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Jedes Kind weiß, dass ein Huhn Eier legt. Inzwischen ist die Wissenschaft in der Lage die Eier zur Arzneimittelgewinnung zu benutzen. Genveränderte Hühner produzieren Eier, aus denen wichtige Stoffe für Medikationszwecke isoliert werden können.
Derlei Verwendung von Tieren zur Arzneimittelherstellung ist nicht völlig neu. Für die Therapie an zuckerkranken Menschen benötigtes Insulin wird heute mit genveränderten Bakterien hergestellt. Auch Ziegen werden gezielt genetisch verändert, um solche Stoffe zu produzieren. Die Milch dieser transgenen Ziegen, enthält ein Antitrombosemittel, welches bald auf den Markt kommen soll. Der Vorteil des Huhns als Versuchstier ist, dass der Lebenzyklus relativ kurz ist und die Tiere bereits im frühen Lebensalter mit der Eiablage beginnen. Zudem legt ein Huhn jeden Tag ein Ei und kann somit große Mengen an Arzneimitteln produzieren.
Bereits vor einigen Jahren hatten Forscher behauptet, pharmazeutische Wirkstoffe aus Eiern genveränderter Hühner gewinnen zu können. Diese Behauptung konnte bis jetzt nicht bestätigt werden. Inzwischen ist es gelungen fünf aufeinander folgende Generationen von Hühnern zu züchten, in deren Eier sich besondere Wirkstoffe im Eiweiß nachweisen lassen. Es handelt sich dabei um Botenstoffe und Antikörper des menschlichen Immunsystems, die gegen Krebs, Arthritis und andere schwere Krankheiten eingesetzt werden können.
Auch Dolly, das erste geklonte Schaf, stammte aus dem Labor in Schottland, in dem die Versuche stattfinden. Das Genom der Hennen wird gezielt verändert. Das gewünschte Gen wird in das Gen für das Protein Ovalbumin eingesetzt. Ovalbumin kommt nur im Eiweiß der Eier vor, nirgendwo sonst im Hühnerleib. Damit befinden sich die transgen-produzierten Stoffe nur in den Eiern und nicht in den Organen der Hennen. Die Medikamentstoffe werden aus dem Eiweiß herausgefiltert und von Fremdstoffen gereinigt. Dadurch können Verunreinigungen mit anderen Hühnerproteinen ausgeschlossen werden. Um diese Methode effizient nutzen zu können, muss die in den Eiern zu isolierende Menge allerdings noch gesteigert werden.
Doch wann kommt es zur Anwendung dieser Stoffe am Menschen? Ist es bald so, dass das Frühstücksei zur Krebsprävention genutzt werden kann? Die Arbeitsgruppe um Helen Sang in Schottland arbeitet seit 15 Jahren an diesem Projekt und es wird wohl noch mindestens weitere 5 Jahre dauern, bis es zu den ersten klinischen Studien am Menschen kommt. Später soll nur das isoliere Protein verwendet werden, nicht das gesamte Ei. Bis zur Markteinführung soll es also noch circa 10 Jahre dauern.
Auf die Dauer scheint das Verfahren eine kostengünstigere Alternative zur konventionellen Arzneimittelherstellung darzustellen. Das Hühnerfutter wäre dabei noch der größte finanzielle Faktor. Es bleibt aber erst einmal abzuwarten, was in Studien nachgewiesen und ob die Menge an gewünschtem Protein pro Ei gesteigert werden kann. Auch die Gesundheit der transgenen Tiere sollte nicht außer Acht gelassen werden.
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