noch jugendlich war, als sie ihr erstes Kind bekommen hat. Weiter verbreitet die SRT-Vereinigung auch die Aussage, dass alle erdenklichen Krankheiten durch den vermeintlich sicheren Oralverkehr übertragen werden können. So werden beispielsweise Erkrankungen wie Syphilis oder HPV (z. B. Genitalwarzen) auch durch Handlungen wie Küssen oder aus dem gleichen Glas trinken übertragen, so dass man um eine absolute Sicherheit nur durch Unterlassung aller möglichen Alltagshandlungen denkbar wäre. Außerdem wird sowohl Hepatitis A als auch Hepatitis B angeführt. Hierzu ist zu sagen, dass Hepatitis A durch verunreinigtes Wasser übertragen wird, also beispielsweise mit dem Verzehr von Muscheln und Hepatitis B wird ausschließlich über das Blut übertragen.

Zu dem Vorgehen des SRT ist jedoch zu sagen, dass hierdurch eine frühere Heirat forciert wird. Denn sowohl ein Verstoß gegen das Gelübde als auch der Austritt aus der Gemeinschaft, der durch das Abnehmen des Ringes sofort sichtbar wäre, hätte eine soziale Ächtung zur Folge. Somit bleibt den Jugendlichen nur die frühe Heirat. Gleichzeitig ist zu sehen, dass die Scheidungsrate in den USA in den vergangenen Jahren sehr stark angestiegen ist, sich mittlerweile 60 % aller Ehepaare wieder scheiden lassen und die USA damit weltweit die höchste Scheidungsquote haben.

Die Frage, die sich hier stellt, ist immer noch: Was ist der Antrieb? Gesundheit, Religion oder Profit? Die Verantwortlichen zitieren zweifelsfrei sehr viele Gesundheitsstatistiken und verdeutlichen Kostenpunkte, die das Gesundheitssystem und damit der Steuerzahler zu begleichen habe. Zudem wird immer und immer wieder Bezug auf Jesus und die Bibel genommen. So wird die Nacht des Beitritts als Nacht, in der man mit Gott Frieden schließt, bezeichnet. Die Jugendlichen werden aufgefordert, Gott zu bitten, einem alles bisher Getane zu vergeben.

Vielleicht lässt sich aber auch der Profit als Primärziel bezeichnen, denn durch die hohen Werbeeinnahmen und die sichere Unterstützung durch Präsident Bush wird es der Vereinigung zumindest mittelfristig sehr gut gehen.

Es ist also fragwürdig, ob es legitim ist, Jugendliche dazu zu bewegen, sich zu etwas zu verpflichten, was sie in dem Alter noch nicht überblicken können. Es besteht die Gefahr, ihnen auf diese Weise die Selbstfindungsphase und Jugend zu nehmen oder zu verzögern.



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