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Andere für sich arbeiten zu lassen, kann einem selbst mehr Geld, Ruhm und Freiheit einbringen. Diese Aspekte sind besonders begehrt in unserer heutigen Gesellschaft. Dabei waren es womöglich die wichtigsten Triebfedern für eine langsame, aber stetige Weiterentwicklung des Internets. Anfangs, in den 90ern, war das Internet etwas revolutionär Neues. Zu dieser Zeit entstand der erste Internetboom, der im Nachhinein als „Web 1.0“ bezeichnet wird. Doch diese Begebenheit ist nun schon über 10 Jahre her und das darauf folgende Platzen der ersten Internet-Blase an der Börse (dot-com Tod) hat die Investitionen in Internetunternehmen stark ausgebremst. Seit geraumer Zeit floriert das Wachstum bei den Unternehmen im Internet aber wieder – was auf das Reifen des selbigen hindeutet. Neue Ideen, neues Geld, neues Glück: All das wird mit dem Begriff „Web 2.0“ assoziiert.
Das Schlagwort kursiert nun schon seit einem Jahr in Gazetten und Blogs. Dabei ist die Entwicklung, die der Begriff als Grundlage hat, nicht geplant gewesen. Es war viel mehr so, dass sich das Internet den Interessen und Neigungen des Benutzers anglich. Peu à peu hat sich der Inhalt angehäuft, der das Web heutzutage interessant macht. Zu diesem Inhalt zählen etwa Buchkritiken, Bilder, abgefilmte Kinofilme, aufgezeichnete lustige Clips, tägliche Berichte und Beichten aus den Blogs, die Wissensdusche in Wikis und viele weitere Plattformen und Technologien, durch die das Internet ein wertvoller Ratgeber, sowie Zeitgefährte geworden ist.
Das Internet scheint fast wie ein guter Freund zu sein, der alles von einem weiß. Jedoch ist genau das die große Gefahr, vor der besorgte Kritiker die Internet-User warnen, denn alles, was die Benutzer produzieren und präsentieren ist im World Wide Web, für jeden Interessierten abrufbar. Dabei vergessen manche, dass die Daten für immer existieren werden und quasi nicht löschbar sind. Es gibt sogar Dienste, die seit 10 Jahren alle Internetseiten konstant aufzeichnen, so dass keine Chance besteht, später etwas zu korrigieren. Somit können Informationen über eine Person, die innerhalb der unterschiedlichsten Kontexte erstellt wurden, zusammengeführt werden und erlauben somit einen tiefen Einblick in das Privatleben desjenigen.
Im „Web 1.0“ waren die Grenzen zwischen Autor und Nutzer klar getrennt. Heutzutage ist der Nutzer auch gleichzeitig Autor, selbst wenn er es teilweise nur unbewusst ist und dazu nicht ein einziges Wort schreiben muss. Schon die Auswahl der Ergebnisse bei „Google“ wird anhand des sogenannten „PageRanking“, also der Art und Weise wie Google die Seiten sortiert, durch den Benutzer beeinflusst. Das heißt, je öfter ein Link angeklickt wird, desto höher wird er in den Ergebnissen zu einem Stichwort gelistet.
Die Bezeichnung „Web2.0“ entstand als der Mitarbeiter Dale Dougherty von dem renommierten Computerverlag O’Reilly im Jahr 2004 auf der Suche nach einem passenden Titel für eine Entwicklerkonferenz war. Er versuchte damit den derzeitigen Zustand des Internets auszudrücken. Heutzutage hat sich der Begriff fest etabliert und ist Inhalt verschiedenster Tagungen, Vorträge sowie in den persönlichen Beiträgen im Internet, genannt Blogs.
Die verwischten Grenzen in der Benutzerführung sind ein Merkmal dieses Begriffs. Ein Beispiel wäre dazu der Messenger-Dienst „meebo“, der sein Angebot wie ein Programm darstellt, das so aussieht, als ob es auf dem heimischen PC abläuft. Die Besonderheit dabei ist, dass es komplett aus dem Internet bedient wird. Um zu chatten bedarf es somit keiner Software mehr, die man auf der eigenen Festplatte installieren muss. Aufbauend auf Technologien wie z.B. AJAX (Asynchronous JavaScript and XML), verschaffen solche Angebote dem Benutzer einen interaktiven Zugriff mit meist farbenfrohem und harmonischem Layout. AJAX stellt Mechanismen zur asynchronen Bearbeitung von Webanfragen bereit. Das heißt, dass Internetseiten nicht komplett erneuert werden müssen, wenn ihr Inhalt aktualisiert wird. Nur der Teilbereich, in dem neue Daten ergänzt werden, wird ausgetauscht.
Durch das Einbringen der Benutzer, ob freiwillig oder nicht, vermehren sich die Informationen bei den unterschiedlichsten Anbietern für Webanwendungen „von selbst“. Darauf basierend erstellte Andreas Weigend, einer der weltweit führenden Vordenker für die Umsetzung von Kundenbedürfnissen in internetfähigen Diensten wie „Amazon“, das „aal-Prinzip“. Aal steht dabei für „andere arbeiten lassen“. Mit seiner Unterstützung erfuhr etwa „Amazon“ durch die Funktion der Bewertung und die zahlreichen daraus resultierenden Kundenrezensionen einen Vorteil gegenüber den Konkurrenten in diesem Marktsegment, so dass sie später nachzogen.
Ein ähnlicher Effekt trat bei dem deutschen Network-Dienst für Studenten (StudiVZ) auf. Nur mit der weiter wachsenden Menge an Mitgliedern ist der Dienst für seine Adressaten interessant geworden und hat es innerhalb weniger Monate geschafft, eine große Anzahl von Studenten an sich zu binden. Wieder einmal sind die Internet-User als Kunden gleichzeitig verantwortlich, ihr konsumiertes Produkt selber herzustellen.
Des Weiteren spielt auch Open-Source im Web 2.0 eine große Rolle. Darunter fällt Software, die frei zur Verfügung steht und mit Hilfe von vielen Leuten weiterentwickelt wird. Ein unverkennbares Symbolwort dafür in Webdiensten ist die Bezeichnung „beta“ im Namenszug der jeweiligen Dienste. Die Einstufung steht in der Softwareentwicklung für das Stadium vor der endgültigen Fertigstellung. Durch die bleibende Markierung mit „beta“ soll das ewige Beta Stadium angedeutet werden, welches zeigt, dass kein Stillstand herrscht. Mit Hilfe dieser Herangehensweise sind die Entwickler in der Lage, schnell Änderungen vollziehen zu können und auf die Art schnell auf das Nutzerverhalten zu reagieren ohne, dass ihnen die fortlaufende Weiterentwicklung vom Kunden übel genommen wird.
Die zuvor genannten Dienste sollen hier als Beispiele dienen, wobei noch viele weitere ähnliche Angebote im Internet zu finden sind. Um den Unterschied zwischen herkömmlichen und „Web 2.0“-Anwendungen zu verdeutlichen, werden in den nächsten Wochen exemplarisch aktuelle Programme und Technologien aus dem „Web2.0“-Bereich detaillierter vorgestellt.
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