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Die neuen Elite-Universitäten


07.02.2007 (J. Rohrbach) Kategorie: Wissenschaft

Bild: www.zdf.de

Im Jahr 2006 wurden im Rahmen der Exzellenzinitiative der Bundesregierung drei süddeutsche Universitäten zur Elite gewählt. Diese sind die Technische Hochschule Karlsruhe, sowie beide Münchner Universitäten: die Ludwig-Maximilian-Universität und die Technische Universität München.

Die Exzellenzinitiative sieht drei Förderungslinien vor: Spitzenforschungszentren, Graduiertenschulen und Spitzenuniversitäten. Bis 2011 sollen insgesamt 1,9 Milliarden Euro zur Förderung eingesetzt werden. Die Universitäten erhalten von Bund und Ländern jeweils mehr als 100 Millionen Euro an Fördergeldern für den Ausbau ihrer Forschung. Gewählt werden diese von der Kommission des Wissenschaftsrates und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

In den folgenden Runden des Wettbewerbs haben noch insgesamt sieben weitere Universitäten die Chance zur Spitzenuniversität gewählt zu werden. Der Präsident der DFG Ernst-Ludwig Winnacker sieht in der zweiten Runde des Elite-Wettbewerbs gute Chancen für die Technische Hochschule in Aachen (RWTH) sowie die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Doch bevor diese Entscheidung im Oktober 2007 getroffen werden soll, scheint es nötig zu sein, dass sich die Wissenschaftsminister und die Wissenschaftler der DFG noch einmal zusammensetzen, um intensiv über das Auswahlverfahren zu diskutieren, welches im letzten Jahr erhebliche Kritik erntete.

Nach diesem kann eine Hochschule nur den Elitestatus erhalten, wenn sie in einem anderen Wettbewerb der Exzellenzinitiative mindestens ein Forschungscluster und eine Graduiertenschule gewinnt. Genau dies war jedoch bei zwei der drei gewählten Universitäten nicht einwandfrei vorhanden. Während der Universität Karlsruhe zuerst noch das Cluster fehlte, hatte die TU München sogar beides nicht.

Es gab Vorwürfe, dass Wissenschaftler, die die Anträge bewerten sollten, nach ihren Wünschen mittelmäßige Anträge auf- und andere abgewertet hätten und dabei vor allem süddeutsche Universitäten bevorzugt hätten, was Ernst-Ludwig Winnacker scharf zurück wies. Es seien einfach nicht mehr gute Anträge da gewesen, die man dem Wissenschaftsministerium hätte vorlegen können.

Der Wissenschaftsminister Schleswig-Holsteins, Dietrich Austermann (CDU), kritisierte mit Blick auf das schlechte Abschneiden nord- und ostdeutscher Universitäten, dass das Entscheidungsverfahren zu kurzfristig geändert worden sei. Die Wissenschaftler hatten den Politikern in der Schlussabstimmung überraschend eine Mitsprache in Zweifelsfällen verweigert, weshalb diese keinen Einfluss mehr auf den Ausgang hatten. Sie hätten das Ergebnis nur noch „abnicken“ können, teilte Dietrich Austermann der FAZ mit. Das Verfahren sei nicht so transparent und nachvollziehbar gewesen wie vereinbart. Zudem kritisierte er die „eingespielten Netzwerke und Seilschaften in der DFG“, welche eine Entscheidung nicht nur nach Exzellenzkriterien bewirkt hätten. Er und noch einige andere Wissenschaftsminister wünschten sich demnach für die nächste Runde ein stärkeres Mitspracherecht der Politik.

Peter Strohschneider, Vorsitzender des Wissenschaftsrates, wehrte alle Kritik am Auswahlverfahren ab. Was er jedoch zugab, war, dass eine Bewertung der Geistes- und Sozialwissenschaften mit der Exzellenzinitiative nur eingeschränkt möglich sei. Hier werde nach anderen Formaten der Förderung gesucht, welche speziell auf diese Wissenschaftszweige abgestimmt sein sollen.

Zudem denkt Peter Strohschneider über eine Art „Bundesliga“ nach, bei der in jeder Prämierungsrunde mindestens eine Universität aus dem Wettbewerb ausscheiden solle, womit der Wettbewerb der Universitäten untereinander erhalten bliebe.

Doch bevor solche Gedanken in die Wirklichkeit umgesetzt werden, haben in diesem Jahr wieder acht neue Finalisten die Chance auf den Elite-Titel: die Freie und die Humboldt-Universität Berlin, die Georg-August-Universität Göttingen, die RHTW Aachen, sowie die Ruhr-Universität Bochum. Aus Baden-Württemberg haben gleich drei Universitäten den Einzug ins Finale geschafft: Die zwei Favoriten Ernst-Ludwig Winnackers in Freiburg und Heidelberg, sowie die Universität Konstanz. Wie viele dieser Universitäten zur Elite gekürt werden, steht allerdings noch nicht fest.

In dieser Runde sind im Gegensatz zum Vorjahr die Geistes- und Sozialwissenschaften stärker vertreten. Das bemängelte Süd-Nord-Gefälle bleibt zwar weiterhin erhalten, ist momentan aber nicht mehr ganz so stark ausgeprägt wie zuvor. Ob dies nach der endgültigen Entscheidung immer noch so aussieht, bleibt allerdings abzuwarten. Geht man nach den Favoriten Ernst-Ludwig Winnackers, so sind die süddeutschen Universitäten wieder stark im Vorteil.

Weitere Informationen zur Exzellenzinitiative finden Sie auf den Seiten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG): www.dfg.de



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