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Deutschland vergibt Stipendien an begabte und engagierte Schüler mit Migrationshintergrund. „START“ nennt sich das Stipendiumsprogramm, das durch seine ideelle und materielle Förderung junge und motivierte Zuwanderer bei einer erfolgreichen Integration unterstützen will. Entstanden ist „START“ 2001 durch die gemeinnützige Hertie-Stiftung.
Das Konzept hinter „START“
Die Idee ist, dass Schüler ausländischer Herkunft unterstützt werden. Durch dieses Stipendium sollen sich die Stipendiaten weiterhin um gute Noten und einen anerkannten Platz in der Gesellschaft bemühen. „START“ soll sie dabei unterstützen und als Anerkennung ihrer geleisteten Arbeit dienen, trotz einer problematischen gegenwärtigen Situation oder einer schwierigen Vergangenheit.
So sind viele Stipendiaten erst seit einigen Jahren in Deutschland und müssen sich mit den Hürden der deutschen Sprache auseinandersetzen, andere sind aus ihrem vom Krieg zerstörten Heimatland geflohen und mussten sich hier eine völlig neue Existenz aufbauen. Trotz dieser Probleme fehlt es ihnen nicht an Ehrgeiz und Motivation. Neben guten bis sehr guten schulischen Leistungen, sind viele außerdem sozial engagiert. Beispielsweise arbeiten sie ehrenamtlich im städtischen Jugendzentrum oder geben Nachhilfe, sind in der SV ihrer Schule tätig oder helfen bei der freiwilligen Feuerwehr.
Genau solche Schüler sucht und unterstützt „START“. Das Ziel ist das Abitur. Jeder Stipendiat soll die Schule mit einem guten Abitur verlassen und durch die zusätzliche Förderung auf seine Zukunft in Deutschland vorbereitet sein. Die gemeinnützige Hertie-Stiftung will mit diesem Projekt „Zuwandererkarrieren in Deutschland den Weg bereiten“, so heißt es auf der Webseite von START.
Förderung und Forderung
Die Förderung, die das Stipendium bietet, besteht aus zwei Teilen, dem finanziellen und dem ideellen. Jeder Stipendiat erhält monatlich 100 Euro Bildungsgeld, als auch eine technische Grundausrüstung, die aus einem Laptop, einem Internetanschluss und einem Drucker besteht. Von dem Bildungsgeld können Studienfahrten, Schulmaterial wie Schreibwaren und Bücher sowie Bildungsausflüge finanziert werden, was die Stipendiaten finanziell entlastet. Außerdem besteht die Möglichkeit, einmalig eine Summe von 500 Euro für Projekte zu beantragen, bei denen größere Kosten entstehen. So kann beispielsweise eine Sprachreise oder Nachhilfe davon bezahlt werden.
Der ideelle Teil besteht aus Bildungsseminaren, die jedes halbe Jahr stattfinden. Es werden unterschiedliche Kurse angeboten. Inhalte wie Rhetorik, Knigge, kreatives Schreiben stehen auf dem Programm, genauso wie Kunst, richtiges Bewerben oder Europa – Einheit in Vielfalt. Die Seminare sollen Unsicherheiten lösen, genauso wie eine förderliche Grundlage für die Zukunft sein, schließlich hat nicht jeder Schüler die Chance auf solche Seminare. Die Stipendiaten können in kleinen Gruppen viel von den professionellen Trainern lernen und das angeeignete Wissen im Alltag anwenden, als es auch in ihr späteres Leben mitzunehmen. Die Bildungsseminare sind jedes Mal für alle ein Erlebnis, denn vielen macht das Lernen in einer so entspannten und kollegialen Atmosphäre viel Spaß. Und manch einer hat ein bisher verborgenes Talent entdeckt, sei es als Redner oder als Autor.
Neben den Seminaren findet einmal im Jahr das Jahrestreffen aller Stipendiaten statt. Hier treffen sich alle Stipendiaten aus ganz Deutschland in einer Stadt, wobei diese jährlich wechselt, und verbringen mit verschiedenen Aktivitäten ein gemeinsames Wochenende. Letztes Jahr fand das Treffen in Kassel statt: zwei Tage, 390 Stipendiaten und eine Menge zu erzählen. Schließlich trifft man sich bloß einmal im Jahr.
Aber „START“ fördert nicht nur, sondern fordert auch: Jeder Stipendiat muss nach jedem Schulhalbjahr einen „Halbjahresbericht“ verfassen, als auch sein letztes Zeugnis abgeben, in dem er seine persönliche Entwicklung festhält. Außerdem muss halbjährlich ein schriftlicher Nachweis über die Ausgaben des Bildungsgeldes erfolgen. Weiterhin muss der Kontakt zu der Stiftung erfolgen, heißt täglich E-Mails abrufen und bei „START“-internen Veranstaltungen mitwirken, was aber allen Stipendiaten leicht fällt, da es nicht als Pflicht empfunden wird.
Wenn die Kriterien erfüllt werden, begleitet das „START“-Stipendium die Stipendiaten bis zum Abitur und sogar darüber hinaus. Nach dem Abitur entfallen zwar die ideelle und materielle Förderung, dennoch werden die Abiturienten im Alumni-Verein von der Stiftung betreut und können Kontakte zu anderen Stiftungen und Studienförderwerken knüpfen, Praktikumsplätze finden und vieles mehr.
Entwicklung und Zukunft
In den letzten sechs Jahren ist die Zahl der Stipendiaten immens gewachsen und das wird sie vermutlich auch weiterhin. Angefangen hat es 2001 mit 40 Stipendiaten, die von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung unterstützt wurden. Mittlerweile sind 390 Stipendiaten im Programm. Für das neue Jahr wünscht sich Dr. Önen, Projektleiter von „START“, dass durch das Projekt 450 Stipendiaten in ganz Deutschland unterstützt werden können. Sein Wunsch wird wahrscheinlich in Erfüllung gehen, da zu der Hertie-Stiftung weitere Stifter dazu gekommen sind. So wird das Stipendiumsprogramm von Privatpersonen, Städten, Landkreisen, privaten Stiftungen und Unternehmen getragen.
Das ursprünglich nur in Hessen existierende Programm, gibt es bereits in 14 Bundesländen. Das Konzept von „START“ weckt aber nicht nur deutschlandweit Interesse, auch aus den USA und einigen Nachbarländern Deutschlands gibt es Nachfragen. Vielleicht wird „START“ bereits in einigen Jahren Deutschlands Exportschlager in Sachen Bildung und Integration. Wünschenswert wäre es.
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