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Studiengebühren im internationalen Vergleich - Teil 1


06.02.2007 (A. Bünnig) Kategorie: Politik

Bild: www.hpc.wur.nl

Das Thema Studiengebühren ist mittlerweile zu einem wahren Dauerbrenner in den Medien geworden. In einer zweiteiligen Serie wollen wir uns dem „Blick über den Tellerrand“ widmen und beleuchten, wie die Regelungen in anderen Staaten aussehen. Im ersten Teil geht es um die Vereinigten Staaten, die für viele das Mutterland horrender Gebühren sind. Der zweite Teil wird sich mit einer Auswahl europäischer Staaten beschäftigen.

In vielen Teilen Deutschlands wurden bereits Studiengebühren eingeführt oder aber sie werden im nächsten Sommersemester eingeführt. Als Beispiel werden immer wieder die USA angeführt, deren Universitäten teilweise sehr hohe Gebühren erheben. Es stellt sich jedoch die Frage nach dem Sinn solcher Vergleiche, denn in verschiedenen Ländern sind die gegebenen Situationen nun einmal unterschiedlich. Neben den USA sollen auch einige europäische Staaten zur Betrachtung dienen.

Vereinigte Staaten von Amerika

Vorweg kann gesagt werden, dass Studiengebühren in Europa sehr viel geringer sind als in den Vereinigten Staaten. Im Jahr 2004 betrugen die Studiengebühren für die Elite-Universität Harvard 26.600 Dollar (etwa 20.000 Euro). Zuzüglich Unterhaltskosten waren es sogar annähernd 40.000 Dollar. 500 Euro pro Semester sehen neben solchen Summen geradezu lächerlich aus und scheinen keinen Grund zur Aufregung zu bieten.

Doch ist es auch eine Tatsache, dass jeder zweite Harvard-Student ein Stipendium von über 24.000 Euro pro Jahr bekommt. Beinahe zwei Drittel aller Studenten erhalten in irgendeiner Form Unterstützung, sei es durch Stipendien oder Bildungskredite. Die Unterstützung des Nachwuchses lässt sich die Universität jährlich 110 Millionen Dollar kosten. Zusätzlich zu diesen internen Stipendien, kann sich ein Student noch um eine Vielzahl an Krediten aus der Wirtschaft, von kirchlichen Verbänden oder von Vereinen bewerben.

Trotzdem ist es so, dass kaum ein Student eine solche Elitenschmiede schuldenfrei verlässt. Im Schnitt haben sie am Ende ihres Studiums 20.000 Dollar Schulden. Doch warum begibt man sich in eine solche Schuldenfalle? Ganz einfach: Der Name Harvard im Lebenslauf garantiert gut bezahlte Jobs, die es ermöglichen die Schulden abzubezahlen. Aber das viele Geld, das man bezahlen muss, garantiert auch eine gute Betreuung im Studium. Die Beratungsangebote sind umfangreicher und als Student wird man nicht „alleine“ gelassen. Auch ist die Ausstattung der Universitäten sehr viel besser als hier. Massenveranstaltungen wie hierzulande kennt man dort nicht. Der Standard sind Kleingruppen-Seminare, in denen jeder Student einen Sitzplatz hat. Auch sind Labore, Bibliotheken und Computerarbeitsplätze zum einen reichlich vorhanden, zum anderen besser ausgestattet als es an den meisten deutschen Universitäten der Fall ist.

Ein Vergleich mit den USA hinkt also für deutsche Verhältnisse. Zum einen bestehen hierzulande kaum Fördermöglichkeiten. Die Studienstiftung oder politische und christliche Stiftungen vergeben Stipendien, allerdings nicht in einer Größenordnung, die der Förderung in den USA nur nahe kommt. Zum anderen haben wir keine Universität die auch nur annähernd einen Ruf wie Harvard genießt. Vielleicht wird sich das mit dem Elite-Projekt der Bundesregierung in Zukunft noch ändern, aber momentan sehen die Fakten noch anders aus.

Studienkredite

Ein weiterer Aspekt sind Studienkredite. In den Vereinigten Staaten können Studenten Kredite erhalten, die nicht nur die Gebühren sondern auch die Lebenshaltungskosten abdecken. Diese sind sozial abgesichert, so dass Studenten aus einkommensschwachen Haushalten etwa keine Zinsen bezahlen müssen. Nachlässe gibt es auch für soziales Engagement, wie Nachhilfeunterricht für schwache Schüler. Nach Beendigung des Studiums wird mit der Rückzahlung begonnen. Der Staat übernimmt gegenüber der Bank das Ausfallrisiko.

Auch in Deutschland hat die Entscheidung über Studiengebühren das Nachdenken über solche Kredite beschleunigt. So gibt es etwa das Studienbeitragsdarlehen, das die Landesbanken stellen. Sie übernehmen die gesamten Studiengebühren, ohne Bonitätsprüfung und ohne dass der Student Sicherheiten vorweisen muss. Die Höchstlaufzeit beträgt Regelstudienzeit plus vier Semester. Für Masterstudierende gilt Regelstudienzeit plus zwei Semester. Zwei Jahre nach Beendigung des Studiums wird mit der Rückzahlung begonnen, wenn der Berufseinsteiger über ein gewisses Mindesteinkommen (hier gelten die gleichen Regelungen, wie für die BAföG-Rückzahlung: Wer weniger als 960 Euro pro Monat verdient, kann beantragen, dass er für jeweils ein Jahr von der Rückzahlung freigestellt wird) verfügt. Spätestens elf Jahre nach dem Universitäts-Besuch muss mit der Abstotterung begonnen werden.



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