|
Eigentlich sollte es ja anders sein. Urlaub steht an, man freut sich lange darauf, plant und bereitet alles vor und dann das - man wird krank. Entweder Müdigkeit, Erkältung, Magen-Darminfektion, Kopfschmerzen, Depression - die Symptome sind vielfältig. Viele Menschen kennen dieses Phänomen und fragen sich: Wieso immer im Urlaub?
Diese Frage hat sich auch Ad Vingerhoets, Professor für klinische Gesundheitspsychologie von der Universität Tilburg, gestellt und dazu eine Studie entwickelt. An dieser holländischen Studie haben 1.128 Männer und 765 Frauen im Alter zwischen 16 und 87 Jahren teilgenommen.
Ursprünglich glaubten die Forscher, dass das Syndrom seine Ursache in erhöhtem Konsum von Kaffee, Alkohol und Zigaretten haben könnte, doch das stellte sich als haltlos heraus. Auch die Schlafgewohnheiten der Probanden zeigten keinerlei Abweichungen von denen der gesunden Durchschnittsbevölkerung. Und doch ergab sich, dass drei Prozent der Bevölkerung regelmäßig zu den Ferien erkrankten. Einige von ihnen sogar regelmäßig an den Wochenenden. Die Freizeitkranken hatten auch keine härteren Jobs, wie dann vermutet wurde.
Woran liegt es also? Der entscheidende Unterschied, fanden die Forscher heraus, ist, dass diesen Menschen der Wechsel zwischen Freizeit und Arbeit nicht reibungslos gelingt - sie können nicht loslassen bzw. abschalten. Vingerhoets: „Gedanklich bleiben sie mit einem Bein immer bei der Arbeit.“
So führt zum einen das Nicht-Abschalten-Können zu einem Dauerstress, zum anderen wird der Wegfall von Stress und der andere Lebensrhythmus im Urlaub als Stress empfunden und so kommt es zu den verschiedensten Krankheitssymptomen. Dieser Stress kann nicht wie sonst durch den gewohnten Tagesablauf abgebaut werden. Durch die vermehrten Ruhezeiten kommt es zu einem Ansteigen der Erregung und der Spannung und so zur Krankheit.
Vor allem Menschen, die ihren Job besonders gut machen wollen und sich sehr verantwortlich fühlen, sind gefährdet. Frauen, die unter der permanenten Doppelbelastung Familie und Beruf leiden ebenso wie Menschen, die ständig mit der Angst leben, ihren Job zu verlieren, oder solche, die nicht nein sagen können und hohe Ansprüche an sich selbst stellen.
Vingerhoets empfiehlt den Betroffenen, ihre Sichtweise auf das Leben zu ändern. Die Arbeit sollte nicht mehr im Vordergrund stehen, sondern Familie und private Dinge sollten diesen Platz eingeräumt bekommen.
Entspannung kann mit Hilfe von autogenem Training, Yoga oder anderen Techniken erlernt werden, doch vielen fehlt schon zum Erlernen dieser Techniken die Ruhe. Diese Menschen sollten sich dann erst einmal auf den Abbau der Spannungen konzentrieren, etwa mit Hilfe einer für sie passenden Sportart, oder das Problem tiefergehend angehen. Unterstützung bei der Veränderung der Lebenseinstellung kann unter anderem die Homöopathie durch einen erfahrenen Homöopathen oder das NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren) durch einen erfahrenen Coach / Therapeuten geben. Auch Akupunktur, Reiki oder andere alternative Heilmethoden können hier hilfreich sein.
Doch auch schon kleinere Veränderungen können Erleichterung schaffen:
- Vor und während des Urlaubs darauf achten, dass genug Zeit für Sporteinheiten ist –
Walken, Joggen, Fitnesstraining, Fußball, Squash, Schwimmen oder Bungeejumping,
Mountainbike fahren - je nach Bedürfnis und Temperament.
- Für den Urlaub sollten drei Wochen eingeplant werden, denn man hat herausgefunden, dass
sich der Organismus in der Regel erst nach zwei Wochen auf Freizeit eingestellt hat.
Der Ablauf des Urlaubs sollte rechtzeitig und mit Ruhe geplant werden:
- genauer Ablauf - was muss wirklich noch vorher erledigt werden? Was kann bis nach dem Urlaub warten?
- Verteilen von Aufgaben an Kollegen / Partner / Kinder.
- Versorgung von Blumen und Haustieren schon einige Wochen vor der Abfahrt organisieren.
- Schlüsselübergabe möglichst nicht direkt vor der Abfahrt erledigen.
- Kinder und Partner können durchaus ihre Koffer selber packen.
- Zwischen Arbeitsende und Abfahrt ein bisschen Pause einplanen.
- Vermeiden Sie die typischen Stauwochenenden.
- Möglichst nicht nach Urlaubsende gleich am nächsten Tag wieder arbeiten.
- Verbannen Sie Gedanken an die Arbeit im Urlaub und seien Sie nicht uneingeschränkt erreichbar.
- Konzentrieren Sie sich auf das Abschalten und machen Sie es sich schön.
- Und falls es Sie doch erwischt und Sie krank werden - versuchen Sie es gelassen zu nehmen und nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um wieder gesund zu werden.
|