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Das Thema Studiengebühren ist mittlerweile zu einem wahren Dauerbrenner in den Medien geworden. In einer zweiteiligen Serie wollen wir uns dem „Blick über den Tellerrand“ widmen und beleuchten, wie die Regelungen in anderen Staaten sind. Im ersten Teil ging es um die Vereinigten Staaten, die für viele das Mutterland horrender Gebühren sind. Der zweite Teil beschäftigt sich nun mit einer Auswahl europäischer Staaten.
Deutschland ist nicht das einzige Land der Europäischen Union, das sich zur Einführung von Gebühren entschlossen hat. Auch im europäischen Umland sind sie üblich. Keine Studiengebühren muss man in den skandinavischen Ländern, Frankreich, Irland, Polen, der Tschechischen und Slowakischen Republik, Luxemburg und Malta bezahlen. Frankreich erhebt allerdings Gebühren für die „Grandes Ecoles“ (sie fungieren als Ausbildungsstätten für die Bildungselite in Staat und Wirtschaft) und Polen für seine Privatuniversitäten. In allen anderen Staaten sind Gebühren üblich.
In Großbritannien sind Gebühren seit langer Zeit Pflicht. Doch auch die Elite-Universitäten Oxford und Cambridge legen wert darauf, dass sie nicht teurer als „normale“ Universitäten sind. Ein Vollstudium im Undergraduate-Bereich (also vor einem ersten Hochschulabschluss) kostet 1.100 Pfund (etwa 1.600 Euro) pro Jahr. Zu diesen „Tuition Fees“ kommen noch einmal „College Fees“ hinzu, die je nach Fakultät zwischen 2.000 und 3.000 Pfund (ca. 3.300 bis 4.500 Euro) schwanken.
Studierende aus einkommensschwachen Familien werden ganz von der Gebührenpflicht befreit. Alle anderen können Kredite zur Finanzierung von Gebühren und Lebensunterhalt vom Staat erhalten. 75 % dieser Beihilfe ist einkommensunabhängig, 25 % nicht. Maximal kann ein Student 4.900 Pfund (etwa 7.400 Euro) bekommen bei einem Zinssatz von 3,1 %. Bei Aufnahme einer Arbeit wird das Darlehen direkt über den Arbeitgeber zurückgezahlt, allerdings erst bei einem Mindesteinkommen von 10.000 Pfund (etwa 15.000 Euro) pro Jahr.
Die Niederlande haben bereits 1986 Gebühren und Darlehen eingeführt. Jährlich muss jeder Student (Niederländer und ausländische Studenten) rund 1519 Euro bezahlen. Bisher konnte ein Teil zurückerstattet werden. Ab dem Studienjahr 2007/2008 soll dies nicht mehr möglich sein. Die Rückzahlung hängt vom späteren Einkommen ab und muss in den ersten beiden Beschäftigungsjahren noch nicht geleistet werden. Wenn der Darlehensnehmer nach 15 Jahren immer noch nicht in der Lage war, vollständig zurückzuzahlen, werden die ausstehenden Beträge erlassen.
Gebührenbefreit im hohen Norden
In der allgemeinen Debatte über Studiengebühren wird oft darauf verwiesen, dass es überall so sei und die Gebührenfreiheit wird beinahe schon als Standortnachteil gewertet. Doch wenn man einmal in den Norden Europas blickt, sieht man gute Beispiele, wie es auch ohne Gebühren klappt. Die skandinavischen Länder geben vergleichsweise viel für Bildung aus, die Universitäten sind gut ausgestattet und schneiden im internationalen Vergleich gut ab.
Schweden, Dänemark, Finnland und Norwegen erheben keine Studiengebühren. Trotzdem gibt es in den drei Mitgliedsländern der EU und Norwegen Studiendarlehen zur Finanzierung des Lebensunterhalts.
In Schweden bekommen Studenten einen festen Betrag pro Jahr, der sich aus einem Zuschuss und einem Darlehen zusammensetzt. 34,5 % werden als Zuschuss gegeben. Die maximale Auszahlung dieser Summe beläuft sich auf 240 Wochen, wobei ein Semester 20 Wochen lang ist. Höchstens können Studierende 3.800 Euro pro Semester bekommen. Die Rückzahlung ist auf 25 Jahre angelegt. In Norwegen und Dänemark (hier beträgt die Rückzahlungsspanne 15 Jahre) ist es ähnlich geregelt.
Fazit
Wenn man sich in der Nachbarschaft umsieht, erkennt man also, dass unterschiedliche Länder verschiedene Methoden haben, mit den spezifischen Gegebenheiten umzugehen. In den USA mag es sinnvoll sein, 20.000 Dollar Schulden aufzunehmen, nur um in Harvard studieren zu können. Doch das hängt jeweils von der Situation vor Ort ab und die exakte Kopie eines Modells ohne dass die Rahmenbedingungen passen, ist nicht zu empfehlen.
Wichtig ist es vor allem, dass Studiengebühren sozialverträglich ausgestaltet werden, um niemandem den Zugang zu Hochschulbildung zu verwehren. Hier kommen bereits viel weniger Studenten aus Elternhäusern mit niedrigem Einkommen. Es sollte nicht noch durch eine Verschärfung der Bedingungen dazu kommen, dass diese Gesellschaftsschichten ausgeschlossen sind.
Was ist Ihre Meinung zu Studiengebühren? Finden Sie, Studierende sollten sich über „die 500 Euro“ nicht so aufregen oder sind Sie der Meinung, dass selbst ein vergleichsweise kleiner Betrag für die Studenten schwer zu beschaffen sein wird? Diskutieren Sie mit uns im Life-Go-Forum über das Thema.
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